Attest statt Klausur: Wenn Studenten die Notbremse ziehen

Von: Axel Borrenkott
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„Studierende machen sich den
„Studierende machen sich den Druck auch selbst”: Matthias Nick, Vorsitzender Asta der RWTH.

Aachen. „Relativ gelassen” hatte das Rektorat der RWTH die Studentenmassen zum Wintersemester Anfang Oktober erwartet, die rund 6500 Neuzugänge werde man schon unterbringen und betreuen können. Das scheint im Großen und Ganzen bisher auch gelungen, bestätigen jedenfalls die Vertreter der Studierenden.

Ein gravierendes Problem, sagt der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta), habe sich allerdings nicht erledigt: Immer noch ziehen etliche Studierende per ärztlichem Attest die Notbremse vor einer Prüfung.

Insgesamt 16.000 Mal hatten sich im vergangenen Jahr geschätzt 6000 Studierende der RWTH per Attest einer Klausur entzogen, weil sie vermutlich zu versagen fürchteten oder ihr späteres Examen nicht mit einer schlechten Startnote belasten wollten. Schon die ersten Noten der heutigen Studiengänge gehen nämlich in die Endnote ein.

Jedes Modul im Bachelor-/Master-Studiensystem muss einzeln geprüft werden, das führt nicht selten zu fünf bis sechs Klausuren innerhalb weniger Wochen. Vor allem die Anfangssemester überschätzen sich dabei, versäumen die reguläre Abmeldefrist und besorgen sich unmittelbar vor den Prüfungen Atteste, um nicht als durchgefallen zu gelten.

„Die Studierenden machen sich den Druck zum Teil aber auch selbst”, meint der Asta-Vorsitzende Matthias Nick, weil sie meinen, „unbedingt in der Regelstudienzeit fertig werden zu müssen.” Eben das aber ist eigentlich das Ziel dieser Uni und auch der Hochschulbürokratie, die die Hochschulen daran misst, wie viele Studierende sie in der Regelstudienzeit zum Abschluss führen.

„Das Atteste-Problem lässt sich so schnell nicht lösen”, sagt Nick, „mittelfristig sehe ich da aber schon Möglichkeiten.” Das Dilemma ist fraglos schon länger erkannt in der Hochschulleitung. Noch in diesem Semester soll eine Änderung der Rahmenprüfungsordnung beraten werden. Der Asta drängt darauf, die Anmeldung zu einem Seminar von der damit automatischen Anmeldung zur Prüfung zu entkoppeln.

Der für die Lehre zuständige Prorektor Aloys Krieg hebt „die Balance” hervor, die man da finden müsse. „Einerseits sollen Studierende zügig studieren und nicht unnötig (besonders Anfänger-)Vorlesungen nach hinten schieben, damit man auch rechtzeitig weiß, ob man den Studiengang schaffen kann. Andererseits müssen wir ihnen auch Zeit gönnen, gegebenenfalls Versäumtes nachzuholen.” Jedenfalls, das hatte Krieg schon zu Beginn des Jahres bekannt, könne und wolle man das Problem „nicht auf die Ärzte verlagern”. Unumwunden räumt Krieg ein, dass „mit der gegenwärtigen Situation alle Beteiligten, Lehrende wie Studierende, nicht zufrieden sein können”. Aber: „Wir arbeiten daran.” Wie viele Studierende bisher in diesem Jahr wie viele Atteste eingereicht haben, hat die Hochschule allerdings konkret noch nicht erhoben.

Das Prüfungsproblem scheint aus Sicht des Asta das einzige, bei dem aktuell der Schuh drückt. Die Raumsituation an der Hochschule sei „nicht so kritisch”, jedenfalls habe sich „hier noch keiner beschwert”. Deutlich nachgelassen habe auch die dringende Nachfrage nach Wohnraum, jedenfalls beim Asta. „Irgendwie scheint sich das inzwischen von selbst zu regeln”, meint Nick.

Während es im August bis etwa Mitte September noch „fünf, sechs Anrufer pro Tag” gab, für die die Studierendenvertretung die „letzte Hoffnung verzweifelter Wohnungssuchender” gewesen sei, rolle nun die „zweite Welle” an, erzählt der Sozialreferent Onur Ögül: „Wer erst einmal weiter weg gezogen ist, um überhaupt etwas zu kriegen, versucht jetzt, das gegen eine Wohnung in Aachen einzutauschen.”
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