BDK-Vorsitzender: „Kripo pfeift auf letztem Loch“

Von: Oliver Schmetz
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Symbolbild Polizeiabsperrung Symbol Patrick Seeger/dpa
Die Kriminalpolizei klagt über Personalmangel. Symbolbild: Patrick Seeger/dpa

Aachen. Deutlich mehr Stellen für die Polizei hat die neue NRW-Landesregierung versprochen, doch in der Heimat von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) ist davon in diesem Jahr noch nicht viel zu spüren. Im Gegenteil.

Vertreter der Gewerkschaft der Polizei (GdP) und des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) beklagen, dass die Zahl der dem Aachener Polizeibezirk neu zugewiesenen Stellen im Vergleich zum Vorjahr sogar deutlich gesunken sei. Dies habe insbesondere für die Kriminalkommissariate fatale Folgen, sagt der Aachener BDK-Vorsitzende Kurt Bültmann: „Die Kripo pfeift auf dem letzten Loch.“

2016 seien der Polizei in Aachen noch 65 neue Stellen zugewiesen worden, nun erhalte man nur 40 neue Kollegen, rechnet der GdP-Vorsitzende Arno Keusch vor. Parallel laufe eine Pensionierungswelle auf: Habe man im Vorjahr 20 Kollegen verabschiedet, seien es in diesem Jahr 40 und 2019 und 2020 je 60. „Jetzt werden die Kollegen pensioniert, die in der Hochzeit des RAF-Terrors in den 70er Jahren eingestellt wurden“, sagt Keusch. Doch vorbereitet sei man auf diese absehbare Entwicklung nicht, beklagt Bültmann: „Wir bezahlen jetzt für die schlechte Politik der letzten 15 Jahre – egal von welcher Partei.“

Dass in Aachen in diesem Jahr die Zahl der Abgänge allenfalls kompensiert werde, sei zu wenig, monieren die Gewerkschafter: „Wir brauchen dringend mehr Leute.“ Auf den Schreibtischen der 330 Kripobeamten stapelten sich die Fälle, kaum eine Woche vergehe ohne Sondereinsatz, wie etwa in Kürze wieder beim „Klimacamp“ bei Erkelenz. „Dann arbeiten die Kommissariate in absoluter Notbesetzung“, klagt Bültmann. Ohnehin könne gerade bei der Kleinkriminalität oft „nicht mehr so ermittelt werden, wie man es als Kripobeamter gerne hätte“.

Aachens Polizeipräsident Dirk Weinspach erklärte auf Anfrage, er gehe davon aus, dass seine Behörde „in den kommenden Jahren auch von den erhöhten Einstellungszahlen im Land profitieren“ werde. Auf diese von der Landesregierung angekündigten 2300 Neueinstellungen pro Jahr verweist man auch im Düsseldorfer Innenministerium, dessen Sprecher Wolfgang Beus auch anführt, dass die Aachener Polizei „in den vergangenen Jahren kontinuierlich mehr Personal bekommen“ habe. Die Verteilung erfolge „gerecht und sachgerecht“, man wolle neben den Ballungsgebieten auch die Polizei im ländlichen Raum stärken.

In der hiesigen Region schlägt sich das noch nicht nieder: In Düren verbucht man ein Minus von 4,4 Stellen, in Heinsberg sieht der GdP-Vorsitzende Harald Bosten bei 22 Zuweisungen gerade mal ein Plus von ein bis zwei Stellen: „Das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“

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