Bei U-Booten wird auf die Eifel gebaut

Von: Thorsten Karbach
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Heißes Geschäft: Die Edelstahlgießerei der Otto Junker GmbH hat schon bessere Zeiten erlebt. Aber das kann sich bald schon wieder ändern, wie die 90-jährige Geschichte des Hauses lehrt. Foto: Peter Stollenwerk
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Runde Sache: Präzision ist auch bei Großbauteilen elementar. Foto: Peter Stollenwerk

Simmerath. In jedem Automobil oder Flugzeug steckt Aluminium oder Kupfer, das in Lammersdorf einen Ofen gesehen hat. Die Produktion von 30 Prozent aller Mikrochips weltweit läuft mit Maschinen die dort aus der Gemeinde Simmerath kommen.

Und Windradhersteller wie U-Boot-Fabrikanten vertrauen auf die Arbeit der Otto Junker GmbH. Unterm Strich sind es weltweit gewiss mehrere Tausend Industrieöfen, die von der traditionsreichen Firma gebaut wurden. In diesem Jahr wird das Unternehmen 90 Jahre alt, was in der kommenden Woche unter anderem mit einer Ofenbautagung im Zinkhütter Hof in Stolberg gefeiert wird. Zeit, bei einem der weltweit führenden Ofen- und Anlagenbauer zurück, aber vor allem auch nach vorne zu blicken.

Die Situation: Die Otto Junker GmbH kann auf drei Geschäftsbereiche setzen – Induktionsschmelzanlagen, Thermoprozessanlagen (Wärmebehandlung) und die eigene Edelstahlgießerei. Das können die Mitbewerber so nicht aufbieten und ist ein Vorteil des Unternehmens. Dank der Edelstahlgießerei, die anfangs als Versuchsgießerei diente, seit vielen Jahrzehnten aber weit mehr als das ist, gibt es die Chance, eigene Anlagen auch zu testen. Das sorgt für anderswo seltene Synergien. „Es ist in dieser Form einzigartig“, sagt der Vorsitzende der Geschäftsführung, Markus D. Werner.

Die Anlagen und Bauteile, die die Otto Junker GmbH letztlich fertigt, sind so etwas wie Maßanfertigungen für die Kunden. Die meisten sind in ihrem Bereich Weltmarktführer – etwa in der Getränkeabfüllung, in Umwelttechnik oder Müllverbrennungsanlagen. Es grenzt an Zufall, dass in diesem Jahr gleich zehn Fünf-Tonnen-Maschinen gefertigt werden. In der Regel ist alles, was das Werk verlässt, eine Spezialanfertigung.

Während die Auftragsbücher im Anlagenbau voll sind, die Eingangsziele bei den Thermoprozessanlagen längst erfüllt sind und Überstunden geleistet werden müssen, um beispielsweise einen großen Auftrag aus den USA zu erfüllen, bleibt die Auslastung der Edelstahlgießerei hinter den Erwartungen zurück. „Wir spüren die Zurückhaltung am Markt, in Europa wird zu wenig investiert. Das ist ein konjunkturelles Problem“, erklärt Elmar Westhoff, Geschäftsführer des Bereichs Edelstahlgießerei. Weil es aber die drei Geschäftsbereiche gibt, ist das Unternehmen insgesamt weniger anfällig für konjunkturelle Schwankungen. Der Umsatz der Otto-Junker-Gruppe mit allen Geschäftsbereichen lag 2013 bei weltweit etwa 120 Millionen Euro.

Die Anfänge: Es ist eine alte Geschichte. 1924 gründete Otto Junker das Unternehmen, um wassergekühlte Kokillen (Gussformen) herzustellen. Diese Kokillen für Nicht-Eisen-Metalle hatte sein Vater Andreas, ein Werkmeister aus den Metallwerken in Stolberg, entwickelt. Die Verbindung blieb. In der dortigen Silberhütte steht heute ein neuer Induktionsofen der Otto Junker GmbH.

Die Entwicklung: Längst vorbei sind die Zeiten, in denen mehr als 1000 Menschen bei der Otto Junker GmbH arbeiteten und zum Schichtwechsel für einen langen Stau in Lammersdorf sorgten. Ein seltenes Bild in der beschaulichen Nordeifel! 450 Mitarbeiter gibt es nach vielen Aufs und Abs aber noch am Standort, hinzu kommen 32 Auszubildende, in der Gemeinde Simmerath ist die Otto Junker GmbH weiterhin der größte Arbeitgeber.

Die Perspektive: Vorhersagen sind schwer, die glänzende Geschäftslage im Anlagenbau ist eine schöne Momentaufnahme. Mehr nicht. Die Edelstahlgießerei wird modernisiert, die geringere Auslastung wird also genutzt, um sich besser aufzustellen. „Innovation ist das Schlüsselwort für uns“, erklärt Frank Donsbach, Geschäftsführer des Bereichs Induktionsschmelzanlagen. „Wir können nicht die billigsten Anbieter auf dem Markt sein. Aber wir wollen und können der Technologieführer sein.“ Dazu zählt auch das Thema energiesparende Ofentechnik. Oder die Vakuumschmelztechnik – so in Deutschland einmalig.

Nie zuvor sei so viel Kapital und Personal in Innovation investiert worden. „Wir müssen Prozesse verbessern, Kompetenzen erweitern“, sagt Werner. Dazu wird beispielsweise für 500.000 Euro eine Versuchsanlage für das Recyceln von Metallen gebaut. Donsbach sagt: „Unsere Investitionen sind ein klares Bekenntnis zum Standort Lammersdorf.“ Und damit zur Tradition des Hauses. „Tradition und Hightech widersprechen sich nicht“, sagt Atilla Somuncu, Geschäftsführer des Bereichs Thermoprozessanlagen.

Doch auch der Standort Shanghai wächst, Servicestellen in den USA, in Dubai, Brasilien und Russland werden größer oder neu aufgebaut. Das ist der Internationalisierung der Geschäfte geschuldet. Zu den 450 Mitarbeitern in Lammersdorf kommen mittlerweile 200 weitere in aller Welt, es gibt Tochtergesellschaften in Tschechien, China und Amerika, die Tochter Induga sitzt mittlerweile aus in Lammersdorf. „Von den Aufträgen aus Deutschland oder auch Europa könnten wir nicht leben“, berichtet Donsbach. Aber dafür hat der Namen Otto Junker weltweit einen entsprechenden Klang. Das wissen Mikrochip-Produzenten. Das weiß aber auch Airbus, wenn ganze Flügel in den Ofen kommen.

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