Bahnanbieter arbeitet am Sorgenkind RE9

Von: Thomas Vogel
Letzte Aktualisierung:
aachen bahnhof
Durch bessere Verteilung der Züge sollen die Kapazitätsengpässe abgestellt werden. Archivbild: Ralf Roeger.

Aachen/Köln. Die Platzsituation im Rhein-Sieg-Express (RE 9) zwischen Aachen und Siegen soll durch einen optimierten Einsatz der verfügbaren Züge verbessert werden. Streckenbetreiber Nahverkehr Rheinland (NVR) will die Verbesserungen bis spätestens Dezember 2013 umsetzen.

Die Situation hatte sich im Herbst 2012 zugespitzt, nachdem sich zahlreiche Bahnreisende und in der Folge auch die Politik über die aus ihrer Sicht unhaltbaren Zustände beschwert hatten. Nachdem als erste Reaktion auf der Strecke Köln-Siegen Verstärkerzüge eingesetzt wurden, hatte sich bereits im Dezember die Situation während der morgendlichen Hauptverkehrszeit im Zug um 8.45 Uhr ab Düren entspannt. Dadurch wurden Wagen frei, die seither zwischen Aachen und Köln eingesetzt werden.

Viele Fahrgäste – große Züge

Um 15.47 Uhr stehen im Schnitt 541 Fahrgästen nur 427 Plätze gegenüber. Die angedachte Optimierung der Fahrzeugumläufe könnte eine Lösung für diese und die anderen Verbindungen bringen. Dabei wird anhand der Zahlen aus der Fahrgasterhebung analysiert, ob die drei-, vier- und fünfteiligen Züge optimal auf die Fahrtzeiten und -strecken verteilt sind. Aktuell fahren um 15.47 Uhr ein Drei- und ein Vierteiler. Indem ein Fünf- und ein Vierteiler – also ein längerer Zug – eingesetzt würde, stünden insgesamt 549 Plätze zur Verfügung. Das wären zwar immer noch zu wenig, entspannte aber die Situation.

Fraglich ist, wie realistisch der Alltag in den Abteilen durch die Fahrgasterhebung der Ingenieurgruppe IVV Aachen zwei Wochen vor Weihnachten abgebildet wird. Michael Bienick aus Hückelhoven, NRW-Landeschef des Fahrgastverbands Pro Bahn, meint: „Ich gehe davon aus, dass die IVV ein kompetenter Ansprechpartner für eine Erhebung ist, die auch besondere saisonale Ereignisse, Weihnachtsmärkte zum Beispiel, berücksichtigt“. In der avisierten Umlaufoptimierung sieht Bienick ein gutes Mittel zur Leistungssteigerung.

Wann die Entlastung bei den Pendlern ankommt, steht noch nicht fest. NVR-Sprecher Holger Klein sagte auf Anfrage, man wolle so schnell wie möglich loslegen, spätestens aber sei zum Fahrplanwechsel im Dezember mit den Verbesserungen zu rechnen. Die nötige Fahrgastzählung ist erfolgt, nun geht es ums Geld. Weil zusätzliche Fahrten und zusätzliches Personal Geld kosten und über die mit der DB-Regio vertraglich vereinbarten Leistungen hinausgehen, muss der Leistungserbringer erst einmal ausrechnen, was der zusätzliche Aufwand kosten soll. Sobald die Bahn einen Betrag genannt hat, wird sich der NVR um die Finanzierung kümmern.

Ein Teil könnte über Pönale – Strafzahlungen der Bahn bei Verspätungen – bestritten werden. Auch das Land kann sich über die im ÖPNV-Gesetz festgelegten Pauschalen hinaus an der Finanzierung beteiligen, wenn NRW-Verkehrsministerium und Verkehrsausschuss des Landtags sich darauf einigen.

Knackpunkt Düren

Geht es nach Lars Schober aus Aachen, der regelmäßig mit dem Rhein-Sieg-Express unterwegs ist, wird auf der Linie schon jetzt viel richtig gemacht: „Ich fahre morgens mit dem RE 9 um 7.18 Uhr von Aachen nach Düren. Auf der Hinfahrt bekommt man entspannt einen Platz. Um Viertel vor sechs bin ich meist wieder zurück in Aachen. Auf der Rückfahrt bekommt man eigentlich auch immer einen Platz, weil in Düren viele Menschen aussteigen.“

Allerdings handelt es sich dabei um den unproblematischen Streckenteil. Gerade zwischen Düren und Köln – das Stück, auf dem auch die Erhebung durchgeführt wurde – liegen die Überlastungsprobleme. Ein Fahrgast, der um 15.47 Uhr in Aachen aus dem RE 9 stieg, hat genau diese Erfahrung gemacht: „Ich fahre ein, zwei Mal die Woche mit dem Zug von Aachen nach Köln und zurück. Düren ist der Umschlagpunkt, da steigen die meisten Leute ein und aus. Wenn ich morgens in Aachen starte, ist ab Düren kein Platz mehr frei. Es ist so gut wie nie zu beobachten, dass alle Fahrgäste einen Platz bekommen“.

Hans Joachim Sistenich, bis vor kurzem NVR-Geschäftsführer, erklärt sich die Verspätung auf der Strecke so: „Die Situation auf der Linie RE 9 hat sich seit dem Einsatz zusätzlicher Doppelstockzüge zwischen Aachen und Köln deutlich entspannt. Problematisch bleibt die Situation von Köln in Richtung Aachen bei Verspätung der Linie RE 1. In diesem Fall kommt es immer wieder zur Überlastung der RE 9“.

Noch in diesem Jahr dürfen sich Bahn-Pendler auf der Strecke Aachen-Köln also auf mehr Platz freuen. Die Kritik an der unbequemen, engen Sitzposition wird indes nicht verstummen – an Bauart und Innengestaltung der Züge ändert sich nichts.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert