Aachen - Aus Briefschlitzen Kontodaten geangelt

Aus Briefschlitzen Kontodaten geangelt

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Bankkunden müssen sich wieder verwundert die Augen reiben: Nicht nur Geldautomaten rücken seit einiger Zeit in den Fokus ganzer Banditenbanden.

Jetzt sind selbst die Briefschlitze, in die nach Geschäftsschluss noch schnell Überweisungen, Schecks und sonstiger Briefverkehr eingeworfen werden, nicht mehr sicher vor den Langfingerbanden.

Seit Dienstag müssen sich vor einer Großen Strafkammer am Aachener Landgericht vier Männer wegen bandenmäßigen Betruges, Urkundenfälschung und Hehlerei verantworten. Sie sollen von Aachen aus und mit Verbindungen bis in die Schweiz fremde Konten geplündert haben. Kundendaten und Unterschriftenvorlagen holten sie laut Anklage beispielsweise in Kornelimünster bei Aachen aus von außen zugänglichen Bankenschlitzen.

Die Hauptangeklagten Mpanga V. (45) und Mangwau B. (40) kündigen nach ihrer Belehrung durch den Richter, dass ein Geständnis strafmildernd sei, Stellungnahmen an. Die beiden stammen aus dem Kongo, sprechen also die französische Sprache. So ist freilich zu erklären, dass bei den Transaktionen zwischen Mai 2006 und November 2008 immer wieder französische und schweizerische Banken ins Spiel kamen, doch auch ein irisches Kreditinstitut hatten sie im Visier.

Mit gefälschten Überweisungsträgern und Schecks sollten, so der Staatsanwalt, auf Konten von Bandenmitgliedern, unter anderem des mit angeklagten Mohamed O. (57) und Heini H. (34), größere Summen überwiesen werden. Der Trick: Aus den geangelten Kontodaten bastelte sich die Bande, darunter in anderen Gerichtsverfahren angeklagte Firmenbesitzer mit diversen Kontoverbindungen, Schecks und Überweisungsträger, fälschen die Unterschriften und wiesen hohe Summen an.

Das sogenannte „Indossament” auf der Scheckrückseite war gewöhnlich ebenso ein Fake wie die Unterschriften auf den papierenen Zahlungsmitteln. Insgesamt wollte man rund eine Million Euro kassieren, meistens jedoch fielen die Fälschungen auf. Die Gauner trafen sich regelmäßig konspirativ in einem Aachener Hotel. Das Verfahren wird am Mittwoch fortgesetzt.
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