Bei Söder hört für die Amigos der Spaß auf

Von: Thomas Thelen
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Keine Lust auf Markus Söder: Die 4 Amigos Stefan Beuel, Uwe Brandt, René Brandt und Dietmar Ritterbecks (v.l.) bei der AKV-Festsitzung zur Verleihung des 63. Ordens Wider den tierischen Ernst 2013 an den Grünen-Politiker Cem Özdemir (Mitte). Sowohl die Amigos als auch Özdemir nehmen nicht an der kommenden AKV-Sitzung teil. Foto: Michael Jaspers
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Der Stein des Anstoßes: Ein Tweet des designierten Ritters kurz nach den Terroranschlägen von Paris.
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Am designierten Ordensritter Markus Söder (CSU) scheiden sich in Aachen die Geister. Foto: dpa

Aachen. Da hört der Spaß auf – selbst für die 4 Amigos! Jedenfalls ist René Brandt, Stefan Beuel, Dietmar Ritterbecks und Uwe Brandt die Lust auf die Verleihung des Ordens „Wider den tierischen Ernst“, mit der der Aachener Karnevalsverein (AKV) seit 1950 jährlich „prominente Persönlichkeiten mit Humor und Menschlichkeit“ auszeichnet, gehörig vergangen.

 „Wir sind diesmal nicht dabei“, sagt Uwe Brandt (49). Zwar habe es Versuche gegeben, „uns doch noch mit ins Boot zu holen, doch unser Nein steht, unsere Haltung ist klar“.

Damit positionieren sich die Amigos klar gegen die Verleihung an den designierten Ordensritter, den Bayerischen CSU-Finanzminister Markus Söder, der noch in der Nacht der Terror-Anschläge von Paris Parallelen zwischen den Attacken und der sogenannten Flüchtlingskrise gezogen hatte.

Für seinen Tweet hatte Söder massive Kritik geerntet. Sogar sein Unionskollege, der stellvertretende CDU-Vorsitzende Armin Laschet, hatte Söder um Klärung gebeten. Auf Twitter schrieb er: „Vor diesen Terroristen des IS fliehen die Flüchtlinge nach Deutschland. Was meint Ihr Tweet?“

Zahl der Absagen wächst

Ihr Nein hatten die Amigos unmittelbar nach der umstrittenen Äußerung des designierten Ordensritters dem AKV mitgeteilt. Damit wächst die Zahl der Absagen an den AKV.

Namhafte Bundes- und Landespolitiker hatten ebenfalls angekündigt, der Sitzung am 23. Januar 2016 fernbleiben zu wollen – darunter auch Grünen-Chef Cem Özdemir, Ordensritter von 2013, und Sahra Wagenknecht, Fraktionsvorsitzende der Linken. Nach der Absage der Amigos muss der AKV nun auch auf seine Öcher Sympathieträger verzichten.

 

Herr Brandt, warum werden Sie am 26. Januar nicht auf der AKV-Bühne stehen?

Uwe Brandt: Das ist sehr einfach: Weil sich der AKV für einen Ritter entschieden hat, der nach den Terroranschlägen von Paris mit einem Twitter-Eintrag gezeigt hat, dass er offenbar gewisse Haltungen hat, die für uns nicht vertretbar sind. Für diesen Mann ein Fest in Aachen zu veranstalten und ihm dann auch noch einen Orden für Menschlichkeit zu überreichen, ist eine Entscheidung, die wir nicht nachvollziehen können. Wir wollen ein solches Fest nicht mit unserer Anwesenheit dekorieren.

Die Amigos hatten in der Vergangenheit vielbejubelte Auftritte bei der Sitzung, fanden bei der TV-Ausstrahlung auch bundesweit Beachtung. Wegen eines einzigen Tweets lassen Sie sich diese Chance nun entgehen . . .

Brandt: Was heißt denn bitteschön wegen eines einzigen Tweets?! Wir denken, dass es gefährlich ist, wenn Leute in dieser heiklen Phase, in der wir gerade stecken, Stimmung machen und Feuer legen in eine bestimmte Richtung. Und zwar in der Hoffnung, dass es auch genau da brennt. Das ist Brandstifterei! Ich will das aber nicht weiter vertiefen, dazu ist genug gesagt.

Und was hat der AKV gesagt?

Brandt: Zunächst haben die Verantwortlichen es einfach zur Kenntnis genommen, weil sie wohl alle Hände voll zu tun hatten. Wir haben uns dann aber zusammengesetzt, das war auch sehr freundschaftlich und offen. Unsere Position ist in gewisser Weise auch auf Verständnis gestoßen.

Also doch Friede, Freude, Eierkuchen?

Brandt: Wir waren immer sehr gerne ein Teil der AKV-Ordensverleihung. Wir haben schöne Erinnerungen an unsere Auftritte. Diesmal war sogar ein Auftritt von uns bei der Aftershowparty geplant. Das hätten wir auch alles sehr gerne gemacht, aber diesmal geht‘s eben nicht. Wir sind dem AKV aber nach wie vor in weiten Zügen freundschaftlich verbunden.

In weiten Zügen freundschaftlich verbunden? Das klingt aber extrem distanziert. Ist das Tischtuch zerschnitten?

Brandt: Nein! Es gibt unterschiedliche Auffassungen. Da sind die Meinungen ausgetauscht, und gut ist.

Gut ist? Das sollen wir Ihnen glauben . . . ?

Brandt: Ja, durchaus – zumindest, was den AKV betrifft, ist das Thema durch.

Und sonst?

Brandt: Man macht sich halt seine Gedanken, ob dieses Fest gut ist für unsere Stadt. Denn letztlich geht es ja nicht nur um den AKV, der es verpasst hat, ein klares Bekenntnis abzugeben. Es geht für uns eben auch um die Frage, welches Signal wir Aachener mit solch einer Ehrung aussenden.

Haben Sie Sorge, dass man Ihnen Verrat am Öcher Karneval, ja an der Stadt vorwerfen könnte?

Brandt: Das passiert ja schon, damit haben wir gerechnet. Aber wenn man eine Haltung hat, dann muss man auch was aushalten können.

Treffen Sie Entscheidungen von derartiger Tragweite eigentlich bei den Amigos demokratisch?

Brandt: Also die Formulierung „von derartiger Tragweite“, die geht mir nun doch zu weit. Wir sind eine Gruppe von Jungs, die den Karneval lieben und gerne auf der Bühne stehen. Man darf uns im Zusammenhang mit der ganzen Geschichte nun auch nicht überhöhen. Die Sitzung wird stattfinden – auch ohne die Amigos.

Na ja, Sie wissen aber sehr wohl um Ihre Stellung im Karneval in dieser Stadt . . .

Brand: Wir sind ein Teil des Ganzen. Und den Menschen scheint das, was wir machen, zu gefallen.

Die 4 Amigos stehen und standen aber auch immer für eine Alternative zum karnevalistischen Establishment. Gerade darum werden die Menschen sehr genau hinschauen, wie Sie sich in dieser Angelegenheit verhalten.

Brandt: Das mag ja sein. Wir haben aber nur auf uns gehört und unsere Entscheidung getroffen. Wir haben uns nicht an einer Kampagne beteiligt gegen den AKV, wir sagen Nein zum Ordensritter Markus Söder.

Aber erst seit dem Tweet . . .

Brandt: Wir hatten, was die Nominierung von Söder als Ritter betrifft, eh schon Bauchschmerzen. Nach dem Tweet war für uns ein Punkt erreicht, an dem wir gesagt haben, das kann so nicht sein. Und um dann doch die Frage zu beantworten, ob wir das demokratisch entschieden haben: Da gab es bei uns Vieren keine zwei Meinungen.

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