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Bäcker-Azubi aus Afghanistan: „Ich kann an die Zukunft denken“

Von: alba
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Auf allen Seiten ein „sehr gutes Gefühl“: Azubi Hadi Afzali (rechts) mit Uwe Ruddies, Produktionsleiter bei der Großbächerei Moss, und Alev Alma von der Arbeitsagentur Aachen-Düren. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Können die Menschen, die als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind und noch kommen, den Fachkräftemangel abfedern? Für BA-Sprecher Jeske ist die Sache klar: „Der deutsche Arbeitsmarkt braucht dieses Potenzial.“

Allerdings ist da Geduld gefragt, wie die Zahlen verdeutlichen: Von den 5550 registrierten Bewerbern im laufenden Ausbildungsjahr haben gerade einmal knapp drei Prozent einen Asylstatus mit gesichertem Aufenthalt. „Bis diese Gruppe einen relevanten Faktor in der Ausbildungslandschaft ausmacht, wird es noch einige Jahre dauern“, räumt Jeske ein.

Diejenigen allerdings, die durch einen gesicherten Aufenthaltsstatus eine Ausbildung beginnen dürften, hätten gute Chancen. „Die Betriebe handeln nach der Maxime: Hauptsache geeignet. Das bedeutet: Einsatzwille und gute Deutschkenntnisse zählen – oder zumindest die Bereitschaft, sie zu verbessern. Die Erfahrung zeigt: Es lernt sich leichter im täglichen Leben, also auch bei der Arbeit.“

Hadi Afzali zum Beispiel. Seit 2011 lebt der Afghane in Aachen, vor kurzem hat er eine Ausbildung als Bäcker begonnen. „Seitdem habe ich mehr als zuvor das Gefühl, dazuzugehören. Ich verdiene mein eigenes Geld und kann an die Zukunft denken“ sagt der 20-Jährige und rückt die karierte Schirmmütze zurecht, ein Utensil, das ihn als Angehörigen des Bäckerhandwerks ausweist. „Hadi ist ein guter Junge“, sagt Uwe Ruddies, Produktionsleiter bei der Großbäckerei Moss, und klopft ihm auf die Schulter. „Mir war schnell klar, dass er zu uns passt.“

Die Geschichte des jungen Flüchtlings, der einen Ausbildungsplatz gefunden hat, ist ganz nach dem Geschmack von Alev Alma. Bei der Aachener Arbeitsagentur ist sie als Koordinatorin für den guten Draht zwischen Azubis und Arbeitnehmern zuständig. Bei Menschen wie Hadi Afzali, die unter schwierigen Umständen nach Deutschland gekommen sind und nach Erteilung des Aufenthaltsstatus auf den Arbeitsmarkt streben, setzt die Agentur das Werkzeug der Assistierten Ausbildung ein. „Neben der dualen Ausbildung kümmern wir uns auch abseits von Schule und Betrieb“, sagt Alma. „Vor allem die mit eher durchwachsenem Schulabschluss wollen wir abholen. Aber auch alle, die wie Herr Afzali erst seit kurzem hier leben und eine Ausbildung machen.“

„Herr Afzali“ lächelt ob dieser Anrede. Er war noch im Teenager-alter, als er seine Heimat Afghanistan verließ. In Deutschland angekommen, schaffte er den Hauptschulabschluss und wurde durch seine Lehrer angeregt, eine Ausbildung zu beginnen. „Ich bin sehr dankbar für all die Hilfe, die ich bekomme“, sagt der höflich und zurückhaltend wirkende junge Mann.

Aus einem kleinen Dorf habe er sich damals aufgemacht, seine Eltern leben noch heute dort. Die Kontaktaufnahme sei nicht immer leicht, oft höre man wochenlang nichts voneinander, sagt der 20-Jährige. Wenn man dann aber miteinander spricht, „bin ich schon stolz, wenn ich erzählen kann, wie es bei der Arbeit läuft“. Und er räumt ein: „Es gibt Regeln, an die ich mich halten muss. Pünktlich aufstehen natürlich, dann alles, was hier im Betrieb wichtig ist. Nicht jeder kommt mit klaren Regeln klar“, sagt der 20-Jährige.

Die Tatsache, dass in den kommenden Jahren immer mehr Menschen mit Fluchthintergrund in den Arbeitsmarkt streben, erfordert von den Firmen eine gewisse Offenheit, sagt Alev Alma. Die Aufgabe der Agentur sowie der Kammern sei es immer wieder, Arbeitgeber zu sensibilisieren und für das Potenzial junger Migranten zu werben. „Bei uns ist das kein Problem“, wirft Uwe Ruddies ein. „Für uns zählt, ob jemand zu uns passt, ob er Einsatz zeigt. Dazu gehört natürlich auch die deutsche Sprache. Bei Hadi habe ich da ein sehr gutes Gefühl.“

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