Aachen - Ausbrecher-Prozess: Fluchthelfer winkten 200.000 Euro

Ausbrecher-Prozess: Fluchthelfer winkten 200.000 Euro

Von: dpa
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Die beiden Schwerverbrecher Heckhoff (l.) und Michalski waren Ende November 2009 aus der JVA Aachen getürmt. Auf ihrer Flucht hatten sie in Köln, Essen und Mülheim mehrere Geiseln genommen. Foto: Roeger

Aachen. Der mutmaßliche Fluchthelfer der Aachener Gefängnisausbrecher Michael Heckhoff und Peter Paul Michalski sollte für seine Dienste bis zu 200.000 Euro bekommen. „Von 100.000 bis 200.000 Euro war die Rede”, sagte der ehemalige JVA-Beamte am Montag vor dem Aachener Landgericht.

Notfalls sollte der Geldtransfer über Heckhoffs Anwalt abgewickelt werden, sagte der 41-Jährige Ex-Beamte. Nach dem spektakulären Ausbruch im November letzten Jahres hatten die Gangster auf ihrer tagelangen Flucht nacheinander fünf Menschen in ihre Gewalt gebracht.

Es sei aber nie die Rede davon gewesen, dass sich Heckhoff und Michalski das Geld bei Banküberfällen beschaffen wollten, sagte der Angeklagte. Woher das Geld dann hätte kommen sollen, ließ er offen.

Die Flucht war nach seiner Schilderung von langer Hand vorbereitet worden. Heckhoff und der Beamte hätten sich „beschnüffelt” und hätten sich nach und nach besser kennengelernt. „Die Distanz war weg. Das war später eine Kumpelbasis”, sagte der Angeklagte, der schon zum Prozessauftakt ein Geständnis abgelegt hatte. Im September/Oktober hätten sie zum ersten Mal über Flucht gesprochen. Michalski habe sich später drangehängt.

Nie sei vorher die Rede davon gewesen, dass scharfe Waffen ins Spiel kommen, sagte der Mann. Erst als die Flucht schon lief, habe Michalski zwei „Ballermänner” gefordert. „In dem Moment, wo er Waffen wollte, hatte ich Angst, dass das aus dem Ruder läuft.” Aber er habe den Ausbruch nicht mehr stoppen können und den beiden deshalb Waffen aus dem Waffenschrank gegeben.

Der Fluchtplan wurde demnach so angelegt, dass der JVA-Beamte später als Opfer dastehen sollte. Es sollte so aussehen, dass sich der Beamte in der Gewalt der Verbrecher befand. In der Pforte machte sich der Angeklagte in die Hose und brach zusammen. Das sei keine Show gewesen, betonte er vor Gericht. Heckhoff hatte ausgesagt, selbst das Einnässen sei Teil des Fluchtplans gewesen.

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