Maastricht - Bakterien auf dem Handy? Kein Problem

Bakterien auf dem Handy? Kein Problem

Von: Angela Delonge
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Tolle Idee mit großem Erfolg: Die Maastrichter Mastersudenten Harm-Jan Meeuwsen, Janneke Ruhaak, Laura Gasseling und Britta Schwartz (v.l.) gründeten die Studentenfirma Cellmates, die spezielle antibakterielle Handy-Reinigungstücher vertreibt. Foto: Cellmates

Maastricht. Jeder zweite hat eins, und wer eins hat, liebt es. Trägt es bei sich – in der Hand, in der Hosentasche, da, wo es immer schön warm ist. Das Smartphone ist unser ständiger Begleiter geworden – griffbereit in allen Lebenslagen. Rund um die Uhr tatschen wir und manchmal auch andere darauf herum, halten es ans Gesicht – und ahnen nicht im entferntesten, was für Dreckschleudern unsere Lieblinge sind.

Auf dem Display eines Smartphones befinden sich 20-mal mehr Bakterien als auf einem öffentlichen Toilettensitz. Das haben Studien bewiesen. E-Coli, Influenza und der Krankenhauskeim MSRA finden sich dort zuhauf. Hautpartikel, Creme- und Schminkreste sind ein guter Nährboden für alle Arten von Keinem. Durch die Wärme des Displays vermehren sie sich rasant und können Hautausschlag, Pickel, und überhaupt Infektionen aller Art verursachen.

Smartphones, Handys und Tablets können also wirkliche Krankheitsüberträger sein, sie gelten auch als Quelle für Krankenhausinfektionen. Denn jeder Zweite säubert sein Handy nur gelegentlich und flüchtig – zum Beispiel, indem er es an seiner Kleidung abwischt. Jeder Achte reinigt sein Gerät dagegen nie.

„Die wenigsten wissen, wie schmutzig Handys sind“, sagt Laura Gasseling. Die deutsche Masterstudentin von der Maastricht University war selber von dieser Tatsache überrascht. Als sie nach einer Lösung für das Schmutzproblem suchte, wurde sie nicht fündig. Sie fand Brillenputztücher, Desinfektionstücher und entsprechende Sprays – alles nicht das richtige für das empfindliche, fettabweisende Display von Smartphones und Konsorten.

So wurde eine Idee geboren. Als Teil ihres Masters für International Business gründete Laura Gasseling im November 2013 zusammen mit drei Kommilitonen die studentische Firma „Cellmates“, die seit April als erste Firma außerhalb Skandinaviens spezielle, antibakteriell ausgestattete feuchte Handyreinigungstücher vertreibt – mit dem Spruch „Stay healthy – clean your phone“ („Bleib gesund – reinige dein Handy“) und dem Versprechen, nicht nur Fingerabdrücke sondern auch 99,9 Prozent aller Bakterien zu vernichten. „Wir wollen möglichst viele Leute da­rauf aufmerksam machen und davon überzeugen, dass die Reinigung des Mobiltelefons zur täglichen Routine gehören sollte“, sagt die Jungunternehmerin.

Das Startkapital, das zur Gründung der Firma benötigt wurde, sammelten die vier bei Verwandten, Freunden und Bekannten ein. 150 Leute sind mit jeweils 30 Euro an „Cellmates“ beteiligt. Die Geschäfte laufen glänzend. In nur vier Monaten wurden mehr als 1000 Boxen mit den extra weichen Tüchern verkauft. Und dennoch wird nach einem Jahr Schluss sein. Schließlich handelt es sich um das Abschlussprojekt, alle vier haben bald ihren Masterabschluss in der Tasche und ab Oktober einen Job. Einen anderen.

Laura Gasseling ist darüber nur ein bisschen traurig. Sie wünscht sich, dass die Firma trotzdem irgendwie weiterbesteht. Sie sagt: „Es war eine unglaublich tolle Erfahrung. Wir haben in dieser Zeit so viel gelernt wie im ganzen Studium nicht.“

Und sie haben auch soviel gearbeitet wie nie zuvor. Das gesamte Design des Unternehmensauftritts haben die Studenten selbst entworfen – grün mit kleinen Bakterienfresserchen. Der Internetauftritt, die Gespräche mit Sponsoren, Partnern und dem Lieferanten – das alles war sehr zeitaufwendig. Nun steht „Cellmates“ kurz vor der Liquidation, der geplanten wohlgemerkt. Eine studentische Firma darf laut Richtlinien nicht länger als ein Jahr bestehen. „Wir werden wohl ohne Gewinn aus der Sache rausgehen“, sagt Laura Gasseling, „aber das ist auch egal. Hauptsache, wir können unsere Anteilseigner auszahlen.“

Und was wird aus „Cellmates“? Das ist die große Frage. Überlegungen, die Firma selber weiterzuführen, sind letztlich wegen attraktiverer Jobangebote gescheitert. „Jetzt suchen wir einen Käufer“, sagt Laura Gasseling. Das sollte nicht so schwer sein. Bakterien sterben nie aus, und es dürften noch ein paar Jährchen vergehen, bis bakterienresistente Smartphones auf dem Markt kommen. Die Firma ist für kleines Geld zu haben.

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