Region - Auf die Christbäume warten viele neue Verwendungszwecke

Auf die Christbäume warten viele neue Verwendungszwecke

Von: Daniel Gerhards
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Eine nadelige Angelegenheit: Heinrich Richter nimmt auf dem Recyclinghof in Aachen-Eilendorf etliche ausgediente Weihnachtsbäume an. Foto: Daniel Gerhards
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Jede Menge Tannen und Fichten: Mit dem Radlader werden sie auf dem Recyclinghof in Aachen-Brand zur Häckselmaschine gebracht. Foto: Daniel Gerhards

Region. So mancher hat sich schon sattgesehen. Für diese Leute ist klar: Der Weihnachtsbaum muss raus aus dem Wohnzimmer. Und viele Aachener, die ihren Christbaum loswerden wollen, bringen ihn zu Heinrich Richter. Der 47-Jährige nimmt nun eine Tanne nach der anderen an. Richter arbeitet auf dem Recyclinghof in Aachen-Eilendorf.

Er geht davon aus, dass der Andrang in Eilendorf riesig sein wird. Weil der Recyclinghof an der Aachener Lilienthalstraße im vergangenen Jahr schloss, sind die Eilendorfer Entsorger nun auch für die Innenstadt zuständig. „Dieses Jahr werden wir sicher mit Tannenbäumen überhäuft, weil es nur noch zwei Recyclinghöfe gibt“, sagt Richter. Das ist nicht nur eine nadelige Angelegenheit, sondern auch jede Menge Arbeit für die Mitarbeiter dort. „Aber uns ist lieber, die Leute bringen die Bäume hierher, als wenn sie später irgendwo am Straßenrand liegen“, sagt er. Die Tannen und Fichten sollen auf keinen Fall als wilder Müll enden, denn sie werden verwertet. Aber was macht man aus all den ausgedienten Weihnachtsbäumen? Strom, Wärme, Mulch und Kompost. Von allem ein bisschen.

Aber der Reihe nach. Privatleute können die Bäume in Aachen auf den Recyclinghöfen in Eilendorf und Brand abgeben. Außerdem könnten sie ihren Christbaum in einen der 27 Grünschnittcontainer im Stadtgebiet werfen oder an einer von acht eigens eingerichteten Sammelstellen abgeben, sagt Anne Janotta, Abfallberaterin beim Aachener Stadtbetrieb. In manchen Stadtbezirken sammeln Feuerwehr oder Pfadfinder die Bäume ein. „In der Biotonne sollte man den Baum nicht entsorgen, auch nicht, wenn er in kleine Stücke geschnitten ist. Die Tonne ist für Garten- und Küchenabfälle da“, sagt Janotta.

Manchmal staunt Heinrich Richter nicht schlecht, wenn er sieht, in welchem Zustand die Aachener ihre Bäume bei ihm loswerden wollen. „Hier kommen Leute mit Tannenbäumen an, die noch festlich geschmückt sind“, sagt er. An manchen Bäumen seien noch elektrische Lichterketten und Baumständer dran. „Das muss alles runter“, sagt Richter. Die Leute seien einsichtig. „Hier kann man ja alles entsorgen“, aber eben getrennt voneinander. Manches, was am Baum hängt, ist aber noch gar nicht für die Tonne – oder den Container. „In einem Baum hing sogar mal ein Geschenk“, sagt er. Das sei ein Paket mit einer Playmobilfigur gewesen. „Die Frau hat das wieder mitgenommen. Das Päckchen war für ihren Sohn gedacht“, sagt Richter.

Insgesamt sammelt der Aachener Stadtbetrieb nach Weihnachten im Durchschnitt Christbäume mit einem Gewicht von rund 60 Tonnen. Der Stadtbetrieb gibt die Bäume dann weiter an den Entsorgungsdienstleister Gabco, der den Recyclinghof in Aachen-Brand betreibt. Dort kommen dann insgesamt 70 bis 100 Tonnen Weihnachtsbäume an.

All diese Bäume wie normalen Grünschnitt zu Kompost zu verarbeiten, sei nicht möglich, sagt Janotta. „Das Material ist wegen seiner Struktur nicht geeignet. Für die Vergärung ist es nicht energiereich genug“, sagt sie. In der anschließenden Mietenkompostierung benötige man zwar immer wieder Äste zum Auflockern, „es sind aber viel zu viele Tannenbäume, um damit das vergärte Material aufzulockern“, sagt sie.

Leicht, aber großes Volumen

Bevor sich entscheidet, was konkret aus den Nadelbäumen wird, werden sie zerkleinert. Das ist nötig, damit die Bäume nicht allzu viel Platz wegnehmen. Denn Tannenbäume sind ziemlich leicht, haben aber ein großes Volumen. Sie in voller Pracht zu transportieren, wäre also sehr teuer. Die zerkleinerten Tannen und Fichten werden dann entweder zu Mulch verarbeitet oder in Biomasseheizkraftwerken in der Umgebung verbrannt, sagt Robert Braun, Anlagenleiter des Recyclinghofs in Aachen-Brand. Die kleingehäckselten Bäume werden Unkrautbekämpfer oder Energielieferant.

Energie gewinnt man aus den Bäumen, indem man sie im zerkleinerten Zustand in Biomasseheizkraftwerken verbrennt. Diese Kraftwerke erzeugen durch die Verbrennung von Biomasse elektrische Energie. Die Wärme, die beim Verbrennen entsteht, wird ebenfalls genutzt – zum Beispiel als Fernwärme. Normalerweise werden zum Beispiel Reste aus der Holzverarbeitung, nicht als Nutzholz geeignetes Waldholz und Stroh verbrannt. Und nach Weihnachten kommen eben noch die Christbäume dazu. Diese Art der Verwertung im Biomasseheizkraftwerk sei ökologisch sehr sinnvoll. Denn mit der Energie von rund 500 Weihnachtsbäumen könne rechnerisch ein Durchschnittshaushalt ein Jahr lang mit Strom versorgt werden. Das hat die Agentur für Erneuerbare Energien aus Berlin errechnet. Die Agentur schätzt, dass die Deutschen bis zu 29 Millionen Weihnachtsbäume pro Jahr kaufen.

Die Mitarbeiter auf den Recyclinghöfen werden noch einige Zeit mit den piksenden Gehölzen zu tun haben. „Bis Karneval kommen hier noch Weihnachtsbäume an“, sagt Braun.

Heinrich Richter hat den ersten Teil eines Weihnachtsbaums schon ein paar Wochen vor dem Fest in den Container befördert. Eine Frau wollte ein Stück von der frisch erworbenen Tanne loswerden. Aber eben nur ein Stück: die Spitze. Ihr Mann habe einen drei Meter hohen Baum gekauft, habe sie Richter erzählt. Dabei hätten sie zu Hause nur eine Deckenhöhe von 2,40 Meter. Da musste die Spitze eben dran glauben.

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