Malmedy - Aufbau der Vennstege verzögert sich

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Aufbau der Vennstege verzögert sich

Von: Claudia Schweda
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Die Baustelle ruht: Im Hohen V
Die Baustelle ruht: Im Hohen Venn bei Baraque Michel kommt der Wiederaufbau der im April 2011 bei einem Großbrand zerstörten Stege nicht voran. Einfach querfeldein zu laufen, wie es die Wanderer oben rechts im Bild tun, ist allerdings verboten und kann teuer werden. Foto: Jakob Kriener

Malmedy. Im Hohen Venn bei Ba­raque Michel ist der Wiederaufbau der Holzstege nach dem Großbrand im April 2011 ins Stocken geraten. Im September 2011 hatte das belgische Verkehrsamt in St. Vith eigentlich mitgeteilt, dass die ersten zwei Kilometer Stege „aus hochwertigem Eichenholz” bis Mitte März 2012 - also vor sieben Monaten - fertiggestellt sein und die weiteren drei Kilometer zügig folgen sollen.

Stattdessen sind nach Angaben der zuständigen Forstdirektion in Malmedy aktuell gerade 600 Meter fertig - und die Baustelle ruht.

„Der Bauunternehmer kann die Fristen nicht einhalten”, sagte Leo Schlembach, Leiter der Forstdirektion, auf Anfrage unserer Zeitung. Auf den mangelnden Baufortschritt habe man bereits „reagiert”. In welcher Form, möchte der Forstdirektor nicht weiter ausführen. Eine gütliche Einigung der Auseinandersetzung zwischen Auftraggeber, der Forstverwaltung der Wallonischen Region, und Bauunternehmer scheint nach Informationen unserer Zeitung aber wenig wahrscheinlich.

Trotz Verbots querfeldein: 150 Euro

Im schlimmsten Fall müsste der Bau noch einmal ausgeschrieben werden und ein neues Unternehmen würde die Arbeiten - mit starker zeitlicher Verzögerung - zu Ende bringen. Wann das sein könnte, dazu möchte der Forstdirektor keine Prognose abgeben.

Über fünf Kilometer der insgesamt 15 Kilometer Wege über Holzstege sowie zehn Quadratkilometer Moorlandschaft waren bei dem Großfeuer nach einem Blitzeinschlag vor eineinhalb Jahren zerstört worden. Die Natur hat sich nach Lembachs Angaben inzwischen fast vollständig von dem Brand erholt. Die verbrannten Stege aber sind immer noch gesperrt. Betroffen ist die östliche Achse von Botrange nach Baraque Michel in Richtung Hilltal. 570.000 kostet nach Angaben des Verkehrsamtes der Wiederaufbau der Holzstege. 110 Euro pro Meter.

Zunächst hatte es geheißen, dass das Geld für eine Instandsetzung der erst im Jahr 2007 komplett sanierten Holzstege fehlen würde. Doch dann hat die Wallonische Region das Geld kurzfristig bereitgestellt. „Das ist ein stark begangener Wanderweg, bei dem alle ein großes Interesse daran haben, dass er schnell wieder begehbar ist”, sagt Lembach.

Derzeit jedoch laufen die Wanderer - angesichts einer nicht vorhandenen Absperrung - wenige Gehminuten von Baraque Michel entfernt mitten in die Baustelle hinein. Der nagelneue Steg endet abrupt, weiteres Baumaterial liegt unberührt am Rand, letzte Reste der verbrannten Stege warten auf den Abtransport.

Eigentlich müssten die Ausflügler an dieser Stelle umkehren. Im Hohen Venn, einem Naturschutzgebiet, darf man sich nicht abseits der Wanderwege bewegen. Es herrscht Betretungsverbot zum Schutz von Pflanzen und Tieren. Doch statt den Rückweg anzutreten, hüpfen viele Wanderer am plötzlichen Ende des Steges ins Venn und laufen einfach querfeldein weiter. Dabei sollte sich aber niemand erwischen lassen. Mitarbeiter des Forstamtes, die Wanderer abseits der Wege erwischen, dürfen diesen nach Auskunft von Lembach noch vor Ort ein „Knöllchen” über 150 Euro ausstellen - und das Geld auch sofort einfordern.

Die hohe Strafe dient dabei weniger der Gefahrenabwehr für den Menschen selbst. Die größte Gefahr für ihn ist, ohne leitende Stege die Orientierung in dieser Landschaft zu verlieren, in der ein Ort wie der andere aussieht. Die Gefahr, in dieser Moorlandschaft tatsächlich zu versinken, ist laut Forstdirektor „sehr gering”. Die angedrohte Strafanzeige dient stattdessen vor allem dem Naturschutz. „Das Hohe Venn ist ein Naturreservat. Auch vermeintlich banale Pflanzen sind darin geschützt, und Tiere dürfen in ihrem Lebensraum nicht gestört werden”, sagt der Forstdirektor. „Hier hat die Natur Vorrang. Der Mensch ist nur geduldet.”
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