Bald rollen die Betonmischer zum Zwischenlager Jülich

Von: Christian Rein und Volker Uerlings
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Künftig nicht mehr nur hinter Maschendraht: das Lager am Forschungszentrum Jülich für die AVR-Brennelemente. Foto: Volker Uerlings

Jülich/Düsseldorf. In absehbarer Zeit, sobald die Witterung es zulässt, wird eine große Zahl an Betonmischern am Forschungszen-trum Jülich (FZJ) vorfahren. Mit immensem Aufwand wird rund um das bestehende Zwischenlager, in dem sich die 152 Castorbehälter mit den hoch radioaktiven Brennelementen aus dem ehemaligen AVR-Versuchsreaktor befinden, eine Mauer errichtet.

Sie soll die einfache Halle, die das Lager de facto ist, vor dem gezielten Absturz eines Passagierflugzeugs, also vor einem Terroranschlag, schützen.

Es ist offenbar der Bau dieser Mauer, der das Verfahren für die Genehmigung zur weiteren Aufbewahrung der 288161 Brennelement-Kugeln erneut verzögert. Seit dem 1. Juli lagern die Castorbehälter nur aufgrund eines juristischen Hilfskonstrukts, einer befristeten atomaufsichtlichen Anordnung des NRW-Wirtschaftsministeriums, am FZJ. Erst am Dienstag hat das Ministerium dem FZJ eine erneute Anordnung ausgehändigt, die bis zum 31. Juli 2014 gilt. Die erste Anordnung läuft Ende Dezember ab.

Es ist erstaunlich, dass eine so vergleichsweise einfache Sache wie eine Betonmauer erst zu einem so späten – eigentlich zu späten – Zeitpunkt im Genehmigungsverfahren eine derart zentrale Rolle einnimmt. Schließlich handelt es sich nicht um ein kompliziertes, modellgestützes Gutachten zum Prüfpunkt Erdbebensicherheit. Diesen Aspekt hatten FZJ und die Genehmigungsbehörde, das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), monatelang stets als Hauptpro-blem für eine neue Genehmigung genannt. Der Schutz vor einem gezielten Flugzeugabsturz tauchte erst im November plötzlich auf.

Das BfS verweist auf Anfrage unserer Zeitung darauf, das dieser Schutz „Genehmigungsvoraussetzung für jedes Zwischenlager für Kernbrennstoffe“ sei. „Dies ist jedem Antragsteller von Anfang an bekannt. Das Mittel, um diesen Schutz zu gewährleisten, wählt der Antragsteller“, heißt es aus der Behörde. Und weiter: „Der Schutz gegen einen gezielten Absturz eines Passagierflugzeugs war bereits zum Ablauf der bisherigen Genehmigung am 30. Juni 2013 einer der Prüfpunkte, die noch offen waren. Das FZJ hat zum Schutz gegen einen gezielten Absturz eines Passagierflugzeugs beantragt, eine zusätzliche Betonmauer zu bauen.“

Wo genau diese Mauer entstehen soll, welcher Art (etwa umlaufend?) oder Größe sie ist, dazu äußern sich weder BfS noch FZJ. Das Forschungszentrum teilt lediglich mit, dass das BfS die Sicherungsmaßnahme als Verschlusssache eingestuft habe. „Dies bedeutet, dass Informationen zu diesem Themenfeld grundsätzlich der Geheimhaltung unterliegen.“ Also: keine Details.

Es dürfte allerdings klar sein, dass der Bau der Mauer nicht nur aufwendig, sondern auch kostspielig ist – wenngleich auch dazu keine Fakten genannt werden. Dabei sollen die Brennelemente bereits bis zum 30. Juni 2016 in die USA verbracht werden, wie auch das Bundesforschungsministerium (BMBF), das den Bund als FZJ-Hauptgesellschafter vertritt, auf Anfrage unserer Zeitung bekräftigt. Das Lager wird also auf einen aktuellen Stand gebracht, um es – wenn alles plangemäß läuft – gerade mal zwei Jahre zu nutzen. Und sollte doch noch mal über einen Zwischenlager-Neubau auf Jülicher Gelände nachgedacht werden, ist fraglich, ob der jetzt „betonierte“ Standort erste Wahl bleibt. Es scheint unwahrscheinlich.

Die USA wollen die Brennelemente als Ursprungsland des Kernbrennstoffs im Rahmen ihrer Nicht-Verbreitungspolitik (Non-Proliferation) zurücknehmen. Eine offizielle Absichtserklärung steht noch aus, die Verhandlungen mit dem Department of Energy, dem US-Energieministerium, scheinen aber auf einem guten Weg zu sein: „Gemeinsames Ziel des Bundes, des Landes NRW und des Department of Energy ist es, eine vertragliche Vereinbarung über die Rückführung der Brennelemente in die USA nach Möglichkeit bis Ende 2014 abzuschließen, um damit einen Abtransport der AVR-Brennelemente bis zum 30. Juni 2016 zu ermöglichen“, teilt das BMBF mit.

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