Auf einer Mission mit Tiefgang unterwegs

Von: Jan Weck
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Arbeit in der Tiefe ans Licht
Arbeit in der Tiefe ans Licht bringen: Das war eine Intention beim Tag der offenen Tür des THW. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Eine Gruppe von Menschen hat sich vor einem blauen Container versammelt, durch zwei Glasscheiben schauen sie ins Innere. Hinter den Scheiben schwebt ein Taucher im Wasser und hält eine Motorsäge in der Hand. Als er das Brett vor ihm zersägt, steigen Luftblasen auf und nehmen die Sicht.

Ein paar Kinder drängen sich weiter nach vorne, ein Mann fängt den Augenblick mit einem Foto ein. Wenig später leuchtet orange-rot die Flamme einer Kernbrennlanze auf, mit einem präzisen Schnitt durchtrennt der Taucher ein Metallblech.

Im Ausland gefordert

Der Blick in den Container vermittelt den Zuschauern eine Ahnung vom Berufsalltag der Bergungstaucher des Technischen Hilfswerks (THW). Dieser Alltag ist sehr vielfältig. Mit ihrer Ausrüstung können die Taucher Wracks bergen, Schäden an Deichen aufspüren und reparieren oder unter Wasser Sprengungen durchführen.

Gelegentlich meldet sich auch die Polizei, und dann wird nach Diebesgut und Schusswaffen gesucht. Manchmal werden die Taucher im Ausland angefordert und helfen dort beim Katastrophenschutz oder bei der Trinkwasseraufbereitung. Seit 40 Jahren gibt es die Truppe der Bergungstaucher, die zurzeit aus zwölf ehrenamtlichen Mitgliedern besteht. Sie gehört zu einer der größten Gruppen in Deutschland.

Um den Geburtstag zu feiern, hat das THW Aachen auf sein Gelände zum Tag der offenen Tür eingeladen. Schwere Lastwagen in blauweißer Lackierung stehen hier, Männer in Schutzkleidung und in Taucheranzügen laufen umher. Auf einem abgetrennten Areal werden mit einer Sauerstofflanze Betonplatten durchtrennt, etwas weiter entfernt wird von einem Stahlgerüst eine Trage herabgelassen. Hier simulieren die Männer des THW die Rettung aus einem hohen Gebäude. Doch im Mittelpunkt stehen die Vorführungen der Taucher.

Gerhard Escherich führt die Besucher herum und kann all ihre Fragen beantworten, dafür nimmt er sich viel Zeit. Escherich ist Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit und schon seit 1962 beim THW. In diesen Jahren hat er viel gesehen und er kann Geschichten erzählen von erhebenden und niederschmetternden Momenten. Er selbst geht nicht ins Wasser, doch als Einsatzleiter weiß er genau, was die Bergungstaucher erleben.

Unfälle in der Region

Gegründet wurde die Tauchergruppe beim THW in Aachen, nachdem es in der Region häufig zu Tauchunfällen gekommen war, erinnert sich Escherich. Zuvor hatten Sporttaucher nach den Verunglückten gesucht, jedoch ohne Organisation und Führung. Die Suche nach vermissten Personen ist damals wie heute die häufigste Aufgabe. Gewässer wie der Blausteinsee und der Rursee werden schnell zur Falle. Segler und Surfer kentern, Kinder fallen ins Wasser oder brechen durch dünnes Eis und Taucher tauchen nicht mehr auf. Werden die Männer des THW alarmiert, ist es für eine Rettung häufig zu spät. Alles was sie dann noch tun könnten sei, die Körper zu bergen, sagt Escherich. Das könne mehrere Tage dauern. Noch immer lässt ihn das Bild nicht los, wie die Taucher vor Jahren ein ertrunkenes Mädchen aus dem Wasser hoben.

Von der psychischen Belastung erzählt auch Joachim Mülly, der Taucheinsatzführer beim THW Aachen. Selten ist das Wasser so klar wie in dem Container, um den sich die Besucher scharen. Dunkel und kalt kann die Umgebung sein, in der die Taucher ihre Arbeit verrichten. Teilweise ist die Sicht gleich null, wenn in Seen Schlick aufgewirbelt wird. Selbst für erfahrene Taucher des THW bedeute der Einsatz immer ein Risiko, sagt Mülly.

Es sei etwas ganz anderes, im Urlaub in der Karibik zu tauchen oder in Seen der Region nach Vermissten zu suchen. Immer wieder sei diese Erfahrung eine enorme Belastung. Aber es sei ein gutes Gefühl, Menschen in Not helfen zu können. Diese Einstellung strahlt auch Escherich aus, der an diesem Tag unermüdlich auf dem Gelände unterwegs ist. Viele Besucher sind gekommen und sie werden gut versorgt. Einige sitzen in der geöffneten Halle des THW und essen Hotdogs oder Suppe. Vielleicht befindet sich unter ihnen ja ein fähiger Taucher, der sich für die Arbeit beim THW begeistern kann. Escherich und Mülly sagen, dass sie Nachwuchs gut gebrauchen könnten.
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