Linnich - Bedenkliche Zustände in Linnicher Notunterkunft

Bedenkliche Zustände in Linnicher Notunterkunft

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
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Neue Funktion: Die alte Polizeischule in Linnich beherbergt jetzt als Notunterkunft 500 Flüchtlinge. Foto: Guido Jansen

Linnich. 500 neue Flüchtlinge in der Notunterkunft: In Linnich gibt es seit dem Wochenende Beschwerden. Die zuständige Bezirksregierung will nun nachbessern.

Im vergangenen Herbst sorgte European Homecare (EHC) für Schlagzeilen, weil Flüchtlinge in einer Unterkunft in Burbach misshandelt worden sind. Der Betreiber dieser Unterkunft war EHC. Die Bezirksregierung Arnsberg, in NRW federführend zuständig für das Verteilen der Flüchtlinge auf die Unterkünfte, beendete die Zusammenarbeit mit EHC in Burbach.

Eine generelle Trennung hat es aber nicht gegeben. „Die Entscheidung in Burbach hat sich auf bestimmte Personen bezogen“, erklärte die Arnsberger Bezirksregierung am Mittwoch. An einigen anderen der insgesamt 44 Flüchtlingseinrichtungen im Land ist EHC weiterhin zuständig. So auch in Linnich im Kreis Düren, wo seit der vergangenen Woche 500 Flüchtlinge in einer Notunterkunft untergebracht sind, die die Bezirksregierung in der ehemaligen Polizeischule eingerichtet hat.

Von Missbrauchsfällen ist in Linnich zwar nicht die Rede. Doch nach Recherchen unserer Zeitung sind auch die Zustände in der Linnicher Notunterkunft kaum haltbar. Es gibt zu wenige Betreuer und Aufsichtspersonal, es gab Nächte, in denen nur ein einziger Mitarbeiter vor Ort war – für 500 Flüchtlinge. Und die Stadt Linnich bemängelt, dass die Kommunikation nicht funktioniert. Bürgermeister Wolfgang Witkopp (CDU) wurde am Dienstag der Zugang auf das Gelände verwehrt. Er hätte sich eine Woche vorher anmelden müssen, wurde ihm von einem EHC-Mitarbeiter erklärt.

„Das ist prinzipiell richtig so“, erklärte Mittwoch die Bezirksregierung Köln, die im Arnsberger Auftrag einen Teil der Flüchtlingsarbeit übernimmt. „Spontanbesuche wollen wir vermeiden, um die Privatsphäre der Flüchtlinge zu schützen.“ Aber eine Woche Vorlauf müsse tatsächlich nicht sein.

Fakt ist, dass die Betreuungs- und Hygienestandards, die die Bezirksregierung Arnsberg für permanente Unterbringungseinrichtungen festgelegt hat, nicht für Notunterkünfte gelten. In dem Papier, in dem die Standards definiert werden, ist für Notunterkünfte vermerkt, dass sie sich „grundsätzlich an Standards orientieren, die für Einrichtungen des Regelbetriebs gelten. Dennoch konnten und können hier bestimmte Vorgaben oftmals infolge personeller oder räumlicher Restriktionen nicht oder nur annähernd eingehalten werden“.

Das sorgt möglicherweise in Linnich für Probleme, vor allem außerhalb der Notunterkunft. Bürgermeister Witkopp berichtet von Beschwerden wegen Lärmbelästigung und von mehreren Fällen, in denen Frauen abends auf Straße von mehreren Männern angepöbelt worden sein sollen. „Wir laufen Gefahr, dass die bisher so positive Stimmung in der Bevölkerung kippt“, sagt Witkopp.

Die Bezirksregierung Köln will nun reagieren. Eine Sprecherin erklärte am Mittwoch auf Anfrage unserer Zeitung, dass der Stadt Linnich ein Angebot für eine Bürgerinformationsveranstaltung vorliege. Zudem habe der stellvertretende Regierungspräsident Wilhelm Steitz zugesagt, dass Sozialarbeiter eingesetzt werden, die im Umfeld der Notunterkunft dafür sorgen, dass der Kontakt zwischen Flüchtlingen und Bevölkerung positiver verlaufe als in den ersten Tagen. Wie viele das sein werden, sagte die Bezirksregierung nicht

Offenbar haben das Land und die Bezirksregierungen keine andere Wahl, als zuerst zu handeln und erst dann dafür zu sorgen, dass die Strukturen in den Notunterkünften angepasst werden. Das NRW-Innenministerium sprach Mittwoch von 9500 neuen Flüchtlingen in den vergangenen zwei Wochen. „Das ist Rekord. Wir müssen als erstes dafür sorgen, dass die Flüchtlinge nicht obdachlos werden“, sagte ein Sprecher. So wie in Linnich, wo die Zahl der Flüchtlinge in der Notunterkunft am Wochenende von rund 200 auf 500 aufgestockt wurde.

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