Aachen - Bei Schlaflosigkeit sollte man aktiv werden

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Bei Schlaflosigkeit sollte man aktiv werden

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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© : dmp /// Heute Dienstag 05.September 2017 2017-09-05; Forum Medizin, des Medienhaus, AZ, AN Messe, Foto: Ralf Roeger
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Bestens verkabelt: So funktioniert ein Schlaflabor. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Schlaf ist wichtig! Darin waren sich die Experten des Forums Medizin unserer Zeitung und der Uniklinik Aachen am vergangenen Dienstag zum Thema „Probleme mit dem Schlaf“, moderiert von unserer Redakteurin Sabine Rother, absolut einig.

Professor Michael Dreher, Leiter der Sektion Pneumologie in der Klinik für Kardiologie am Uniklinikum, brachte es auf den Punkt: „Bei der Menge Zeit, die wir mit Schlafen verbringen, muss der Schlaf immens wichtig sein. Sonst wäre es eine absolute Fehlleistung der Natur.“ Im Umkehrschluss bedeutet das: „Wer nicht schläft, wird dick, dumm und krank“, wie Professor Michael Grözinger, Oberarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik an der Uniklinik, knackig ergänzte.

Der Mensch braucht eine bestimmte Schlafarchitektur aus oberflächlichem Schlaf, Tiefschlaf und REM-Schlaf für die Traumphasen, um leistungsfähig und langfristig gesund zu sein. „Aber Schlaf ist kein Sparmodus. Im Schlaf wird das Gedächtnis konsolidiert und verbessert sowie der Körper restauriert. Es ist ein bewusstloser Arbeitsmodus“, so Grözinger. Dr. Hermann Roth, Chefarzt der Kardiologie am Krankenhaus Düren, erklärte: „Auch die Hormonproduktion ist sehr aktiv in der Nacht. So wird das Wachstumshormon vor allem in der ersten Schlafhälfte, in der mehr Tiefschlafphasen liegen, ausgeschüttet.“

Doch bei vielen Menschen will es mit dem Ein- oder Durchschlafen nicht so recht klappen. „Es kann eine Krankheit zugrunde liegen, aber in 90 Prozent der Fälle hilft eine Änderung des Lebenswandels“, hat Internist Dr. Bernhard Grundmann in seiner Aachener Hausarztpraxis festgestellt.

Dafür gab er den Zuhörern im Hörsaal 4 der Uniklinik neun Tipps mit auf den Weg: 1. Jedem sein Recht geben: der Arbeit, einem erholsam genutzten Abend, dem Schlaf; 2. nach 19 Uhr nichts mehr essen, um den Stoffwechsel nicht durcheinander zu bringen; 3. Fernsehen vermeiden, da es entweder unruhig macht oder frühzeitig einschläfert; 4. den Schlaf durch ein Ritual vorbereiten: lesen, Musik hören, sich bewusst umziehen; 5. nicht gegen das nächtliche Aufwachen ankämpfen; 6. das Gedankenkarussell anhalten durch das bewusste Wahrnehmen von Sorgen und anschließendem Stopp sagen; 7. möglicherweise den Tag verlängern, um richtig müde zu sein; 8. bei nächtlichem längeren Aufwachen aufstehen und etwas tun, bis man wieder müde ist; 9. Entspannungstechniken nutzen. „Gehen Sie liebevoll und achtsam mit sich um. Sie können eine Pille einwerfen, aber es gibt schönere, fruchtbarere Wege, den Schlafstörungen zu begegnen.“

Eine ähnliche, vielleicht radikalere Philosophie vertrat Coach und Yoga-Lehrer Sergey Dockter: „Meine persönliche Definition von Schlaf ist das maximale Ausatmen. Ich muss bereit sein loszulassen. Ich muss bereit sein zu sterben.“ Das lasse sich lernen. „Allerdings erfordert es Zeit und Anstrengung, die lebenslang ist und keine Kompromisse duldet.“

Gabriele Neumann, Vorsitzende des Apothekerverbandes Aachen, weiß aber auch: „Viele möchten etwas in der Hand haben.“ Umso wichtiger sei es, die Ursachen zu hinterfragen. „Bei Stress zum Beispiel in Prüfungssituationen helfen pflanzliche Mittel gut. Aber manchmal liegt die Ursache auch in einer falschen Dosierung oder einer falschen Einnahme eines anderen Medikaments“, riet die Apothekerin zur Beratung.

Doch manchmal ist die Schlafstörung nicht so einfach zu beheben und fördert unbehandelt lebensbedrohliche Krankheiten wie Schlaganfall, Herzinfarkt und Bluthochdruck. Bei obstruktiver Schlafapnoe fallen die Atemwege in sich zusammen. Es kommt zu Atemaussetzern, der Körper wird nicht mehr mit Sauerstoff versorgt. „Der Körper reagiert mit Aufwachen. Dadurch wird die für die Erholung so wichtige Schlafarchitektur empfindlich gestört. Der Patient erholt sich nicht, obwohl er schläft“, erläuterte Dreher. „80 Prozent der Menschen mit schlecht einstellbarem Blutdruck haben eine Schlafapnoe.“ Therapiert wird das meistens mit einem mechanischen System: Der Patient trägt in der Nacht eine Maske, ein Gerät pustet Umgebungsluft in die Atemwege. „Der Luftdruck stabilisiert die Schlundarchitektur“, sagt Dreher.

Diagnostiziert wird eine Schlafapnoe im Schlaflabor. Dort lassen sich aber auch andere Schlafstörungen feststellen, zum Beispiel Schlafwandeln oder Traumschlafverhaltensstörungen. „Normalerweise ist die Muskelaktivität im REM-Schlaf unterdrückt, um den Schlafenden zu schützen“, erläuterte Privatdozent Johannes Schiefer, Leiter des Schlaflabors in der Uniklinik. „Das ist hier gestört.“ Die einen stehen auf und wandeln umher – „nur dann ungefährlich, solange ihnen nichts Unerwartetes in den Weg kommt“, erklärte Schiefer. Die anderen verprügeln im Traum womöglich ihren Bettnachbarn. Medikamente können hier helfen. „Aber jeder, der davon betroffen ist, hat ein hohes Risiko, an einer neurodegenerativen Erkrankung wie Parkinson oder Demenz zu erkranken. Er sollte regelmäßig zum Neurologen.“ Auch eine psychische Erkrankung kann die Ursache sein. „90 Prozent gehen mit Schlafproblemen einher“, weiß Grözinger. „Andersherum kann Schlaflosigkeit zum Beispiel Depressionen fördern.“

Schlaflosigkeit ist also in jedem Fall ein Grund, aktiv zu werden. Tagsüber, damit die Nacht wieder dem bewusstlosen Arbeiten gehören kann.

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