Ausgrabungen in Düsseldorf: Eine Wundertüte im U-Bahn-Schacht

Von: Maximiliane Koschyk, dpa
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Ausgrabung in Düsseldorf
Andreas Kupka, Koordinator Archäologie, und Grabungsleiterin Iris Reuter vergleichen auf einer alten Stadtkarte von 1736 und einem alten Bild die Ausgrabung in Düsseldorf. Sieben Archäologen kratzen und fotografieren unter erhöhtem Zeitdruck. Zeitgleich zum Bau der neuen U-Bahn-Strecke untersuchen sie die alte Stadtfestung. Nebenbei wühlen die Archäologen auch in Jahrhunderte altem Müll und forschen so zur Düsseldorfer Stadtgeschichte. Foto: dpa

Düsseldorf. Wenn der große Bagger ruht, schlägt die Stunde von Iris Reuter und ihrem Team. Schnell lassen sie sich in dem sechs Meter tiefen Erdloch am Düsseldorfer Corneliusplatz nieder. Sieben Archäologen kratzen und fotografieren unter erhöhtem Zeitdruck.

Zeitgleich zum Bau der neuen U-Bahn-Strecke untersuchen sie die alte Stadtfestung. Nebenbei wühlen die Archäologen auch in Jahrhunderte altem Müll und forschen so zur Düsseldorfer Stadtgeschichte.

Ein alter Stadtplan von 1736 hilft den Archäologen bei der Suche nach der alten Festung. „Die Grabung an den Mauern gleicht aber dem Kauf einer Wundertüte”, sagt Reuter. „Einige Mauern wurden bei Bauarbeiten in den 1980er Jahren völlig zerstört.” Ein Verteidigungswall unter dem heutigen Corneliusplatz sei mit seinen Maßen von vier Metern Höhe und knapp zwei Metern Durchmesser sehr gut erhalten.

Aus der Grube fischen sie auch den Abfall des 19. Jahrhunderts: „Was wir hier finden, ist zwischen 1850 und 1880 im Müll gelandet”, weiß Reuter. Mit dem Müll wurde das Nordende des alten Kö-Grabens im Jahr 1880 zugeschüttet. Scherben sündhaft teurer Mineralwasserflaschen und Töpfchen des berühmten Düsseldorfer Senfs sind stumme Zeitzeugen vom schon damals guten Leben an der Kö.

Auch drei weiße Tonpfeifenköpfe mit kuriosen Formen kamen ans Tageslicht: Eine Dampflok mit der Aufschrift „Paris No. 5” sowie die Köpfe des 1871 gekrönten deutschen Kaisers Wilhelm I. und des 16. US- Präsidenten Abraham Lincoln (1809-1865).

Die Lokomotive brachte vermutlich ein Technikliebhaber als Souvenir aus Frankreich mit. Pfeifenköpfe aus Ton wie der mit Lorbeer umkränzte Lincoln wurden für den Export in die Vereinigten Staaten gebacken. Besitzer wollten solche Miniatur-Staatsoberhäupter jedoch nicht „in der Pfeife rauchen”. Im Gegenteil habe der Raucher der Kaiser Wilhelm-Pfeife damit „sicherlich seine Loyalität zur Monarchie bezeugen” wollen, heißt es im Rheinischen Landesmuseum.

Aus der Baugrube in Düsseldorf wanderten die weißen Tonpfeifenköpfchen direkt in eine Vitrine des Rheinischen Landesmuseums in Bonn. Im Foyer des Museums sind sie derzeit als „Fund des Monats” zu bestaunen.
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