Beatrix-Besuch: 1000 Jahre in zehn Minuten

Von: Beatrix Oprée
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Sie „lebt” Eurode: Catharina
Sie „lebt” Eurode: Catharina-Gerda Scholtens, hier an der Säule, die den Ausgangspunkt des Herzog-Limburg-Pfads am Kloster Rolduc markiert und deren Pate Prinz Willem Alexander ist. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. Nein, einen Hut wird sie am Freitag nicht tragen, die hohen Gäste sollen schließlich im Mittelpunkt stehen. Da schreibt das strenge Protokoll für alle anderen angemessen zurückhaltende Kleidung vor. Aber wer kann auch schon mithalten mit den extravaganten Kopfbedeckungen von Königin Beatrix und Prinzessin Maxima?

Etwas aufgeregt ist Gerda Scholtens aber schon. Nicht nur, weil es ihre erste persönliche Begegnung mit „H.M. (Hare Majesteit) de Koningin” ist: „Schließlich muss ich auch rund 1000 Jahre in zehn Minuten zusammenfassen”, lächelt sie. Die Geschichte von Rode, sprich: die gemeinsamen Wurzeln der Schwesterstädte Kerkrade und Herzogenrath, wird die Niederländerin den königlichen Gästen erläutern, wenn diese am Freitag ihren Staatsbesuch im mitten auf der Grenzlinie gelegenen Eurode Business Center (EBC) abschließen.

Und diese Vergangenheit ist eng verknüpft mit der Familienhistorie derer von Oranje-Nassau. Denn die Herzöge von Limburg, die ihre Grablege im Kloster Rolduc hatten, waren Vorfahren der Königsfamilie. Erst im August 2010 war Prinz Willem Alexander noch hier gewesen, auch um ein Buch über den Herzog-Limburg-Pfad vorzustellen. Der Kerkrader Heimatforscher Frits Sprokel hat in ihm 20 Wanderrouten durch das einstige Herzogtum beschrieben, das heute in den drei Ländern der Euregio aufgegangen ist. Gerda Scholtens und ihre Freundin Dagmar Wilmeroth haben es ins Deutsche übersetzt.

Zu Ehren Julianas

Eine prachtvoll gekrönte Stele markiert auf Rolduc den Ausgangspunkt der historischen Wegeverbindung. Bei seinem Besuch in Klosterrode hatte der Prinz von Oranje seinerzeit zudem eine zweite Stele eingeweiht, seiner Großmutter Juliana anlässlich ihres 100. Geburtstags gewidmet.

Die Geschichte des ehemaligen Herzogtums zu vermitteln, ist Gerda Scholtens Passion. Ein Kindergeburtstag war es, der sie erstmals nach Rolduc führte, das wunderbare Ambiente ließ sie nicht mehr los. „Warum wirst Du mit Deinen Sprachkenntnissen hier nicht Fremdenführerin?”, hatte man sie gefragt. Am Freitag ist sie die Vorsitzende von insgesamt 13 Gästeführern der Abtei („ein tolles Team”), koordiniert Einsatzpläne, regelmäßige Zusammenkünfte und Fortbildungen.

Und sie gehört dem Arbeitskreis Kunst an, der das Erbe Rolducs bewahrt. Wer sich mit der Historie Klosterrodes beschäftigt, kommt am Wahrzeichen der Stadt unmittelbar hinter der Grenze nicht vorbei. So ist Gerda Scholtens auch Mitglied im Kuratorium Burg Rode - und bietet auch hier Führungen an, auf Niederländisch. Seit drei Jahren lebt die Niederländerin überdies in Herzogenrath, „weil es dort so schön zu wohnen ist”.

Durch ihr grenzüberschreitendes Engagement ist Gerda Scholtens zu einem lebenden Beispiel dessen geworden, worauf das im Juli 1991 begründete binationale Projekt Eurode abzielt: an die gemeinsame Geschichte beider Städte anzuknüpfen und die Zusammenarbeit überall da zu ermöglichen, wo dem keine Landesgesetze entgegenstehen.

„Die Jugend ist das Wichtigste”

Klar, dass sich die überzeugte Ehrenamtlerin auch in der Stiftung Eurode 2000+ einsetzt, als Geschäftsführerin. Offizielles Ziel dieser Körperschaft: „die Organisation und Unterstützung von Aktivitäten zur Förderung der zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen den Bewohnern von Herzogenrath und Kerkrade”, wie es auf der rodastädtischen Homepage heißt. Gerda Scholtens betont: „Es soll hier immer um die ganze Familie gehen. Die Jugend ist das Wichtigste!”

Dann steigt sie schon wieder ein in die Historie, denn Gerda Scholtens ist auch Archivarin des Klosters, forscht nach der Komplettierung der historischen Fakten, beantwortet aber auch Anfragen. Dabei hat sie herausgefunden: „Über Jahrhunderte sind alle Mitglieder der Königsfamilie auch auf Rolduc gewesen. Alle, bis auf Maxima”, bedauert sie. Die Ehefrau des Thronfolgers genießt in den Niederlanden große Beliebtheit, ihres natürlichen Wesens wegen. „ Es ist mein großer Wunsch, Maxima auch einmal auf Rolduc begrüßen zu können!”, schwärmt auch Gerda Scholtens.

Wer weiß, vielleicht kann die ebenso sympathische wie überzeugende Gästeführerin die königlichen Besucher am Freitag ja noch zu einem kurzen Abstecher in die vom EBC nur wenige Hundert Meter entfernte „Abdij” überreden?

Besuchertross fährt die Neustraße entlang

Wer am Freitag einen Blick auf Königin Beatrix und das Kronprinzenpaar werfen will, hat aufgrund der weitreichenden Sperrungen (alle Zufahrtsstraßen in die City sind ab 14.40 Uhr dicht) allenfalls an der Neustraße Gelegenheit dazu. Denn über die binationale Straße wird der Besuchertross zum EBC fahren.

Und wer sich von Gerda Scholtens oder einem ihrer Kollegen die Geschichte Rodes erläutern lassen will, kann sich auf der Homepage http://www.rolduc.com/Arrangements/Gruppen informieren. Eine Führung (niederländisch, deutsch oder englisch) dauert 90 Minuten, ist aber variabel.

Sonntags ab 10.30 Uhr ist eine offene Führung, Gebühr: 6 Euro pro Person, inklusive ein Getränk.
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