Beklemmend, überraschend, erhellend: Ein Rundgang durch die Grube

Von: vm
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Am Ende des Parcours: interaktive Stationen. Foto: (vm)
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Am Ende des Parcours: interaktive Stationen.

Alsdorf. Erst mal steht man vor einer anthrazitfarbenen Wand. Es riecht nach Schmieröl. Man hört tonloses Lautsprecherbrummen gemischt mit vibrierendem Verstärkersummen. Um die Ecke gebogen sieht man, wie aus einem gigantischen Trichter unter der Decke eine Lavablase zu tropfen scheint.

Die Farben changieren zwischen weiß und rot, bei rot scheint die Temperatur im Raum um ein paar Grad zu steigen. Man fühlt sich ein bisschen wie in Lars von Triers Melancholia, als der gleichnamige Planet auf die Erde zusteuert.

Überwältigende Bilder, beeindruckende Kulissen, Spiel mit der Sinneswahrnehmung – davon lebt das Alsdorfer Energeticon. Vor gut einem Jahr wurde es eröffnet, es trägt den Slogan „Energie erleben – Energie verstehen“. 12.000 Besucher sollen bislang hier gewesen sein, am frühen Morgen unter der Woche ist es menschenleer, fast gespenstisch. 14 Millionen Euro hat der Bau gekostet. Bis 2017 wird das Energeticon vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) gefördert, danach soll es sich selbst tragen.

Die Dauerausstellung soll die Kernbotschaft „Von der Sonne zur Sonne“ vermitteln. Der erste Raum (der Sonnenraum), und der letzte Raum (Sonne und Nutzenergien) bilden im Grunde aber nur die Klammer um das ehemalige Bergwerk Anna II. Ein reines Bergbaumuseum sollte es nicht werden, deshalb verstecken sich die Zechenrelikte wohl hinter Überschriften wie „Geschichte fossil“ und „Inszenierte Seilfahrt“.

Der Rundgang führt an alten Warnschildern und aufgereihten Grubenlampen vorbei und dann über einen Aufzug in ein nachgebautes Bergwerk. Die Fahrstuhltür schließt sich, es ruckelt, das Licht flackert. Unheimlich.

Unten angekommen, nimmt die Beklemmung tendenziell noch zu. Ein Schacht. Leitungen. Pumpen. Förderwagen. Auf die Wand projizierte Bergleute, die gerade eine Sprengung durchführen. Eine Explosion. Schürfgeräusche, scharrende Schritte. Kommt da wer? Nein. Auch nur der Lautsprecher. „Authentisch“ – dieses Wort wird in diesen Zusammenhängen gerne bemüht, und es trifft auf die Ausstellungsteile rund um Anna II vermutlich sehr gut zu. Die Dichte an Originalmaschinen, -werkzeugen und -anlagen geben dem Laien sehr detaillierte Einblicke in eine untergegangene Arbeitswelt.

Der Weg führt wieder an die frische Luft, direkt auf eine Teilschnittmaschine zu. „Bohrer“ könnte man auch sagen. Über ihn wölbt sich wie ein skelettierter Brustkorb ein Stahlgerippe. Es diente der Abstützung des Stollens. An Güterwaggons vorbei, die ehemalige Schmiede hinter sich lassend, steuert der Besucher die beiden weiteren Gebäude, das alte Fördermaschinenhaus und die Kaue, an. Wieder unter Tage, im nächsten Stollen: Grubenfahrräder, Röntgenaufnahmen einer gesunden und einer Staublunge, ratternde Geräusche der Förderwagen. Hinter der nächsten Tür summt nur die Klimaanlage, dahinter ist es gänzlich still. Hier beginnen die Bilder der Bergleute zu sprechen, sobald die Lichtschranke Bewegung wahrgenommen hat.

In der Schwarzkaue hängen noch die Drahtkörbe der Bergleute. Mit den beiden Säulenreihen und den Bänken ähnelt der gekachelte Raum einem Kirchenschiff. Mittig hängen an einem Haken Arbeitskleider von der Decke runter, durch den Lichtspot einem Kruzifix im Altarraum gleich.

Etwas unvermittelt folgt zum Schluss des Parcours der interaktiv gestaltete Themenkomplex Sonnenenergie und Energiewende.

Nach 30 Stationen und 700 Metern Wegstrecke kann man dann versuchen, das Erlebte mit dem heutigen Bild der Stadt Alsdorf in Einklang zu bringen.

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