Aus für Milchquote: Bauern in NRW sind darauf eingestellt

Von: dpa
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Krefeld. Als die Milchquote 1984 eingeführt wurde, gab es Butterberge und Milchseen. Nun läuft die Quote zum 1. April 2015 sang- und klanglos aus. „Die Steuerungsfunktion, die der Milchquote angedichtet wurde, die hat sie letztendlich nie gehabt”, resümiert Rudolf Schmidt, Geschäftsführer Landesvereinigung der Milchwirtschaft Nordrhein-Westfalen (LV Milch), in Krefeld. Mit der Begrenzung versuchte die Europäische Union seinerzeit, Milchflut und Lagerkosten einzudämmen.

„Die Mehrheit der Milchbauern sieht das Auslaufen der Quote mit Erleichterung”, heißt es beim Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband in Münster. Auch der Verband der rheinischen Bauern in Bonn meint: „Das war kein stabilisierendes Marktelement.”

Die Quote sollte auch den Strukturwandel bremsen. Doch: „Wir hatten noch nie so einen heftigen Strukturwandel wie in den letzten 31 Jahren”, meint Schmidt, der Chef der LV Milch, in der Erzeuger, Molkereien, Handel und Verbraucher vertreten sind. Milchbauern gaben auf, andere Höfe wurden größer. NRW hat heute 7400 Milchviehbetriebe. 1990 waren es noch etwa 28.000 und 1970 sogar fast 80.000. Und der Trend werde weitergehen: Die Zahl der Höfe wird kleiner, die Herden größer, sagt Schmidt voraus. Vor fünf Jahren gab es in NRW 370.000 Milchkühe, derzeit sind es 420.000.

Die in Nordrhein-Westfalen erzeugte Milch reicht bei weitem nicht für den Eigenbedarf. Auf das Jahr gesehen reiche die Menge höchstens bis Mai, schätzt Schmidt. Die Bundesländer Bayern und Niedersachsen produzieren mehr Milch. Aber auch NRW-Molkereien exportieren.

Das Ende der Quote werde zu keinen größeren Veränderungen auf dem Milchmarkt führen, sagt der Chef der Landesvereinigung Milchwirtschaft. Die Molkereien - in NRW sind es neun - sind nicht ausschließlich von den engen Kontrakten mit den Discountern abhängig, sondern inzwischen breiter aufgestellt. Die Absatzmärkte liegen teils weitab in Asien. Die Nachfrage ist groß etwa in China nach einem Lebensmittelskandal, bei dem Babys starben. „Seitdem ist da ein Run auf alle Produkte, die eine deutsche Flagge tragen, gerade im Babynahrungsbereich”, berichtet Schmidt.

Viele Milchviehbetriebe gibt es in den Grünlandregionen am Niederrhein und im Münsterland. In Sauer- und Siegerland bleibe die Milchproduktion ebenfalls, sagt Schmidt, und die Höfe gingen auch auf die nächste Generation über. „Da haben wir auch viele Vater-Sohn-Betriebe. Das ist ermutigend.”

Dagegen geht an den starken Ackerbaustandorten in der Köln/Aachener Bucht die Milchproduktion zurück. Auch in Ostwestfalen-Lippe habe man in letzten Jahren einen deutlichen Rückgang gesehen, sagt Schmidt. Ein Grund könnten Erwerbschancen außerhalb der Landwirtschaft sein.

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