AVV droht „von der Rheinschiene” geschluckt zu werden

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:

Aachen. In der Region wächst die Sorge um die Unabhängigkeit des Aachener Verkehrsverbunds (AVV).

Hintergrund ist eine von der Landesregierung geplante Novellierung des Gesetzes über den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNVG), das unter anderem Kürzungen bei den Verwaltungskosten vorsieht und neue einheitliche Tarife durchsetzen will.

Was vordergründig nach schlankerer Verwaltung und kundenfreundlichen Tarifen klingt, lässt inzwischen bei allen Verantwortlichen im Raum Aachen die Alarmglocken schrillen. Auf allen politischen Ebenen formiert sich der Widerstand gegen das rot-grüne Gesetzesvorhaben, vorgetragen nicht zuletzt von dem örtlichen Landtagsabgeordneten der SPD, Karl Schultheis.

Man sei zwar für einheitliche Tarife, sagt er, dadurch dürfe jedoch nicht der AVV in Frage gestellt werden. „Wir wollen für Fahrgäste die Übergänge vereinfachen und die volle Tarifautonomie behalten.”

„Bewährte Strukturen dürften nicht aufgegeben werden”, meint auch AVV-Geschäftsführer Hans Joachim Sistenich. Sollte das Gesetz wie geplant durchkommen, wäre das „nachteilig für die Aachener Region”, ist er überzeugt. Der AVV könnte „von der Rheinschiene geschluckt werden”, sprich: im Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) aufgehen. Dort aber fehle der Blick für die Besonderheiten der Aachener Region, insbesondere auch den grenzüberschreitenden Verkehr.

So sei der AVV nicht nur bestrebt, die Verbundgrenzen für die Kunden zu den benachbarten Verkehrsverbünden VRS und VRR „unsichtbar zu machen”, wie Schultheis es ausdrückt, sondern auch in Richtung Niederlande und Belgien. Er ist zudem davon überzeugt, dass der AVV höchst effektiv und wirtschaftlich arbeite - sollten die Landesmittel nun gekürzt werden, käme er in „existenzielle Nöte”.

„Das kann nicht unser Interesse sein”, sagt Schultheis, der für einen Resolutionsentwurf inzwischen fraktionsübergreifend eine breite Mehrheit gefunden hat, wie auch der Vorsitzende des Mobilitätsauschusses, Roland Jahn, Grüne, bestätigt.

Eindeutige Position

Sowohl im Rat als auch im Städteregionstag wollen sich in Kürze alle Fraktionen für den Erhalt des AVV und „die bewährten regionalen Finanzierungs- und Organisationsstrukturen” aussprechen. Entsprechend haben sich am Montag bereits die Vertreter aus Stadt und Städteregion Aachen sowie den Kreisen Düren und Heinsberg in der Zweckverbandsversammlung des AVV geäußert.

„Die politische Position ist eindeutig”, freut sich Sistenich. Er ist überzeugt, dass Kundennähe und Flexibiliät verlorengingen, wenn der AVV in einem „Wasserkopf für ein Riesengebiet” aufginge. Nicht Einsparungen, sondern „finanzielle Benachteiligungen” für den Raum Aachen wären die Folge.

Wann das Gesetz verabschiedet wird, ist noch offen. Jetzt geht es in die Anhörungsphase. Um so wichtiger sei es laut Schultheis, deutlich Stellung zu beziehen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert