Aufstieg zum Drachenfels: Pure Rheinromantik als Lohn

Von: Martin Thull
Letzte Aktualisierung:
13149252.jpg
Von MARTIN THULL MDer Drachenfels! Symbol für das Siebengebirge, Marketingtrumpf, „meist bestiegener Berg Europas“ mit (ungezählt behauptet) einer Million Besuchern aus aller Welt im Jahr. „Höchster Berg der Niederlande“, weil vorwiegend Holländer die
13149276.jpg
Von MARTIN THULL MDer Drachenfels! Symbol für das Siebengebirge, Marketingtrumpf, „meist bestiegener Berg Europas“ mit (ungezählt behauptet) einer Million Besuchern aus aller Welt im Jahr. „Höchster Berg der Niederlande“, weil vorwiegend Holländer die
13149280.jpg
Von MARTIN THULL MDer Drachenfels! Symbol für das Siebengebirge, Marketingtrumpf, „meist bestiegener Berg Europas“ mit (ungezählt behauptet) einer Million Besuchern aus aller Welt im Jahr. „Höchster Berg der Niederlande“, weil vorwiegend Holländer die

Region. Der Drachenfels! Symbol für das Siebengebirge, Marketingtrumpf, „meist bestiegener Berg Europas“ mit (ungezählt behauptet) einer Million Besuchern aus aller Welt im Jahr. „Höchster Berg der Niederlande“, weil vorwiegend Niederländer die 320,7 Meter über Normalnull erklimmen.

Dabei ist der Drachenfels nicht einmal der höchste der sieben Berge des Siebengebirges. Was wohl ein Schweizer zu solch einer geografischen Bezeichnung sagen würde? 320,7 Meter für ein Gebirge?!

Aber immerhin ist die Aussicht von dort oben beeindruckend: nach Süden über Adenauers Rhöndorf und Bad Honnef auf den Rhein mit der Insel Nonnenwerth, nach Westen in die Voreifel, von Bad Godesberg grüßt die Godesburg auf der anderen Rheinseite, etwas weiter nördlich der Post-Tower in Bonn, mit rund 160 Metern halb so hoch wie der Drachenfels.

Alle drei Symbole von politischer/wirtschaftlicher Macht und für einen gewissen Reichtum zu unterschiedlichen Zeiten. Und bei klarer Sicht kann der Besucher hinter der Raffinerie in Wesseling die Hochhäuser in Köln erkennen, auch den Fernsehturm Colonius und die Domtürme.

Aber der Weg bis zu diesen Aussichten kann beschwerlich sein. Startet man am gebührenpflichtigen Parkplatz in der Nähe der Talstation von Deutschlands ältester Zahnradbahn, der Drachenfelsbahn, dann sind es zu Fuß knapp drei Kilometer stets bergan. Und wie das Schild für die Autofahrer sagt: mit teilweise 20 Prozent Steigung. Das geht in die Waden, auch wenn es immer wieder Bänke zur Rast gibt, später unterwegs auch Einkehrmöglichkeiten.

Es bieten sich Alternativen zum Weg zu Fuß an: Kinder können zumindest bis zur Drachenburg – die liegt in der Mitte der Strecke – auf einem Esel reiten, wenn diese bereitstehen, was nicht jeden Tag der Fall ist. Die Tiere tragen kleine Besucher hoch (Kinder bis 50 Kilogramm zehn Euro pro Kind in Begleitung eines Erwachsenen), die historische Zahnradbahn fährt halbstündlich (außer im Dezember) je nach Monat zwischen neun und 19 Uhr (zehn Euro Berg- und Talfahrt; Kinder von vier bis 13 Jahre 5,50 Euro, Kinderwagen/Hunde ein Euro). Oder man nimmt die Kutsche.

Wer den Fußweg nutzt, der wird je nach Schritttempo und eingelegten Pausen zwischen 45 und 60 Minuten bis zum Gipfel benötigen. Dabei geht es überwiegend im Schatten voran. Kleine Trampelpfade abseits mögen vor allem Kinder reizen, diese auszukundschaften.

Doch Vorsicht, das Gelände ist oft sehr steil. Es empfiehlt sich, auf dem Hauptweg zu bleiben. Immer wieder gibt es Hinweise auf andere Ziele in der Umgebung. Das Siebengebirge ist ein Paradies für Wanderer. Zeitweise geht der Weg bergan auch auf den Spuren des Rheinsteigs. Der führt von Bonn nach Wiesbaden – oder umgekehrt.

Immer wieder bieten sich Aus- und Durchblicke. Etwa auf das Gästehaus der Bundesrepublik Deutschland auf dem Petersberg, auf Streuobstwiesen, zurück auf Bonn oder seitwärts auf den Rhein. Auch hier gibt es Möglichkeiten zur Rast, etwa im romantischen „Winzerhäuschen“ oder im Imbiss „Am Drachenbrunnen“.

Die Nibelungenhalle ist auf ihre Art eine besondere Attraktion. Der Kuppelbau im Jugendstil ist Richard Wagner gewidmet. Großformatige Bilder von Hermann Hendrich thematisieren die vier Wagner-Opern des Zyklus „Ring des Nibelungen“. Ein stimmungsvolles Ambiente, bei dem die Musik des Komponisten die meditative Atmosphäre unterstreicht.

Umgeben ist die Halle von der Drachenhöhle, in der ein 1,70 Meter hoher Gang sich etwa 30 Meter lang schlängelt, ehe er auf den 13 Meter langen Drachen stößt, der über einem Wasserbecken zu schweben scheint. Besucher werfen Münzen ins Wasser und wünschen sich dabei etwas. Ein Reptilienzoo zeigt über 100 verschiedene Reptilien, Papageien und Sittiche aus aller Welt (www.nibelungenhalle.de).

Nur wenige Schritte weiter bietet das Schloss Drachenburg erneut eine Unterbrechung der Besteigung des Drachenfels an: Der Börsenexperte Stephan von Sarter ließ es Ende des 19. Jahrhunderts im romantisierenden Stil erbauen. Nach aufwendigen Restaurierungen bietet es heute eine Zeitreise ins ausgehende 19. Jahrhundert. Die vielfältigen Nutzungen in der Zwischenzeit bis hin zum zeitweisen Verfall dokumentieren Ausstellungen (www.schloss-drachenburg.de).

Zurück auf den Hauptweg. Gelegentlich rattert die Drachenfelsbahn vorbei, seit 1883, damals noch mit Dampf, seit 1953 elektrisch betrieben, fährt sie die Besucher zur Burgruine. Inzwischen sollen es rund 35 Millionen Fahrgäste gewesen sein. Schilder fordern dazu auf, sich nicht aus den im Sommer offenen Fenstern zu lehnen. Eisenbahnnostalgie bei Deutschlands ältester Zahnradbahn.

Etwas unterhalb der Drachenburg sind wir an einer Gedenktafel für Eduard Rhein an dessen Geburtshaus vorbeispaziert. Nomen est omen, könnte man meinen. Tatsächlich war er Schriftsteller und Publizist, Gründer der Zeitschrift „Hörzu“, Erfinder des „Mecki“ und Autor vieler Romane, die er – oft unter Pseudonym – als Fortsetzungslektüre in der Programmillustrierten veröffentlichte. Später wird an Hans Cloos erinnert, der als Geologe den Drachenfels mit seinen Studenten erforschte.

Dass dieser Berg als Steinbruch fast abgetragen worden wäre, daran erinnert heute nichts mehr. Schon die Römer bauten hier den Trachyt als Baumaterial ab, große erste Teile des Kölner Doms entstanden mit diesem Material. Im Jahr 1836 erwarb die preußische Regierung den Steinbruch Drachenfels für 10.000 Taler, um ihn sofort stillzulegen und so die Silhouette des Berges als Naturschönheit zu sichern. Damit ersparte sie dem Berg samt seiner malerischen Burgruine das Schicksal als Steinbruch für den Weiterbau des Kölner Doms. Der wurde nämlich, auch auf Betreiben des preußischen Königs, weitergebaut und im Jahre 1880 vollendet.

Heute ist die Ruine des dreistöckigen Bergfrieds auf dem Drachenfels das Wahrzeichen des Siebengebirges. Der Bau der Burganlage wurde nach 1138 vom Kölner Erzbischof Arnold I. begonnen und etwa 1167 fertiggestellt. Außer dem Bergfried bestand die Burg ursprünglich aus Palas, Kapelle und Dienstbotenwohnungen. Sie diente zur Absicherung des Kölner Gebietes nach Süden hin.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Burg im Jahre 1634 vom Kurfürsten von Köln geschleift und anschließend nicht mehr aufgebaut. Vom Palas ist nur noch ein Mauerstück mit Fensteröffnung, dem „Kölner Fenster“, erhalten.

Der Name Drachenfels hat viele Ableitungen erfahren, sogar die Verballhornung von Trachyt wird genannt. Tatsächlich taucht der Name bereits in einer Urkunde des Kölner Erzbischofs Arnold I. von 1149 über die Loslösung der Burg Drachenfels von Vogt Adalbert auf, in der der Ort der Burg mit „in monte dracu – also auf dem Drachenberg“ angegeben wird.

Wenn der Wanderer die Hochfläche erreicht und die Aussicht genossen hat, fällt sein Blick vielleicht auf eine neugotische Säule: Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner, zuständig auch für die Vollendung des Kölner Doms, entwarf eine 14,40 Meter hohe neugotische Fiale als „Landsturmdenkmal“ für die Kämpfer der Befreiungskriege. Enthüllt wurde das von König Wilhelm geschenkte Denkmal auf dem Plateau am 22. August 1857. Im Mai 1914 wurde dann eine wesentlich kleinere Replik an der Stelle des verfallenen Originals errichtet.

Lockender wird neben dem Besuch der Ruine die örtliche Gastronomie sein: entweder im neu erbauten Glaskubus oder im Biergarten mit Aussicht auf das Rheintal. Der Weg zurück kann variiert werden über den Kutschenweg, der an der Bergstation der Bahn beginnt. Nach etwa 800 Metern geht es nach einer kleinen Leitplanke, an der die Markierung „K“ einen anderen Weg zeigt, links einen Schotterweg hinab durch eine Streuobstwiese auf den verfallenden Berghof zu, dann nach links gehen und die Bahn unterqueren und rechts bergab den Eselsweg zurück zum Parkplatz nehmen.

Eine grundsätzliche Alternative zum Besuch von Burg Drachenfels bietet sich von der Margarethenhöhe aus an; allerdings ist eine Strecke dann etwa fünf Kilometer lang. Sie hat jedoch den Vorteil, dass sie sehr viel sanftere Steigungen enthält. Und etwa in der Mitte bietet das „Milchhäuschen“ eine Möglichkeit zur Rast.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert