Auf Bruder eingestochen: Fünf Jahre Haft gefordert

Von: müb
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Aachen/Baesweiler. Weil ein 23-Jähriger aus Baesweiler seinen älteren Bruder mit 14 Messerstichen schwer verletzt hat, hat die Staatsanwaltschaft am Montag vor dem Landgericht Aachen wegen versuchten Mordes auf fünf Jahre Haft plädiert.

Die Verteidigung wertet die Attacke als versuchten Totschlag und forderte dreieinhalb Jahre Freiheitsstrafe für den Angeklagten. Wie die Schwurgerichtskammer den Fall bewertet, verkündet sie am Donnerstag.

Am 29. Juli vergangenen Jahres soll sich der Angeklagte nach einer Art Bruderstreit in der Küche mit einem langen Messer bewaffnet, das spätere Opfer mit einer gezielten Beleidigung zu sich ins Zimmer gelockt und so lange auf den 27-Jährigen eingestochen haben, bis die Mutter der beiden dazwischen ging.

Staatsanwalt Ralf Bücker sieht hierbei eine deutliche Tatplanung und die Heimtücke als Mordmerkmal erfüllt. Dagegen glaubt Verteidiger Peter Schäfer an die Tat eines vermindert schuldfähigen Angeklagten im Affekt.

Bei allen Unterschieden in Tatbewertung und Strafzumessung sind sich beide Seiten darin einig, dass der Täter in diesem Fall ebenfalls Opfer war. Der ältere Bruder des Angeklagten habe die Familie mit seiner Reizbarkeit, Aggression und Gewalttätigkeit seit jeher tyrannisiert. Schäfer nannte ihn im Plädoyer eine „tickende Zeitbombe”, vor der sich selbst die Mutter zur Sicherheit einschließe.

Den Vater habe er aus nichtigem Anlass bespuckt und angegriffen. Und es habe Situationen gegeben, bei denen der ältere Bruder dem schlafenden jüngeren Bruder in die Genitalien getreten oder diesen mit dem Luftgewehr beschossen habe. In der Tatnacht habe der Angeklagte wie so oft Angst gehabt und sich zur eigenen Sicherheit mit dem Messer bewaffnet. Das habe er davor auch viele Male getan. „Die Lage zu Hause war aussichtslos, und die Tat war alternativlos”, ist sich Schäfer sicher.

Auch Staatsanwalt Bücker erkannte in dem Angeklagten eine Person, die seit der Pubertät auf sich alleingelassen in der Familie lebt, sich dort gegen den Bruder niemals durchsetzen konnte und von diesem bildlich gesprochen als der Schwächere „an die Wand gedrückt wird”.

Familie Hilfe angeraten

Für den Staatsanwalt besteht Anlass, zu befürchten, dass spätestens nach Haftentlassung des jüngeren Bruders die gefährliche Tyrannei zu Hause weitergehe und der ältere Bruder Rache nehme. Die Familie müsse aus eigenem Antrieb dringend etwas ändern und dazu fremde Hilfe in Anspruch nehmen. „Denn wir”, so sagte Bücker, „sind hier machtlos”.
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