Auf Schneechaos folgt Glätte

Von: dpa/ddp
Letzte Aktualisierung:
Verkehrsunfall nach Schneefällen
Schnee und Glätte haben in Nordrhein-Westfalen zwischen Sonntag- und Montagmorgen zu zahlreichen Unfällen geführt. Bei den Unfällen wurden 47 Personen leicht verletzt. Foto: dpa

Düsseldorf/Aachen. Nach dem Schneechaos vom Wochenende entspannt sich in Nordrhein-Westfalen die Verkehrslage. Auf den Flughäfen normalisierte sich die Situation am Montag allmählich. Auch die Züge fuhren einem Bahnsprecher zufolge weitgehend nach Plan. Auf den Straßen kam es nach Polizeiangaben zu etlichen Unfällen, bei denen es in aller Regel bei Blechschäden blieb. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes in Essen werden die Straßen wegen neuer Niederschläge in der Nacht zu Dienstag und am Dienstagmorgen glatt werden.

„Es wird wärmer, und jetzt ist mit überfrierender Nässe zu rechnen”, sagte der Sprecher des Landesbetriebs Straßenbau, Bernd Löchter, am Montag in Oberhausen. „Hinter jeder Kurve kann es glatt sein.”

Am Montagvormittag waren die Autobahnen endlich freigeräumt. „Es ist nicht so schlimm„, sagte Wolfgang Vomweg von der Landesleitstelle der Polizei zur Lage auf den Autobahnen am Mittag. Vereinzelt sorgten noch querstehende Lastwagen für Staus. Kaum entspannt sah die Lage auf Landstraßen und in kleineren Ortschaften aus. Dennoch registrierte etwa die Aachener Polizei in der gesamten Städteregion trotz der winterlichen Straßenverhältnisse von 0 bis 7 Uhr lediglich einen Verkehrsunfall. Der ereignete sich auf der Landstraße 228 zwischen Niedermerz und Eschweiler. Dabei kam ein Auto von der Fahrbahn ab und prallte gegen einen Baum. Die beiden Insassen blieben unverletzt.

Schnee und Kälte hatten am Vormittag der Bahn Probleme bereitet. Mal versagten Signalanlagen, mal ließen sich Weichen nicht stellen. Viele Züge hatten bis zu 90 Minuten Verspätung oder fielen sogar ganz aus.

Von Sonntagmorgen bis Montagmorgen hatte die Polizei landesweit rund 1000 Unfälle gezählt. Dabei wurden fünf Personen schwer und 47 leicht verletzt. Den Gesamtsachschaden bezifferte die Polizei auf mehr als 2,7 Millionen Euro.

Auf der A 4 an der Ausfahrt Köln-Eifeltor in Richtung Aachen kippte am Morgen ein Lkw komplett um, zur Räumung musste die Fahrbahn bis zum Mittag gesperrt werden. In Richtung Olpe drehte sich ein Lastwagen mit Anhänger, der Fahrer wurde dabei leicht verletzt. Der Verkehr staute sich bis auf mindestens zwölf Kilometern.

Zu einem Unfall mit einer Schwerverletzten kam es in Köln nach einer Autopanne im Schnee: Eine 54-Jährige versuchte ihren Wagen in eine Lücke zu schieben, wurde dabei aber von einem entgegenkommenden Autofahrer in ihrer Fahrertür eingequetscht, wie die Polizei am Montag mitteilte. Nach den heftigen Schneefällen seien am Wochenende insgesamt in der Domstadt drei Menschen schwer verletzt worden.

Der Düsseldorfer Flughafen konnte seinen Betrieb nach den starken Schneefällen vom Wochenende am Montagmorgen wie gewohnt um 6 Uhr aufnehmen. Wie ein Sprecher des Flughafens mitteilte, lief der Flugverkehr „den Wetterverhältnissen entsprechend gut”. Eine der beiden Startbahnen werde wieder genutzt. „Wir kriegen den Flugverkehr im Moment bewältigt”, sagte der Sprecher am frühen Montagmorgen. „Aber wir haben noch einen ausgedünnten Flugplan”, hieß es weiter. Der Verkehrsleiter des Flughafens konnte zunächst keine Prognose darüber abgeben, wie sich die Lage im Laufe des Montags entwickelt.

Wegen heftiger Schneefälle war der Düsseldorfer Flughafen am Sonntag aus Sicherheitsgründen fast zwölf Stunden lang gesperrt. Tausende Passagiere mussten die Nacht in Düsseldorf verbringen. Sie wurden in umliegende Hotels gebracht oder übernachteten am Flughafen. Die Passagiere wurden mit Getränken, Essen und Decken versorgt. Wie es den wartenden Fluggästen nach der langen Nacht geht, konnte der Flughafensprecher am Montagmorgen nicht sagen. Insgesamt saßen 8000 bis 10.000 Menschen auf dem drittgrößten deutschen Airport fest.

Im Gegensatz zu Düsseldorf bescherte der Wintereinbruch dem Flughafen Köln-Bonn allerdings keine großen Probleme. Sprecher Walter Römer mutmaßte, der Schnee sei in Köln weniger heftig als in der Landeshauptstadt gefallen. An einer besseren Vorbereitung habe es nicht gelegen. Bis Montagmittag gab es zwar noch Verspätungen, aber kein Flug musste abgesagt werden.

Der Landesbetrieb Straßen.NRW war nach Angaben eines Sprechers am Sonntag mit knapp 700 Räumfahrzeugen im Einsatz. Über 2000 Straßenwärter bemühten sich, die Autobahnen befahrbar zu halten. Landesweit wurden 25.000 Tonnen Salz auf die Straßen gestreut. Das seien fast 20 Prozent der beim Landesbetrieb Straßenbau NRW vor dem Winter eingelagerten Mengen an Auftausalz, teilte ein Sprecher des Landesbetriebs am Montag in Gelsenkirchen mit. Seit Freitag seien alle verfügbaren Straßenwärter und Fahrzeuge im Einsatz gewesen. Die Kosten für dieses erste Winterwochenende beliefen sich auf insgesamt vier Millionen Euro. Für die nächsten Tage richtet sich der Landesbetrieb auf weitere Streueinsätze ein.

Die Nacht zum Samstag war die kälteste Dezembernacht in Nordrhein-Westfalen seit mehr als 30 Jahren. Zuletzt sei es im Winter 1978/1979 in NRW kälter gewesen, sagte ein Meteorologe vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Essen. Zwischen Freitagabend und Samstagmorgen wurden Tiefsttemperaturen um minus 20 Grad gemessen. Auch die Nacht zum Sonntag brachte strengen Frost mit minus 18 Grad. In Monschau-Höfen war das Thermometer in der Nacht zum Samstag auf minus 22,8 Grad gefallen - Rekord für die Region.

Während sich die Wetterlage in Europa entspannt, türmen sich im Nordosten der USA noch die Schneeberge. Die eisigen Temperaturen forderten auch Menschenleben, allein in Polen starben 29, in Deutschland mindestens sechs Menschen. Nach der wetterbedingten Pannenserie im Tunnel unter dem Ärmelkanal steht der Hochgeschwindigkeitszug Eurostar auch am Montag weiter still. Auf mehreren europäischen Flughäfen muss weiterhin mit Flugausfällen und Verspätungen gerechnet werden.

Aus den Wintersportgebieten in der Eifel wurde dagegen „stellenweise zu wenig Schnee” gemeldet. Sowohl in Monschau-Rohren als auch in Hellenthal standen die großen Skilifte am Montag noch still. Ausreichend weiß war es aber für Langläufer und Rodler. Wintersport war auch in der Stadt möglich: Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) absolvierte am Sonntag laut einer Sprecherin seine gewohnte Joggingrunde im Schnee.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert