Aufregung im Mordprozess gegen Burak S.

Von: wos
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Aachen. Im Mordprozess gegen Burak S. (21) aus Stolberg hat es am Donnerstag erneut Streit im Zuschauerraum gegeben. Schon an anderen Verhandlungstagen vor der 1. großen Jugendkammer (Vorsitz Richter Gerd Nohl) hatten Angehörige des Täters Mitglieder der Opferfamilie verunglimpft und übel beschimpft, auf Türkisch, so dass die teils herben Beleidigungen nicht öffentlich wurden.

Als die 21-jährige Schwester des Opfers, der zur Tatzeit erst 18-jährigen und im vierten Monat schwangeren Döndü S., im Zeugenstand den Angeklagten zu Gesicht bekam, brach sie vor Aufregung, Kummer und Anspannung zusammen. Sofort eilte der anwesende Mediziner, der psychiatrische Gutachter Prof. Tilman Elliger, hinzu und leitete erste Maßnahmen ein. Der Saal wurde geräumt, der Notarztwagen alarmiert.

Wieder setzte Unruhe unter den zahlreichen Zuschauern türkischer Herkunft ein, laute Worte flogen hin und her, die anwesenden Männer nahmen drohende Haltung ein. Um die Ruhe wiederherzustellen, kamen etwa 15 Wachtmeister zusammen. Sie schafften es, die Gemüter zu beruhigen. Als sich die Zeugin stabilisiert hatte, wurde der Prozess fortgesetzt, allerdings mit einem Machtwort des Vorsitzenden Richter Nohl. Er drohte energisch mit der Räumung des Saales, ließ diese Anweisung ins Türkische übertragen.

Am Morgen hatten Nachbarn ausgesagt, dass sie beinahe regelmäßig lauten Streit und Schreie aus der Wohnung des jungen Paares gehört hatten. Burak S. selbst hatte bestritten, seine Ehefrau geschlagen zu haben. Das Gericht entschloss sich spontan, zwei Ex-Freundinnen des Angeklagten als Zeuginnen zu laden.

Die erste, sie war als 14-Jährige mit S. befreundet, berichtete nichts über Gewalttätigkeiten. Die zweite Zeugin aber, eine 20-jährige Frau aus Herzogenrath, gab an, ihr damaliger Freund Burak habe sie „jeden Tag” geschlagen, besonders, wenn er getrunken hatte. Und ab 2006 habe er viel getrunken und sie gezwungen mitzumachen.

Psychiater Elliger konnte keine Einschränkung der Schuldfähigkeit bei S. feststellen. Allerdings sei dieser in seiner Entwicklung zurückgeblieben, so dass er die Anwendung des Jugendstrafrechts empfehle.
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