Region - Bald ziehen die Sternsinger wieder von Haus zu Haus

Bald ziehen die Sternsinger wieder von Haus zu Haus

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Fische und Sterne fehlen nicht: Es wird auch kräftig gebastelt in der Vorbereitungsgruppe der Sternsinger in Aachen-Haaren.
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Fische und Sterne fehlen nicht: Es wird auch kräftig gebastelt in der Vorbereitungsgruppe der Sternsinger in Aachen-Haaren.

Region. Wenn Weihnachten und Silvester vorbei sind, freuen sich viele Menschen in der Region rund um den Dreikönigstag auf den Besuch der Sternsinger und ihren Segen. Doch wenn die Kinder und Jugendlichen bunt-festliche Gewänder über ihre Winterjacken streifen und sich mit Pappkronen und Turbanen krönen, ist ein Großteil der Arbeit bereits erledigt.

Dreikönigssingen ist nämlich viel mehr, als stundenlang durch Straßen zu ziehen, Buchstaben und Zahlen an die Haustüren zu schreiben und die Spendenbüchse voll zu bekommen.

Dicke Materialsammlung

Mangelernährung, Flucht, Klimawandel – die großen Probleme der Welt kommen bei den Vorbereitungstreffen der Sternsinger auf den Tisch. Dafür gibt das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ jedes Jahr eine dicke Materialsammlung heraus. Seit 2014 dreht Willi Weitzel – bekannt aus der Kinder-Wissenssendung „Willi will’s wissen“ – einen rund halbstündigen Film im jeweiligen Beispielland, um den Sternsingern im reichen Deutschland zu zeigen, wie Kinder an anderen Orten auf der Welt leben.

Rund 20 Kinder und Jugendliche – 330.000 Kinder waren 2016 als Sternsinger in Deutschland unterwegs – verbringen einen Samstagnachmittag im Advent im Jugendzentrum „Regenbogen“ in Aachen-Haaren, um sich auf „ihre“ Sternsinger-Aktion 2017 vorzubereiten – mit Kino, Rätseln, Basteln in Form von Upcycling und Musikmachen. Sie sind zwischen acht und 18 Jahren alt, die meisten sind katholisch, manche evangelisch oder auch nicht getauft. Gefragt wird danach niemand. Denn: Sie alle wollen „anderen Kindern helfen“.

Was zunächst recht profan klingt, bekommt beim Vorbereitungstreffen ein Gesicht. Es gehört Aweet, die in der Turkanawüste im Nordwesten von Kenia lebt und eine der Protagonisten des neuen Sternsingerfilms ist. Als älteste Tochter obliegt der Zehnjährigen die Aufgabe, die Familie mit Wasser zu versorgen. Vier Mal am Tag läuft sie mit Kanistern zu einem Brunnen. Und damit hat sie noch Glück, denn ohne diesen Brunnen müsste sie im Wüstensand nach Wasser graben, denn Regen ist in der Turkanawüste wegen des Klimawandels schon seit zwei Jahren nicht mehr gefallen. Willi Weitzel schwankt zwischen Bewunderung und Mitleid. „Solch eine schwere Arbeit dürften Zehnjährige in Deutschland nicht verrichten“, verrät er den Haarener Kindern via Film.

„Wenn die Menschen hier in Haaren fragen, wofür das Geld ist, ist es gut, wenn man ein bisschen erzählen kann“, sagt Muriel (10), warum sie bei allen Aktivitäten im Advent diesen Termin auf jeden Fall fest einplant. „So bekommt man eine Ahnung, wofür man sammelt“, nimmt auch die 18-jährige Judith immer noch etwas mit aus den Vorbereitungstreffen. Längst hat sie die Rolle gewechselt, ist vom Sternsinger zur Begleiterin geworden und hilft kräftig beim Vorbereitungstreffen mit. Nicht nur sie, viele der Jungen und Mädchen sind seit der Grundschulzeit dabei und freuen sich jedes Jahr aufs Neue auf die ersten Januartage.

Nicht immer leicht

Dabei ist das Sternsinger-Geschäft nicht immer leicht: Regen und Schnee machen die Gewänder schwer, winterliche Temperaturen die Finger kalt. Manche Tür bleibt geschlossen, miese Kommentare drücken die Stimmung. „Aber meistens macht die Aktion Spaß, und es macht einen stolz, wenn viel Geld zusammen gekommen ist“, meint Amelie (11). „Man hat was Gutes getan“, bestätigt die gleichaltrige Lilli und meint damit das Sammeln von Spenden, aber auch den Einsatz als Segensbringer. „Zusammen mit Freunden“ ergänzt Stina (10). „Die positiven und lustigen Geschichten überwiegen“, sagt auch Finja (14). „Menschen, die uns vor ihrer Krippe fotografieren wollen, andere, die in Unterhose die Tür öffnen…“

Allein lassen kann man die Kinder mit ihren Erlebnissen allerdings nicht. Und deshalb ist es den Organisatoren – Mütter und Väter, die in der Gemeinde St. Germanus aktiv sind, unterstützt von einer ganzen Reihe älterer Messdiener – wichtig, immer nah dran zu sein. In den Pausen essen sie gemeinsam, um die Jungen und Mädchen von den Erlebnissen berichten zu lassen.

Doch auch schon vorher investieren sie viel Zeit in die Sternsingeraktion. „Man muss ein bisschen aufpassen, dass es nicht zum Halbtagsjob wird“, sagt Claudia Kolkenbrock mit einem leichten Lächeln. Zusammen mit Jutta Gulde hält sie die Sternsinger-Fäden in der Haarener Gemeinde in der Hand. Sie gestalten das Vorbereitungstreffen inhaltlich, kümmern sich aber auch um einen Großteil der Organisation: Welche Helfer kann man noch zum Nudelkochen und Kakaoerwärmen rekrutieren, sind alle Gewänder gewaschen und repariert, wer bestellt Spendendosen, Aufkleber und Kreide beim Kindermissionswerk, was passiert beim Abschlussgottesdienst, wissen alle Messdiener und Kommunionkinder Bescheid?

„Wahrscheinlich könnten wir noch viel mehr Kinder für die Aktion gewinnen, wenn sich zum Beispiel die Grundschule die Sache zu eigen machen würde oder auch die Zusammenarbeit mit der evangelischen Gemeinde intensiver wäre“, sieht Claudia Kolkenbrock durchaus noch Potenzial im Stadtteil für die „größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder“, wie das Kindermissionswerk das Dreikönigssingen selbstbewusst umschreibt. „Aber das können wir nicht auch noch leisten.“

„Über den Tellerrand“

Schon jetzt „ist in den Weihnachtsferien nichts anderes möglich“, so Jutta Gulde. Immerhin konnten sie die Aktion in den vergangenen 13 Jahren so ausweiten, dass die Sternsinger nicht mehr nur auf Bestellung an die Tür kommen, sondern nahezu jeder Straßenzug in dem 10.000 Bewohner umfassenden Aachener Stadtteil besucht wird.

Doch warum dieser Aufwand? Ebenso wie die Kinder sind Jutta Gulde und Claudia Kolkenbrock stellvertretend für alle anderen aktiven Eltern von etwas angetrieben: „Ich finde es wichtig, die Kinder über den Tellerrand schauen zu lassen. Sie lernen Solidarität, entwickeln eine Haltung gegenüber der Schöpfung“, sagt Jutta Gulde. Und Claudia Kolkenbrock hat an ihren eigenen Kindern erfahren: „Dieser Einsatz für andere Kinder nimmt Einfluss auf ihr späteres Leben. Die Einstellung, eigene Talente dankbar anzunehmen und zum Wohle anderer einzusetzen, bleibt.“ Das nennt man wohl Lohn für viele Stunden Ehrenamt.

In nahezu jeder katholischen Gemeinde Deutschlands machen sich in den ersten Januartagen Kinder und Jugendliche im Königsgewand als Segensbringer auf den Weg zu den Menschen. Wie man mitmachen kann, darüber informieren die Pfarren in der Regel über ihre Internetseite oder den Pfarrbrief.

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