Aachen - AZ-Forum Medizin: „Neue Erkenntnisse in der Krebstherapie“

AZ-Forum Medizin: „Neue Erkenntnisse in der Krebstherapie“

Von: Valerie Barsig
Letzte Aktualisierung:
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Konzentriert: Viele Interessierte beim AZ Forum Medizin. Im Hörsaal 4 gab es die Vorträge der Experten und eine Fragerunde zu Therapien, Diagnostik und mehr. Ein Faltblatt zum Mitnehmen lieferte wichtige Informationen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. 500.000 Neuerkrankungen pro Jahr, über 300 neue Arten: Krebs ist eine Krankheit, die uns auch in Zukunft begleiten wird. Wissenschaftler sind fieberhaft auf der Suche nach Lösungen. So lautet das Thema beim AZ-Forum Medizin im Hörsaal 4 des Uniklinikums „Neue Erkenntnisse in der Krebstherapie“.

Sechs Experten berichteten dem Publikum von ihrer Arbeit und beantworten bei der großen Fragerunde drängende Fragen. Moderiert wurde die Veranstaltung von AZ-Redakteurin Sabine Rother. Krebs hat nicht unbedingt genetische Ursachen. Er kann durch Genmutationen – etwa aufgrund von Umwelteinflüssen – entstehen und inzwischen nachweislich durch ungesunden Lebensstil. In 20 Prozent der Krebsfälle sei Zigarettenkonsum Auslöser einer Tumorerkrankung, sagte Professor Dr. Tim Brümmendorf, Direktor der Klinik für Onkologie, Hämatologie und Stammzelltransplantation an der Uniklinik.

In seinem Vortrag sprach er über das Lungenkarzinom – die zweithäufigste Krebsart. Noch immer hat ein Patient mit einem Lungentumor keine gute Prognose. „Wenn man die Tumorzellen genau entschlüsselt, kann man zielgerichtet behandeln“, sagt Brümmendorf. Denn so könnten Medikamente entwickelt werden, die den Wirkmechanismus unterbrechen, der aus einner gesunden, eine kranke Zelle macht. Das funktioniere aber nur mit einem guten Netzwerk – wie im Uniklinikum. Dort greifen viele Disziplinen im Euregionalen comprehensive Cancer Center (ECCA) ineinander – vom typischen Onkologen bis hin zu Psychologen.

Auch Psychoonkologin Dr. Andrea Petermann-Meyer gehört zum ECCA. „Der gefühlte Zustand des Patienten und das Diagnoseergebnis stimmen bei Krebs häufig nicht überein“, erklärte sie. Wer die Diagnose Krebs bekäme, fühle sich oftmals noch vollkommen gesund, obwohl er schwer krank sei. Wer dann eine Chemotherapie hinter sich habe, fühle sich durch die Nebenwirkungen gar nicht gut – obwohl man im Kampf gegen den Krebs Erfolge erzielt hat. „Gerade wenn die Therapie vorbei ist, nimmt die Angst zu, dass der Krebs zurückkommt. Das muss man verstehen, miteinander reden.“

Wichtige Unterstützung liefert der zudem der Sozialdienst im Uniklinikum. Im Talk erzählte Judith Neuss-Chouadli von ihrer Arbeit. „Wie es weitergehen soll, ist eine der häufigsten Fragen, die uns gestellt wird“, erklärte die Sozialpädagogin. Gerade nach einem Krankenhausaufenthalt gebe es viele Fragen – beispielsweise, wenn der Patient weitere Pflege zu Hause benötige. Der Sozialdienst vermittle Adressen und Ansprechpartner und ergänze so den Aufenthalt im Krankenhaus.

Auch Martin Brandt, Leiter von BB Medica und Home Care Aachen steht in Krisen zur Seite, denn Home Care ist für Menschen da, die palliativ begleitet werden. Spezialisierte Mediziner und palliativ ausgebildete Krankenpfleger betreuen Patienten individuell. „Solche Angebote sind wichtig und müssen an die Menschen heran getragen werden“, sagte Martin Brandt.

Auf breite Resonanz stieß auch der Vortrag von Professor Dr. Christiane Kuhl, Direktorin der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie an der Uniklinik. Sie setzt sich seit Jahren für den Einsatz von Kernspintomografie-Untersuchungen bei der Brustkrebsvorsorge ein. Denn: Auf einem normalen Mammogafie-Screening seien Vorstufen von Krebs nicht immer erkennbar. „Bei einigen Frauen bildet sich das Drüsengewebe in der Brust nicht zurück.“ Das Gewebe erscheine dann bei einer Mammografie weiß.

Da auch Tumorvorstufen weiß erscheinen, gehen sie in solchen Bildern unter. Nur ein MRT zeige klar erkranktes Gewebe. Warum dieses Verfahren bei Brustuntersuchungen nicht standardmäßig eingesetzt werde, könne sie nicht verstehen. „Für jeden Tennisellenbogen und jedes Knie gibt es ein MRT.“ Frauen müssten aber auch genau darüber aufgeklärt werden, um ihren Bedarf selbstbewusst klar zu machen.

Professor Dr. Axel Heidenreich, Direktor der Urologischen Klinik an der Uniklinik, setzt gleichfalls das MRT ein, wenn er bei einem Mann ein Prostatakarzinom vermutet. Der neue Weg in der Therapie gehe dabei allerdings zu weniger Therapie: „Wir diagnostizieren inzwischen mehr Prostata-Tumore, als behandelt werden müssen“, sagte der Urologe.

Oft ist ein solcher Tumor beim Mann zunächst nicht lebensgefährlich – und muss daher nicht sofort operiert werden. Daher arbeite man in der Therapie inzwischen mit kontrollierter Beobachtung des Tumors. „Nach zehn Jahren sind so noch 95 Prozent der Patienten am Leben.“ Ein Angriff auf den Tumor sei nur sinnvoll, wenn er bösartig sei und streuen könnte. Für diesen Fall gebe es inzwischen viele Medikamente und ständig kämen neue hinzu.

Krebsforschung steht nicht still: Auf dem Weg zur Bekämpfung der Krankheit sind allein in den letzten Jahren viele neue Medikamente auf den Markt gebracht worden. Keine Patentlösung, aber doch viel Hoffnung.

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