Ausbruch: Wollte JVA Panne vertuschen?

Von: Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:
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Mit einem Großaufgebot durchsucht die Polizei die Aachener Justizvollzugsanstalt. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Als die beiden Schwerverbrecher Michael Heckhoff und Peter Paul Michalski im vorigen November aus der Aachener JVA ausbrachen, erhielten sie einen üppigen Vorsprung.

Nach Recherchen unserer Zeitung vergingen nach der Flucht sage und schreibe 15 Minuten, ehe die Polizei alarmiert wurde. Das belegen Polizeiprotokolle. Gestern nun wurde deutlich, dass diese Panne offenbar vertuscht werden sollte. Das belegt ein handschriftliches Zeitprotokoll, das Beamte in der Sicherheitszentrale des Gefängnisses am Ausbruchsabend erstellten - und das ganz offensichtlich nachträglich verändert wurde.

Aufgetaucht ist dieses Papier am Donnerstag im Prozess gegen die Ausbrecher und den wegen Gefangenenbefreiung angeklagten JVA-Beamten Michael K. vor dem Aachener Landgericht. Ein Beamter aus der Sicherheitszentrale des Gefängnisses, der mittlerweile pensioniert ist, zog im Zeugenstand das Papier aus der Hosentasche und reichte es dem Richter: „Schauen Sie sich das an, da ist eine Uhrzeit geändert worden.”

In dem Protokoll sind viele Zeitangaben vermerkt: Zum Beispiel steht dort, wann die Leiterin der Anstalt über den Ausbruch informiert worden ist und wann man das Ministerium verständigt hat. Verändert wurde aber nur eine Angabe - der Zeitpunkt des Anrufs bei der Polizei. 20.19 Uhr könnte da vorher gestanden haben, ganz zu erkennen ist das nicht mehr. Aber es würde zum polizeilichen Einsatzprotokoll passen, das den Alarm um 20.20 Uhr vermerkt. Bloß: In dem handschriftlichen JVA-Protokoll hat jemand diese erste Angabe übermalt. „20.12 Uhr” steht dort nun - „mit einer anderen Handschrift und einem ganz anderen Stift darübergeschrieben”, wie Richter Hans Günter Görgen bemerkte.

Erschreckend lange Reaktionszeit

Diese Uhrzeit würde die erschreckend lange Reaktionszeit in der JVA nach dem Ausbruch, der sich um 20.05 Uhr ereignete, nahezu halbieren. Sollten durch die nachträgliche „Bearbeitung” des Protokolls spätere Vorwürfe vermieden werden? Denn möglicherweise hätte ein früheres Reagieren der JVA-Beamten eine schnelle Festnahme der Ausbrecher zur Folge gehabt - und einige Geiselnahmen verhindert. Schließlich dauerte es fünf Tage, bis beide wieder hinter Schloss und Riegel saßen.

Dass die Alarmierung der Polizei so spät erfolgte, hatte mehrere Gründe: Zum einen erkannte man in der Zentrale auf den Monitoren wohl nicht sofort, dass es Häftlinge waren, die zu später Stunde die JVA verließen. Zum anderen wollte der Sicherheitschef erst selbst an der Pforte nachsehen und hatte dann auch noch den falschen Schlüssel dabei. Er habe seinen Chef gefragt, ob er Alarm auslösen solle, erklärte der pensionierte Beamte vor Gericht. „Ich gucke erst mal und sage Dir dann Bescheid”, habe dieser entgegnet. Heckhoff und Michalski suchten derweil das Weite.
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