Aus Träumen wird Realität: Roncalli-Chef plant Museum

Von: Bernd Mathieu
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Da steht er mitten in einem Ladenlokal von anno dazumal: Roncalli-Chef Bernhard Paul hat viele alte Schätzchen gesammelt. Für sie soll nun in Köln ein Museum entstehen. Foto: Andreas Steindl
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Bernhard Paul (l.) zeigt die Museums-Pläne AZ/AN-Chefredakteur Bernd Mathieu. Die Baugenehmigung ist beantragt. Foto: Andreas Steindl

Region. Es hat lange gedauert. Jetzt ist die Baugenehmigung beantragt worden. Eine Genehmigung für Träume, für Erinnerungen, für Nostalgie. Roncalli-Chef Bernhard Paul nennt das Projekt „Boulevard Of Broken Dreams“.

Vor einem Vierteljahrhundert haben wir zum ersten Mal über diesen Markt verloren geglaubter Schönheit und Originalität berichtet. Vor einem Vierteljahrhundert waren wir zum ersten Mal unterwegs in diesen großen Abstellräumen vergangener Zeiten. Der Roncalli-Chef hat noch mehr gesammelt, und mittlerweile sind vier riesige Hallen im Kölner Winterquartier voll mit alten Läden, Originalwaren, altem Spielzeug, Werbeschildern, Automaten, Figuren, Lampen, Werkzeugen, Flaschen, Porzellan. Die gekauften, ersteigerten oder irgendwie und irgendwo besorgten Alltagsdinge arrangieren sich zu einem fantastischen Farben- und Formenspiel. Sie wirken wie Verschworene aus zu Unrecht vergessenen Zeiten. Faszination ist ihre einzige Norm.

Bernhard Paul hat in seiner Akribie und Perfektion tausende Gegenstände gesammelt und abgelegt. Bald wird ein Teil von ihnen wieder ins Licht gerückt. Bernhard Paul zeigt uns voller Stolz die fertigen Pläne für sein Museum, das auf dem Gelände des Winterquartiers entstehen wird. Er hat weitere 10.000 Quadratmeter Gelände zu den bereits vorhandenen 20.000 gekauft. Museum mit Eventhalle: Das ist der Plan, der nun Wirklichkeit werden soll.

Die Werkstätten werden renoviert und teilweise verlegt, die Ausstellung wird mitten auf dem Hof ihren ständigen Platz haben. Es gab durchaus einmal die Perspektive, diese wunderbare Sammlung in Wien oder in Hamburg dauerhaft zu zeigen. Daraus ist dann letztlich nichts geworden. „Es hat nicht geklappt“, sagt Bernhard Paul. „Da waren Anfänge, aber alles war unglaublich kompliziert, und andere wollen vor allem eins: Rendite.“ Jetzt also Köln, jetzt auf seinem eigenen Gelände im rechtsrheinischen Stadtteil Höhenhaus. „Ich kann nicht ewig warten, das erlebe ich ja dann nicht.“

Historische Ladenlokale

Da hat er lieber demnächst einen „Mini-Boulevard Of Broken Dreams“ als gar keinen. Und so mini wird er nicht sein. Von seinen 60 historischen Ladenlokalen sollen zehn bis zwölf gezeigt werden, immerhin. Diese Läden, diese Schilder, diese Gegenstände, diese Einrichtungen: Sie bilden das Ensemble einer stillen Konterrevolution gegen LED-Welt, Handy-Sucht und High-Tech-Fieber. Die Uhren für ihre Wiederbelebung laufen präzise.

Da liegt das erste Wiener Kaffeehausschild aus dem Jahre 1830. Da wartet ein gut erhaltenes technisch einwandfreies Orchestrion auf seinen Einsatz. Da stehen Wurlitzer-Orgeln, Musiktruhen und ein Klavier mit Lochstreifenrollen. Da sehen wir hunderte Radios und Walzenspielgeräte. Der berühmte Sarotti-Mohr ist ein winziger Statist in der Vollversammlung der Werbefiguren.

Und dann: die Exponate für das Zirkusmuseum, das es hier auch geben wird. Da sind die Bälle und Ringe von Rastelli ebenso dabei wie Grocks Kostüm und Geige. Bernhard Paul hat in San Remo die komplette Inneneinrichtung im Haus des legendären Clowns erworben. Die größte Zirkussammlung Europas umfasst zudem zigtausende Zirkus-Lithographien, alte Sarrarsani-Plakate, Programmhefte, Einladungskarten, Postkarten.

Auch die private Wohnung der Familie Paul ist ein Kapitel für sich. Vitrinenschränke und Bar (aus Grocks Nachlass), Figuren, Porzellan, Ton, altes Spielzeug, ein Mini-Riesenrad, kleine Pferde. Das ist einfach nur schön und edel und einzigartig.

Original-Instrumente

Wir nähern uns einem ganz besonderen Schatz im ehemaligen Winterquartier des Zirkus Williams, das Bernhard Paul 1984 erworben hat. Hier ist in einem riesigen Zelt seine atemberaubende Beatles-Sammlung untergebracht. Er besitzt zahlreiche Original-Gitarren von John Lennon und Paul McCartney, mehrere originale Schlagzeuge der Beatles, darunter das erste der berühmten Band überhaupt.

Er hat eine Beatles-Lounge und Original-Kostüme, auch die vom Cover des „Sgt. Pepper“-Albums. Zahlreiche Instrumente tragen die Autogramme der Beatles. Und zur Sammlung gehört auch die Original-Quittung über die Auftritte im Hamburger Star-Club, wo die Fab Four 1962 sieben Wochen auftraten. Einer der Beatles zeichnet die Bestätigung über die erhaltene Gage von 1700 Mark ab: „John Lennon with love“.

In der Musik-Sammlung von Bernhard Paul, selber früher als Schlagzeuger in einer Band unterwegs, finden wir auch Schätze der Rolling Stones und anderer legendärer Musiker und Bands. Insgesamt hat Paul 350 Gitarren hier an Ort und Stelle sowie Schlagzeuge, Verstärker, Mikrofone, Boxen, Fotos, Plakate, Werbemittel. Dieses Museum wird ein Kracher!

In der zirzensischen Abteilung möchte der Roncalli-Chef Wechsel-Ausstellungen zeigen, ein Jahr Clowns, ein Jahr Zirkusarchitektur, ein Jahr Akrobaten aus der ganzen Welt, ein Jahr Zirkuskostüme. Ach ja: Er hat den kompletten historischen Bestand der legendären Königlich-Kaiserlichen Hofschneiderei Lambert Hofer in Wien aufgekauft. Das sind über 5000 Kostüme, darunter aus Filmen mit Marika Röck oder aus den „Sissi“-Filmen mit Romy Schneider und Karlheinz Böhm. Sie lagern im „Winterquartier 2“ in Porz, ebenfalls ein riesiges Areal. Auch sie sollen in den Wechselausstellungen zu neuer Geltung kommen.

Am 20. Mai wird Bernhard Paul 70 Jahre alt, sein Zirkus ist jetzt gut 40 Jahre alt. Pauls Vita dokumentiert sein zähes Engagement, sein Nie-Aufgeben, sein Einreißen von Mauern, die gegen die Fantasie keine Chance hatten. Die Träume des Circus Roncalli sind aus den Stoffen Staunen und Wundern gewebt. Darüber haben wir mit ihm ausführlich gesprochen. Das Interview lesen Sie auf den „Mittendrin“-Seiten dieses Magazins.

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