„Barefooting“: Auf dem Wasser, wo nur das Tempo zählt

Von: Daniel Gerhards
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Geschwindigkeit – darauf kommt es beim Barfußwasserski an: Pablo Adolph aus Hückehoven rast mit rund 70 Kilometern pro Stunde übers Wasser. Foto: Reiner Adolph
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Er hat sich einiges für die Europameisterschaften vorgenommen: Pablo Adolph könnte es aufs Treppchen schaffen. Foto: Daniel Gerhards
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Der deutsche Vizemeister in der Juniorenklasse ist auch beim Weitsprung über ein Rampe erfolgreich. Foto: Reiner Adolph

Hückelhoven. Auf dem Wasser ist Pablo Adolph einer der Besten in Deutschland. Wenn er sich mit rund 70 Kilometern pro Stunde über die Oberfläche ziehen lässt, dann zeigt er einen Trick nach dem anderen. Das Besondere dabei: Pablo Adolph fährt barfuß. Er fährt also Wasserski ohne Ski.

Der 14-Jährige ist gerade deutscher Vizemeister in der Juniorenklasse geworden. Mitte August startet er bei den Europameisterschaften im englischen Lydd.

Einfach nur die Bretter weglassen, das reicht noch nicht für einen Barfuß-Ritt. Wer barfuß übers Wasser laufen will, braucht vor allem Geschwindigkeit – die Boote sind viel schneller als beim herkömmlichen Wasserski oder beim Wakeboarding. Unter 50 Kilometern pro Stunde geht beim „Barefooting“ gar nichts.

Und hinter dem PS-starken Boot muss Pablo Adolph auch einigermaßen flink sein. Nur 15 Sekunden hat er Zeit, um seine Tricks zu zeigen. In dieser kurzen Zeit zeigt er fünf bis sieben Tricks. Eine Hand, ein Fuß, rückwärts, eine Drehung auf dem Rücken liegend. „Da muss man schnell sein“, sagt er. Neben der „Trick“-Wertung gibt es die Disziplinen „Slalom“ und „Jump“. Und die Wertung „Overall“, in die die Punkte aus allen drei Disziplinen einfließen.

Keine Zeit zum Nachdenken

Der Weg an die nationale Spitze in diesem Sport ist hart. Jedes Wochenende fährt Pablo Adolph nach Pommern an der Mosel – dort trainiert er in jeder freien Minute. Manchmal fährt er auch in der Woche dorthin, um an sich zu arbeiten. Sein Vater Reiner Adolph ist immer dabei. Er hat seinen Sohn zu dem Sport gebracht. Reiner Adolph, 59 Jahre, fährt seit seinem 18. Lebensjahr Wasserski, 2009 begann er, barfuß zu fahren. Er schaffte es auch schon zu Weltmeisterschaften. Seit gut drei Jahren ist Pablo dabei. Er hat Talent und Trainingsfleiß. Letzteren braucht er auch. Denn: „Die Abläufe müssen in Fleisch und Blut übergehen“, sagt Reiner Adolph. In 15 Sekunden bleibt keine Zeit zum Nachdenken.

Um besser zu werden, war Pablo Adolph auch schon im Mekka des Barfußsports, in Florida. Im „World Barefood Center“ nahe Orlando lernte er von den besten Sportlern der Welt. „Das sind Profis. Und dort sind die Bedingungen super. In Florida kann man das ganze Jahr über fahren“, sagt Reiner Adolph. In Deutschland dauere die Saison dagegen bloß von März bis Oktober.

Jeder Sturz härtet ab

Der Aufwand, einen solchen Sport zu betreiben, ist für die Adolphs riesig. 150 Kilometer pro Fahrt bis zur Mosel, knapp 8000 Kilometer Luftlinie nach Florida. Bislang gibt ihnen der Erfolg Recht: Nach dem zweiten Platz bei der deutschen Meisterschaft könnte Pablo Adolph auch bei den Europameisterschaften um einen Medaillenplatz mitfahren – trotz starker Konkurrenz. Und sein nächstes großes Ziel hat er auch bereits im Blick: die Weltmeisterschaften im kommenden Jahr im US-Bundesstaat Wisconsin. In den Deutschlandkader hat Pablo Adolph es jedenfalls schon geschafft, und er wird vom Deutschen Olympischen Sportbund gefördert.

Das bedeutet auch diszipliniert zu sein, sich an Regeln zu halten. Die sind den jungen Athleten, die den Adler auf der Brust tragen, vorgegeben. „Das ist gar nicht schlecht, wenn sich junge Leute an ein paar Regeln halten müssen“, sagt Reiner Adolph. Pablo habe es jedenfalls nicht geschadet. Er besucht die Leonardo-da-Vinci-Gesamtschule in Hückelhoven. Und seit er mit dem Barfußwasserski angefangen habe, seien die Noten sogar besser geworden – trotz des hohen Trainingsaufwands.

Training, das bedeutet für Pablo Adolph auch Krafttraining. Mit seinem Vater geht er mehrmals pro Woche ins Fitnessstudio – mit Ausnahmegenehmigung, weil er eigentlich noch zu jung für Muskelaufbau im Studio ist.

Es geht für ihn aber auch um mentale Stärke. Körperspannung, Kraft in den Armen und Händen helfen nur, wenn er sich auf den Punkt konzentrieren kann. „Wenn man beim Wasserski einen kleinen Fehler macht, kann man einfach weiterfahren. Beim ‚Barefooting‘ geht man sofort baden“, sagt Reiner Adolph.

Und Stürze können ganz schön schmerzhaft sein. Das hat Pablo schon am eigenen Leib erfahren. „Am Anfang ist das Schwierigste, nicht mehr zu weinen, wenn man fällt“, sagt er. „Die Stürze kommen total unvermittelt, man erschreckt sich, und je nach dem, wie man fällt, tut das höllisch weh“, sagt Pablo Adolph.

Angst und bange wird ihm beim Gedanken an einen Abflug bei 70 Kilometern pro Stunde aber schon lange nicht mehr: Jeder Sturz härtet ab.

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