Aus dem Butzweilerhof wird „Motorworld“

Von: Angela Delonge
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Schmuckstück von 1936: Die denkmalgeschützte Empfangshalle des alten Kölner Flughafens Butzweilerhof soll restauriert werden. Andere Gebäude auf dem Gelände sollen für den neuen Erlebnispark „Motorworld“ verändert werden. Das stößt auf Kritik. Foto: Archiv/Verena Müller

Köln. Um den alten Kölner Flughafen Butzweilerhof wurde viele Jahre gerungen. Eigentümer wechselten, Pläne wurden ent- und wieder verworfen, Geld wurde zugesagt und wieder zurückgezogen. Es war ein Elend, und die nach Berlin-Tempelhof größte noch erhaltene Flughafenanlage aus den 30er Jahren, die seit 1988 größtenteils unter Denkmalschutz steht, drohte zu verfallen.

Nun soll hier ein neues, altes Nutzungskonzept umgesetzt werden – eine Art Erlebnispark für Oldtimerfans. Damals sollte es der „Nikolaus-Otto-Park“ werden, nun wird das 50.000 Quadratmeter große Flughafenareal „Motorworld Köln Rheinland“ heißen.

Für die Stiftung Butzweilerhof, die sich 1999 gegründet hatte mit dem Ziel, die beeindruckende Flughafenanlage vor dem Verfall zu bewahren und dafür schon sehr viel Geld investiert hat, ist dies ein Glücksfall. „Wir sind froh, dass endlich etwas passiert“, sagt Beate Korb vom Vorstand. Man sei in guten Gesprächen mit den neuen Eigentümern, es sei „ein Geben und Nehmen“.

Neuer Eigentümer ist die Butz-weiler Nikolaus Otto GmbH, die die Liegenschaft 2014 von der Stadt Köln, genauer von der städtischen Butzweilerhof Grundstücks GmbH, gekauft hatte. Gut zwei Jahre wurde verhandelt – immer mit der Absicht, ein Zentrum für historische Fahrzeuge zu errichten, das auch die Luftfahrtgeschichte berücksichtigt.

Die entsprechende Sammlung der Stiftung Butzweilerhof ist schon heute für die Öffentlichkeit zugänglich. Und das soll auch so bleiben, versichert Beate Korb. Etwa 80 Prozent der zukünftigen Nutzung sollen der Luftfahrtgeschichte vorbehalten bleiben, sagt sie. Die Stiftung werde weiter Besucher durch das Museum mit seinen außergewöhnlichen Exponaten führen, und Beate Korb ist sicher, dass dies auch für Motorfreunde interessant sein wird.

Die sollen insgesamt Außergewöhnliches präsentiert bekommen: Glasboxen für Sammlerfahrzeuge, professionelle Restaurierungs- und Pflegebetriebe, Gastronomie-, Event- und Clubbereiche, ein Viersterne-Hotel. Rund 25 Millionen Euro sollen investiert, die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude wie das ehemalige Empfangsgebäude und der Tower originalgetreu restauriert werden.

Das Rheinische Amt für Denkmalpflege ist mit im Boot, wie Denkmalschützerin Claudia Euskirchen auf Anfrage bestätigt. Knackpunkt sei wegen der ursprünglich geplanten Höhe von sechs Geschossen der Hotelneubau gewesen, doch die Planung sei so verändert worden, dass dem Denkmalschutz an dieser Stelle nun „genügend Raum“ gelassen werde. Euskirchen sagt: „Jetzt müssen sich alle Mühe geben, dass das Projekt für den Denkmalschutz gut verläuft.“

Trotzdem gibt es Kritiker des Konzepts: So hat Werner Müller vom Historischen Luftfahrtarchiv Köln Beschwerde bei der Stadt gegen die vorläufige Baugenehmigung für das Hotel und diverse Anbauten eingelegt. Seiner Meinung nach wird dies die denkmalgeschätzte Architektur massiv negativ beeinflussen. Müller sagt: „Hier soll ohne Rücksicht auf Architektur, Umgebung und Geschichte ein Maximum an Profit heraus geholt werden.“ Deshalb sucht er nach den Erben des Butzweilerhof-Architekten Hans Mehrtens, in der Hoffnung, dass diese das Urheberrecht einklagen.

Etwas Vergleichbares wie die Kölner „Motorworld“ gibt es in Stuttgart. Der Park auf dem ehemaligen Landesflughafen von Baden-Württemberg zieht pro Jahr 600.000 Besucher an. Hinter den Motorparks steht die Motorworld Trademark Management AG, eine Schweizer Aktiengesellschaft mit Sitz in St. Gallen, die mit Lizenzen handelt. Weitere „Motorworld“-Parks in Deutschland sind geplant.

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