Auch in Aachen stellen sich die Steuersünder

Von: Heiner Hautermans
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Aachen. Mehrere Dutzend Steuerhinterzieher haben in den letzten Wochen im Raum Aachen Selbstanzeige erstattet, weil sie Angst vor der CD aus der Schweiz haben.

Auf dieser sollen sich die Daten von rund 1500 betuchten Bundesbürgern befinden, die nach Schätzungen bis zu 400 Millionen Euro hinterzogen haben könnten. Offiziell bestätigt wurden die Aachener Zahlen am Mittwoch nicht, das Steuergeheimnis lässt dies nicht zu.

Doch aus mehreren Quellen lässt sich der Schluss ziehen, dass es eine ganze Reihe von Aachenern vorgezogen hat, die Flucht nach vorne anzutreten. Am Donnerstag wird das Düsseldorfer Finanzministerium erste Zahlen veröffentlichen, die aber nicht auf die einzelnen Regionen heruntergebrochen werden.

Die Leiterin des Finanzamts Aachen-Stadt sagte auf Anfrage lediglich, dass es Fälle von Selbstanzeige gebe, und zwar „auffällig mehr als üblich”. Allerdings könne sie nichts über die in Rede stehenden Summen oder die Motivation der säumigen Zahler sagen und verwies auf die Oberfinanzdirektion und das Ministerium, wo man sich aber ebenfalls bedeckt hielt.

Die Steuerbetrüger sind im Zugzwang. Wollen sie durch die Selbstanzeige straffrei ausgehen, müssen sie die Fehlbeträge voll bei der Behörde, die normalerweise für sie zuständig ist, deklarieren und bezahlen, außerdem darf die Tat noch nicht entdeckt sein. Sobald die Daten der Schweizer CD vorliegen, gibt es keine Strafbefreiung mehr.

Ein Problem ist, so erklärt ein namhafter Steuerstrafanwalt, oft die Vollständigkeit der Angaben: „Kontoauszüge aus der Schweiz hat man in der Regel nicht Zuhause.” Dann helfe eine Selbstanzeige in mehreren Stufen in denen nach einigen Wochen konkrete Zahlen nachgeliefert werden könnten. Nach seinen Erfahrungen gehe die Taktik der Bundesregierung, die Leute zu verunsichern, vollständig auf.

In den meisten Fällen kann die Selbstanzeige vom Finanzamt für Steuerfahndung und Steuerstraftaten Aachen abgearbeitet werden. Nur in Fällen von besonderer Bedeutung, etwa in der Höhe der Summe, kommt die Staastsanwaltschaft ins Spiel, wo nach Informationen unserer Zeitung ebenfalls einige Verfahren anhängig sind.

Ungern mit solchen Fällen hat ein bekannter Steuerberater zu tun: „Jeder Mandant, der damit kommt, hat mich jahre- oder jahrzehntelang belogen. Steuerhinterziehung ist auch Betrug gegenüber dem Steuerberater.”
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