Ausstellung der Akademie für Handwerksdesign

Von: Rolf Hohl
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Handwerksdesign: Die Absolventen der diesjährigen Akademie Gut Rosenberg in Aachen-Horbach zeigten vor allem Sitzgelegenheiten – in vielen Formen und für viele Gelegenheiten. Foto: Andreas Herrmann
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Handwerksdesign: Die Absolventen der diesjährigen Akademie Gut Rosenberg in Aachen-Horbach zeigten vor allem Sitzgelegenheiten – in vielen Formen und für viele Gelegenheiten. Foto: Andreas Herrmann
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Handwerksdesign: Die Absolventen der diesjährigen Akademie Gut Rosenberg in Aachen-Horbach zeigten vor allem Sitzgelegenheiten – in vielen Formen und für viele Gelegenheiten. Foto: Andreas Herrmann
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Tischlerin Jana Platte, Sitzschale Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Die Zeiten, so wird allgemein angenommen, würden immer hektischer: immer mehr Informationen, immer mehr Arbeit, immer mehr Stress. Wenn man sich jedoch am vergangenen Wochenende bei der Akademie für Handwerksdesign im Gut Rosenberg in Aachen-Horbach umsieht, kann man eher den gegenteiligen Eindruck gewinnen.

Bei der diesjährigen Ausstellung der Examensarbeiten steht vor allem eines im Vordergrund: Gemütlichkeit. Bei genauerem Hinsehen gewinnt man indes aber den Eindruck: Es ist das Bedürfnis nach Gemütlichkeit, die das oftmals hektische Leben entschleunigen kann.

Bei den Möbelstücken für den Innen- sowie den Außenbereich dominieren Stühle in all ihren Erscheinungsformen die Ausstellung – etwa die brutalistisch angehauchten Sitzgelegenheiten von Metallgestalter Kevin Haselier. Brutalismus ist ein Architekturstil der Moderne. Der Ursprung der Bezeichnung liegt unter anderem im französischen Begriff béton brut, was „roher Beton“ heißt. Mit ausladenden Armlehnen aus Stahl sind Haseliers Stühle einerseits offen, schirmen aber den Ruhesuchenden auch ein wenig ab. „Ich wollte Sitzgelegenheiten für den öffentlichen Raum schaffen, die trotzdem ein Stück weit Privatsphäre vermitteln“, sagt Kevin Haselier.

Ganz anders hat es die Tischlerin Eva-Maria Heck gemacht. Sie hat mit ihrem „Rückzugsort“ eine Art Sofa mit modularen Zusatzelementen entwickelt. Eingebettet in einem sechseckigen Rahmen findet sich eine Liegefläche, und an der Rückwand mit ihren zahllosen Löchern können Halterungen für Topfpflanzen, Lichter oder Regalflächen beliebig angebracht werden.

Eines der auffälligsten Merkmale der Akademie-Absolventen ist immer wieder, dass sie die Pfade ihres ursprünglichen Berufs verlassen haben oder diese sehr freizügig neu interpretieren. So hat die Tischlerin Viviane Vockroth ihre Freude am Entwerfen von Betonfliesenreliefs in verschiedenen Farben gefunden – und Anna Talaska, gelernte Raumausstatterin, stellt jetzt Handtaschen her.

Sie habe schon vor der Zeit an der Akademie in einem Laden solche Taschen gesehen, die neu waren, aber auf alt gemacht wurden. Aus dem Leder alter Sofas habe sie schließlich zu Hause begonnen, diese selbst zu nähen, wenn auch erst nur für Freunde und Bekannte. „Hier an der Akademie habe ich dann gemerkt, wie sehr mich die eigene Gestaltung begeistert und wie ich das auf meine Taschen anwenden kann“, sagt Anna Talaska bei der Ausstellung.

Auch die Tischlerin Janika Goecke hat sich von ihrem einstigen Berufsprofil ein Stück weit gelöst. Nun beschäftigt sie sich mit Bildern im Raum, genauer gesagt: Siebdrucken auf Glas, die frei beweglich in einem Stahlgerüst an Schienen hängen. „Ich habe mir überlegt, wie man Bilder von der starren Wand wegholen und damit mehr Dynamik erzeugen kann“, erklärt sie. Entstanden sind ab-strakte, halb durchsichtige Drucke, die sich beliebig hintereinander anordnen lassen.

Draußen bei den Arbeiten von Mihail Brusilovsky geht es dann wieder um Sitzgelegenheiten. Seine Module sind in einem offenen Kreis angeordnet und nach innen als Bank nutzbar, nach außen hin jedoch durch Einschnitte für die Reifen als Fahrradständer. Bei allen Arbeiten mit Tischen und Stühlen hat sich Glasmalerin Nina Baschenow geradezu auf eine Nische konzentriert, die aber nicht weniger wichtig ist: die Esstischlampe. Dazu hat sie eine hängende, nach unten offene LED-Vierkantröhre mit unterschiedlich langen Glasstäben besetzt. Das Ergebnis sind zwei wellenförmige Linien, die von der Seite betrachtet ein wenig an die Fassade der Elbphilharmonie erinnern und zugleich mit zwei unterschiedlichen Lichtwärmen bestrahlt werden können.

Es sind nicht nur solche Arbeiten, welche die Handwerksberufe einmal mehr in einem modernen Licht erscheinen lassen. Die Ausstellung zeigt auch jedes Jahr auf ein Neues, wie die bis zu drei Jahre dauernden Studiengänge an der Akademie gefestigte Persönlichkeiten hervorbringt. Die Entwürfe der Absolventinnen und Absolventen bestechen ebenso durch anspruchsvolles Design wie Alltagstauglichkeit.

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