Köln - Auf der britischen Insel: Kölner Schule als England-Enklave

Auf der britischen Insel: Kölner Schule als England-Enklave

Von: Christoph Driessen, dpa
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st. georges school
Der Oberstufenschüler Niklas Grobecker liest am Dienstag in der englischen Schule, der St. Georges School in Köln, in der Bibliothek. Für eine englische Schulausbildung muss man den Kontinent gar nicht verlassen. In der St. Georges School in Köln ist alles englisch außer dem Essen. Foto: Oliver Berg dpa/lnw

Köln. Für eine englische Schulausbildung muss man den Kontinent nicht verlassen. In der St. Georges School in Köln ist alles englisch außer dem Essen. Man braucht nur etwas Kleingeld.

Hunderte Schüler in Uniform und alle reden Englisch - kann das noch Deutschland sein? Ja, es ist sogar Köln. Die Stadt mit dem locker-flockigen Image ist hier ganz englische Enklave. Wenn man an einem Schüler vorbeigeht, kommt sofort ein „Good morning, Sir!” Daran kann man sich gewöhnen.

800 Schüler und 40 Nationen: Welcome to St. Georges School. Hier gibt es weder Graffiti noch wacklige Tische. Selbst die Toiletten sind piekfein. Ein Schild neben dem Waschbecken appelliert an die Schüler, alles sauber zu halten. Auf Englisch natürlich. Deutsch spricht man hier nur im Deutschunterricht. Sonst ist alles englisch, auch die Lehrpläne.

Manche Schüler kommen von weit her und können deshalb höchstens am Wochenende zurückfahren - für sie gibts ein hauseigenes Internat wie bei Hanni und Nanni.

Wenn man eine Klassenzimmertür öffnet - „Good morning, Sir!” - sitzen da drei Schüler vor einer Lehrerin. Gerade ist Chemieunterricht. An der Tafel - es ist gar keine Tafel, sondern so ein Managerboard, auf das man mit Filzstift schreibt - stehen chemische Formeln. Darüber reden die Schüler mit der Lehrerin auf Englisch. Die Konversation hat nichts mit Abfragen zu tun, sie wirkt eher wie ein Expertenaustausch. Es herrscht Konferenzatmosphäre.

Alles geht hier sehr viel disziplinierter zu als in der deutschen Welt da draußen. Ist es die feine englische Art? „Wir liefern den Schülern eine Struktur”, sagt Schuldirektor Richard Hollow, während er ein kleines Stück Papier vom Schulhof aufhebt.

Das bedeutet zum Beispiel, dass alle Treppen von einer blauen Linie in zwei Seiten geteilt werden: Auf der einen geht man runter, auf der anderen rauf. Ein Zugeständnis an den Kontinent: Es herrscht Rechtsverkehr.

Mittagspause. Man bestellt auf Englisch, als Koch hat man sich dann doch lieber einen Deutschen genommen. Ein größerer Schüler wird beim Betreten der Kantine von einem Lehrer angesprochen: „Bitte steck doch mal dein Hemd in die Hose und mach den obersten Knopf zu!” Dabei sehen die schon alle so adrett aus in ihren englischen Schuluniformen.

Niklas Grobecker zum Beispiel, der wirkt wie Cedric Diggory in „Harry Potter und der Feuerkelch”. Bleibt nur die Frage: Wer ist hier Severus Snape, der fiese Lehrer für Zaubertränke?

Offenbar hat so einer hier keine Entsprechung. Die Lehrer sind alle ziemlich jung und wirken durch die Bank nett. Vor allem fehlt ihnen trotz des gehobenen Umfelds jene elitäre Ausstrahlung, die deutsche Gymnasiallehrer gerne verbreiten, nach dem Motto: „Wers nicht kapiert, ist hier halt falsch.”

Das Ganze hat natürlich seinen Preis: So 650 Euro für die Kleinen und 870 Euro für die Großen. Im Monat. Wer den Abschluss International Baccalaureate will, zahlt noch mehr. „Wir vergeben aber auch viele Stipendien”, sagt Schulgründerin Marietta Horton.

Nicht alle Kinder hier sind Millionärserben. Manche Eltern verzichten 20 Jahre auf den Urlaub, um ihren Kindern die Ausbildung in St. Georges angedeihen zu lassen. Mehr als die Hälfte der Schüler kommt inzwischen aus deutschen Familien.

Die 69-jährige Horton ist als Kind selbst sehr ungern zur Schule gegangen. „Später fiel mir auf: In England scheint das anders zu sein.” Vor 25 Jahren gründete sie die Schule mit 15 Kindern von gleichgesinnten Eltern in Bad Godesberg. Heute hat St. Georges sogar Ableger in Aachen - und in der Arbeiterstadt Duisburg: „Die wollten von ihrem Schmuddelimage weg.”

Immer mehr Eltern interessieren sich für die britische Insel in Deutschland. „Das deutsche Schulwesen hat es in den vergangenen Jahren nicht leicht gehabt”, sagt Direktor Hollow.

Da suchten viele nach einer Alternative. „Haben Sie Kinder?”, pflegt Mr. Hollow seine Besucher zu fragen. „Ja, und ich würde sie liebend gern hierhinschicken”, hört er dann oft. Nur wenige schieben noch nach: „Ich bräuchte vorher nur noch eine kräftige Gehaltserhöhung.”
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