Beim Fashionclash-Festivals ist Mode alles andere als gewöhnlich

Von: Ines Kubat
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Alles andere als gewöhnlich: Die Kreationen des Fashionclash-Festivals sind nicht immer im Alltag tragbar. Sie fallen auf und sollen zeigen: Die Vielfalt der Kulturen birgt viel Potenzial. Foto: Alexandra Balisovau
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Kindheitserinnerungen: Die Designerin Rachel Prijs aus Maastricht hat ihre Kinderfotos an dieser Jacke verewigt. Foto: Liselotte Fleur

Region. Die meisten Menschen verbinden mit Maastricht die idyllische Altstadt mit Gassen und gemütlichen Plätzen und das lebendige Maasufer. Doch das Zentrum von Südlimburg hat noch viel mehr zu bieten – zum Beispiel avantgardistische Mode-Designer mit ihrem Fashionclash-Festival.

Vier Tage lang stellt das Mode-Event jedes Jahr die Stadt mit Laufsteg-Shows, Performances, Lesungen und vielem mehr auf den Kopf – und ordnet so das Verständnis und den Blick auf Mode von vielen Besuchern ganz neu. Denn eins haben die knapp 150 teilnehmenden Designer aus über 30 Ländern gemeinsam: Ihre Mode ist alles andere als gewöhnlich, nicht immer im Alltag tragbar, und ganz sicher nicht von der Stange zu kaufen.

Von Donnerstag, 30. Juni, bis Sonntag, 3. Juli, findet in diesem Jahr das bereits achte Fashionclash-Festival statt. Es wartet wieder mit großem Programm auf, das natürlich nicht nur Fashion-Experten vorbehalten ist.

Ein Gefühl der Wärme

Das diesjährige Motto lautet „Heritage“ – also „kulturelles Erbe“. Schon auf dem Titelbild wird die Botschaft, die die drei Organisatoren Branko Popovic, Laurens Hamacher und Nawie Kuiper vermitteln wollen, deutlich: Mehrere Models stehen, liegen und sitzen eng aneinandergeschmiegt in der gemeinsamen Umarmung. Sie alle tragen ethnisch inspirierte Outfits: Mal erinnert der Kopfschmuck an die Inka-Tradition, mal an afrikanische Stämme. „Heritage“ ist hier als kulturelle Vielfalt ausgedrückt, und es symbolisiert „ein Gefühl der Wärme und der Brüderlichkeit“, wie Branko Popovic erklärt.

Ein Grund für das Motto sei die Flüchtlingskrise, die bei manchen Menschen negative Reaktionen wie Angst oder sogar Hass hervorgerufen habe. „Wir wollen aber zeigen, dass gerade die kulturellen Unterschiede positiv sind und man ihnen mit Neugier begegnen kann“, findet Popovic.

Fragen der Identität und der kulturellen Herkunft werden deshalb schon direkt bei der Eröffnung des Festivals am Donnerstag ab 21.30 Uhr im Gebouw M im Vordergrund stehen. Der Abend steht unter dem Titel: „Celebration of diversity“ (Fest der Vielfalt). Der Eröffnungsabend bietet immer einen kleinen Vorgeschmack auf die Mode, auf das Thema und die Stimmung des Festivals: „Doch dieses Mal wird es etwas anders als sonst“, sagt Popovic mit einem verschmitzten Lächeln. Die Regie und das Konzept übernehmen in diesem Jahr Mitglieder der Theater Academy Maastricht. Sie inszenieren die spektakulären Kostüme der Maastrichter Designerin Tiel Janssen. Den musikalischen Part gestalten professionelle syrische Musiker, die aus ihrer Heimat nach Europa geflohen sind.

„Als Organisatoren des Festivals ist es nicht unsere Aufgabe, politisch zu handeln“, sagt Popovic, „wir können höchstens mit dem Hauptthema einen gewissen Impuls geben, über manche Dinge neu nachzudenken.“ Genau das tun die ausgewählten Designer auch, die speziell für die Ausstellung Mode, Schuhe, Fotografie und Installationen zum Thema „Heri-tage“ entworfen haben. Und ihr Zugang, mit dem sich die Künstler und Designer dem Thema genähert haben, sei ganz unterschiedlich, wie Branko vorab verrät: Eine junge Designerin aus Maastricht beispielsweise habe Mode eingereicht, die kaleidoskopartig mit Bildern aus ihrer eigenen Kindheit bedruckt ist. „Das ist ein sehr persönlicher Ansatz.“ Ein anderer Designer stellt Schuhe vor, die er zwar modern gestaltet, aber mit einer sehr alten Technik des Korbflechtens hergestellt hat.

Mehr als 100 Designer reisen in den kommenden Tagen für das Festival nach Maastricht. Sie füllen das große Programm aus Fashionshows, Ausstellung, einem Pop-Up-Store, Lesungen und Talks mit Leben.

Und wie immer ist die Bandbreite für das interessierte Publikum beim diesjährigen Fashionclash sehr groß. Aber anders als in früheren Jahren gibt es keine Parade mehr durch die Stadt, die Passanten auf das Festival aufmerksam macht. Wie schafft man es dennoch, diejenigen für das Festival zu begeistern, die nicht ohnehin schon Tickets haben? „Dadurch, dass wir ganz bewusst an vielen verschiedenen Orten Veranstaltungen machen und damit die ganze Stadt bespielen, erreichen wir schon mehr Menschen.“

Außerdem versuchen die Veranstalter, Interesse über Projekte zu wecken, sagt Popovic und stellt „Let’s (ad)dress the people“ vor: In einem kleinen Atelier am Plein 1992 werkeln seit Wochen Frauen und Männer mit Designern an eigenen Beiträgen zum Festival: Die Teilnehmer sind alle über 55 Jahre alt und besitzen Fähigkeiten wie Nähen, Häkeln, Stricken und Flechten.

Auch hier geht es also wiederum um das Hauptthema „Kulturerbe“. Das Gewebe-Kunstwerk, das sie herstellen, soll beim Festival nicht einfach nur ausgestellt werden, wie Popovic erklärt: Die Teilnehmer werden im Laufe des Wochenendes im Freien weiter daran arbeiten, und auch Passanten könnten jederzeit hinzustoßen und sich beteiligen. Die einzige Vorgabe: Sie müssen über 55 Jahre alt sein. „Mit solchen Aktionen versuchen wir, eine größere Aufmerksamkeit für Fashionclash zu schaffen. Denn viele Leute wissen noch immer nicht, dass es uns gibt. Und so einige glauben, gutes Design gebe es nur in Berlin oder Amsterdam“, sagt Popovic.

Vorurteil und Skepsis gegenüber Fashion ist ihnen nur allzu gut bekannt: „Viele sagen, dass sie Hemmungen haben, das Festival zu besuchen, weil sie ein gewisses Bild von Fashion haben und fürchten, dass sie hier für ihren Stil bewertet werden.“ Aber „wir glauben, dass wir etwas wirklich Offenes geschaffen haben, das alle willkommen heißt“, sagt Hamacher. Denn das Festival sei auch etwas für Leute, die mit Fashion gar nicht so viel am Hut haben, sondern einfach nur an Kultur, Theater und Ausstellungen interessiert seien.

Mutig ausprobieren

„Aber wer soll diese ausgefallene Mode denn tragen?“ Auch diese Frage kennen die Organisatoren zur Genüge. Natürlich sei die Mode, die da über die Laufstege schwebt, sehr ausgefallen, gibt Laurens Hamacher zu: „Aber wir wollen ja auch gar nicht einfach Kollektionen zeigen, die nächstes Jahr im Schaufenster hängen.“ Stattdessen geben sie jungen Designern eine Plattform, um sich auszuprobieren: „Die Ergebnisse sind dann eben sehr kreativ, mutig und avantgardistisch.“

Popovic ergänzt: „Wir wollen tatsächlich nicht Mode allein, sondern die Kunst der Mode zeigen. Es geht um das Material, die Verarbeitung, die Schönheit der Details und der Handarbeit.“ Sie selbst seien eher als Anti-Fashion-Gruppe zu verstehen – als solche, die diese scheinbar oberflächliche Branche immer wieder hinterfragen. Das alljährliche „Clash Project“ gibt deshalb auch Vertretern anderer Disziplinen eine Möglichkeit, ihre Sicht auf Fashion darzustellen: Am Donnerstag zur Eröffnung werden Modestücke über den Laufsteg getragen oder gerollt, die von Designern und Künstlern außerhalb der Modebranche stammen.

Einzige Vorgabe hier: Das Modestück muss von A nach B transportiert werden können. Voriges Jahr war ein Modell beispielsweise in ein riesiges, tortenstück-ähnliches Kostüm gesteckt – selbst eine rote Kirsche zierte die Spitze des Kopfes. Und auch dieses Jahr werde die Samstagsshow mit dem „Clash Project“ ab 22 Uhr wieder spektakulär – so viel verspricht Popovic schon mal mit einem wissenden Lächeln. Was genau passieren wird? Dieses Geheimnis bleibe wie immer bis zur Show gut gehütet.

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