AVR-Reaktor vor Umzug ins Zwischenlager

Von: René Benden
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Blick von außen auf die Materialschleuse um das ehemalige Reaktorgebäude. Foto: Volker Uerlings
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Schnitt durch das Reaktorgebäude: Durch den geöffneten Schutzmantel soll im September der 2100 Tonnen schwere und 26 Meter hohe Reaktor ausgebaut werden. Foto: Volker Uerlings

Jülich. Der umstrittene AVR-Forschungsreaktor auf dem Gelände des Forschungszentrums Jülich soll im September aus dem Reaktorgebäude gezogen werden. Im Januar 2015 soll der 2100 Tonnen schwere Reaktor dann in sein wenige hundert Meter entferntes Zwischenlager umziehen.

Das teilte der kaufmännische Geschäftsführer der AVR-GmbH, Ulrich Schäffler, unserer Zeitung mit.

Wie lange der Reaktor noch auf dem Gelände des Forschungszentrums Jülich lagern wird, ist völlig offen. Da der ehemalige Versuchsreaktor stark radioaktiv verseucht ist, kann er auf absehbare Zeit nicht zerlegt und abtransportiert werden.

Bis 2022 soll das Gelände, auf dem der Reaktor heute noch steht, vollständig saniert werden. Dazu müssen das Reaktorgebäude und seine Anbauten abgerissen werden. Vor allem steht aber noch eine aufwendige Bodensanierung bevor. In Folge eines Störfalls im Jahr 1978 waren größerer Mengen radioaktiv verseuchten Wassers ins Erdreich unterhalb des Reaktorgebäudes eingedrungen. Die Erde dort muss abgetragen werden. Der Rückbau des Forschungsreaktors wird bis 2022 vermutlich rund 560 Millionen Euro gekostet haben. Hinzu kommen die laufenden Kosten für die Lagerung des radioaktiven Abfalls.

Die Rückbauten am AVR-Reaktor hatten sich immer wieder verzögert. Ursprünglich war der Umzug des Reaktors bereits für 2011 geplant gewesen. „Da wir es bei diesem Reaktor aber mit einem Unikat zu tun haben, gibt es beim Rückbau keine Erfahrungswerte“, sagte Schäffler. Vor allem die Demontage schwer zugänglicher Teile habe die Arbeiten immer wieder verzögert. „Priorität war immer die Sicherheit der Mitarbeiter“, so Schäffler.

Der AVR-Reaktor ist eines der brisantesten Erben der nuklearen Ära der 60er und 70er Jahre. Die Forscher in Jülich versuchten seinerzeit ein eigenes deutsches Reaktorkonzept auf den Markt zu bringen. Mit Betriebstemperaturen weit jenseits der 900 Grad war das Konzept nicht nur erheblich heißer als die üblichen Leichtwasserreaktoren. Dank seiner großen Hitze war er neben der Stromgewinnung auch für die chemische Industrie interessant.

In der Praxis erwies sich der sogenannte Kugelhaufenreaktor aber als ungeeignet. Seine kugelförmigen Brennelemente verseuchten das Innere des Reaktors, was den Rückbau heute erheblich erschwert. Und auch die rund 300.000 Brennelemente sorgen heute noch für Ärger. Nachdem ihr Abtransport nicht genehmigt wurde, lagern sie derzeit immer noch auf dem Gelände des Forschungszentrums in Jülich. Da dieses Zwischenlager nicht mehr den heutigen technischen Standards entspricht, muss das Forschungszentrum in seine Modernisierung investieren.

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