Aachen - Bei der Jubiläumsfeier „100 Jahre KatHO Aachen“ gab es kritische Töne

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Bei der Jubiläumsfeier „100 Jahre KatHO Aachen“ gab es kritische Töne

Von: Sabine Rother
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Festakt der Katholischen Hochschule Aachen in der Aula Carolina ... Foto: Andreas Steindl
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... mit (v.li.) NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, Dekanin Ute Antonia Lammel, OB Aachens Marcel Philipp und Bischof Helmut Dieser. Foto: Andreas Steindl
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Europapolitikerin Barbara Lochbihler (Grüne) hielt die Festrede. Foto: Andreas Steindl

Aachen. „Viel Glück und viel Segen...“ – ein Geburtstagständchen erklang zum Auftakt der Jubiläumsfeier „100 Jahre Katholische Hochschule NRW Aachen“ in der Aula Carolina – aber nicht etwa für die ambitionierte Einrichtung, sondern für den Aachener Bischof Helmut Dieser, der an diesem Tag seinen 56. Geburtstag feierte.

Bei der Festmesse im Dom bildete Diesers Predigt den Auftakt zu zahlreichen Beiträgen, die nicht nur die Entwicklung der Hochschule betrafen, sondern auch den Blick in die Zukunft lenkten. In diesem Sinne sprach Dieser von der „unabschließbaren Baustelle Mensch“ und mahnte: „Sie operieren immer am schlagenden Herzen!“ Rolf-Peter Cremer, stellvertretende Generalvikar, erinnerte zudem an die besondere Herausforderung, in einer Grenzregion wie Aachen zu bestehen. „Von den Kriegen über Weltwirtschaftskrise, Wirtschaftswunder bis hin zur Digitalisierung ist das soziale Lernen wichtig geblieben.“

Nachdem sich die Gäste bei Sekt, Saft und Häppchen gestärkt hatten, begrüßte Dekanin Ute Antonia Lammel eine bunt gemischte Festgesellschaft zwischen den mächtigen Säulen der ehrwürdigen Aula – unter anderem NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, Regionalpolitiker sowie Repräsentanten sozialer Institutionen, Städteregionsrat Helmut Etschenberg und als „Nachbar“ in selben Stadtteil Professor Marcus Baumann, Rektor der Fachhochschule Aachen. „Die Katholische Hochschule hat die Stadt mitgeprägt, viele Absolventen sitzen in der Stadtverwaltung“, betonte Oberbürgermeister Marcel Philipp.

Im Reigen der Grußwort-Sprecher, den WDR-Mitarbeiterin Barbara Mourad moderierte, kreiste alles um das Kernthema: der Stellenwert sozialer Arbeit heute. Musikalisch frech lenkte Schauspielerin Annette Schmidt zusammen mit Uwe Böttcher (Kontrabass) und Sasan Azodi in Rede-Atempausen durch die gesellschaftlichen Entwicklungen der Jahrzehnte.

Einrichtung mit Renommee

Was hat man erreicht in 100 Jahren? Wo hakt es noch? Immerhin wurde aus der Frauenschule eine akademische Einrichtung mit Renommee. Nachdem die Dekanin an mutige, politisch aktive Frauen der Vergangenheit wie Helene Weber und Teresa Bock erinnert hatte, betonte sie: „Soziale Arbeit erfährt zu wenig Wertschätzung, sie hat zu sehr Feuerwehrfunktion.“ Es sei noch ein langer Weg, bestätigte Laschet diese Sorge. Die soziale Frage sei stets eine politische Frage gewesen. „Aus christlichem Glauben erfolgt Weltgestaltung“, brachte Laschet alles auf einen optimistischen Nenner. Zu philosophischen Betrachtungen und der Mahnung „die Welt befindet sich in einer Metamorphose“ fühlte sich Rektor Professor Hans Hobelsberger angeregt.

Die Hochschule müsse sich vor „Überakademisierung“ und zugleich vor einem „Entakademisierungssog“ hüten. Durch Sondermittel des Landes könne man im kommenden Wintersemester 80 Plätze für Studierende mit Migrationshintergrund anbieten. „Was für ein Spannungsbogen“, bewunderte Professor Peter Schäfer, Vorsitzender des Fachbereichs Soziale Arbeit, die Entwicklung der Hochschule und versicherte den Trägern: „Sie haben einen wertvollen Schatz!“

Zum Schluss nutzte die Europaabgeordnete der Grünen, Barbara Lochbihler, den Festakt zum flammenden Appell für Menschenrechte, die sich Frauen einst erkämpft haben. „Von sozialer Gerechtigkeit sind wir in Deutschland selbst heute weit entfernt“, betonte die Politikerin und wies mit Nachdruck auf die unverhältnismäßig niedrigen Gehälter im Sozialbereich hin. Von einer solidarischen Gesellschaft könne keine Rede sein. Es war ein Abend, der neben Lob und Freude Diskussionsstoff für die Zukunft der Katholischen Hochschule bot und Stichworte wie Flüchtlingspolitik oder Altersarmut nicht aussparte.

 

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