Düsseldorf - Bahnhof-Schütze von Düsseldorf war bis an die Zähne bewaffnet

Bahnhof-Schütze von Düsseldorf war bis an die Zähne bewaffnet

Von: Frank Christiansen, dpa
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Mann trug bei Bluttat mehrere Waffen bei sich
Das Polizeifoto zeigt am Mittwoch (01.06.2011) Waffen, die in der Wohnung eines Mannes am Vortag sichergestellt wurden. Der Mann aus Bochum hatte am Dienstagmittag (31.05.2011) bei einer Personenkontrolle am Düsseldorfer Hauptbahnhof geschossen. Foto: dpa

Düsseldorf. Der Amokschütze vom Düsseldorfer Hauptbahnhof war bis an die Zähne bewaffnet und ist vermutlich psychisch krank. Der verwahrlost wirkende Einzelgänger war mit sechs geladenen Pistolen und einem Messer in die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt gereist und hatte noch im Hauptbahnhof inmitten Hunderter Menschen das Feuer auf Polizisten eröffnet.

Auf dem Bahnhofs-Vorplatz habe er eine 22-jährige Frau als menschliches Schutzschild benutzt und ihr vor den Augen von sieben Polizisten und zahlreichen Passanten in den Hinterkopf geschossen, berichteten Polizei und Staatsanwaltschaft über die Bluttat.

Was der bis dahin unbescholtene Mann mit den Waffen - alles Nachbauten historischer Vorderlader - in Düsseldorf wollte, war auch am Donnerstag unklar. So sei auch weiter offen, ob er gezielt jemanden töten wollte, sagte eine Polizeisprecherin. Der Mann hülle sich in Schweigen. Gegen ihn wurde ein sogenannter Unterbringungshaftbefehl erlassen - sprich: Er sollte in die geschlossene Psychiatrie kommen.

Am Dienstag gegen 13.30 Uhr werden Bundespolizisten auf den Bochumer aufmerksam, weil er auffällig gestikuliert und verwirrt wirkt. Die Polizisten sprechen den Mann an, doch der geht einfach weiter. Als die Beamten ihn erneut ansprechen, dreht sich der 48-Jährige wortlos um und schießt. Die Kugel verfehlt die Polizisten, und der Mann stürmt auf den von Menschen bevölkerten Bahnhofsvorplatz.

Dort greift sich der Mann einen 13-jährigen Jungen, lässt ihn aber schnell wieder los. Inzwischen verfolgen sieben Polizisten den Schützen. In einem Wartehäuschen an einer Straßenbahn-Haltestelle bekommt eine 22-Jährige von dem Geschrei und der Aufregung nichts mit, weil sie mit einem Kopfhörer Musik hört. Der Bochumer reißt die völlig überraschte Frau hoch, schiebt sie vor sich und hält ihr eine Waffe an den Kopf.

Er fordert die Polizisten auf, ihre Waffen zu senken, auch das Opfer fleht die Beamten an. Plötzlich fällt ein Schuss aus einer der Waffen des 48-Jährigen - eine Bleikugel trifft die Frau in den Hinterkopf. Die 22-Jährige hat Glück: Das Geschoss kann den Schädelknochen nicht durchschlagen und bleibt in der Kopfhaut stecken. Sie wird vermutlich keine bleibenden Schäden behalten.

Als der Schütze, der insgesamt drei der Pistolen mit jeweils nur einer Kugel abfeuert, eine weitere Waffe hervorzerren will, können ihn die Beamten zu Boden reißen und überwältigen. Die Polizisten hätten wegen der Menschenmenge nicht geschossen, sagt ein Sprecher der Bundespolizei: „Es herrschte zu keiner Zeit freies Schussfeld.”

Im verwahrlosten Ein-Zimmer-Appartement des Schützen in einem anonymen Bochumer Wohnblock stoßen die Beamten auf ein Arsenal von zehn weiteren Schusswaffen. Einen Waffenschein hat der Mann nicht, der einen Anwalt verlangt und ansonsten schweigt. Die Polizisten waren aber offenbar nicht sein eigentliches Ziel: Auf sie habe er nur geschossen, um seine Waffen behalten zu können, sagt er dann doch.
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