Attacke auf Flüchtlinge: Rechtsextremist freigesprochen

Von: mik
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Vor Gericht: Aaron C. (Mitte) war 2016 wegen eines Angriffs auf Asylbewerber in Wassenberg verurteilt. Archivfoto: dpa Foto: dpa

Aachen/Wassenberg. Optisch nicht, von seinem Verhalten her aber scheint der 20-jährige Rechtsextremist Aaron C. verändert. Vor rund einem Jahr provozierte und störte er bei einem Prozess in Heinsberg nach Attacken auf Flüchtlinge in Wassenberg massiv. Am 31. Juli wirkt er auf dem Flur des Justizzentrums Aachen unsicher und nervös. „Kameraden“, vor denen er sich aufspielen könnte, sind nicht da.

Sichtlich bemüht ist er, nicht erneut durch Respektlosigkeiten aufzufallen und sich so seine Zukunft zu verbauen.

Das Landgericht Aachen hat jetzt den jungen Rechtsextremisten aus Wassenberg vom Vorwurf der Beihilfe bei Attacken auf Flüchtlinge freigesprochen. Gerichtssprecher Daniel Kurth sagte auf Anfrage dieser Zeitung, die Kammer habe in dem Berufungsverfahren das Urteil des Amtsgerichts Heinsberg gegen den 20-Jährigen aufgehoben. Da am Landgericht Aachen in nicht öffentlicher Sitzung verhandelt wurde, weil der zuvor schon strafrechtlich aufgefallene Rechtsextremist zum Tatzeitpunkt noch 17 Jahre alt war, wurde auch die Begründung für den Freispruch nicht bekannt.

Provokationen und Angriffe von jungen Rechtsextremisten auf Asylbewerber in Wassenberg hatten Ende 2014 und Anfang 2015 bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Im Januar 2015 war es am ZOB zu dem schwersten der Übergriffe mit Verletzten gekommen, 2016 folgte der Prozess. Am Ende des mehrtägigen Verfahrens hatte das Jugendschöffengericht in Heinsberg vor rund einem Jahr mehrere Jugendliche und Heranwachsende zu Jugendstrafen auf Bewährung verurteilt. Zum Teil hatten sie sich zum Tatzeitpunkt über soziale Netzwerke ausgetauscht. Einer ihrer Chats soll den Namen „HJ-Wassenberg“ getragen haben.

Für den nunmehr freigesprochenen Rechtsextremisten gab es seinerzeit allerdings keine Bewährung. Anders als die „Kameraden“ war er zu einer neunmonatigen Haftstrafe verurteilt worden. Er sollte laut Urteilsbegründung Beihilfe bei einem der Angriffe geleistet haben. Der heute 20-Jährige war im Juni 2016 am Tag der Urteilsverkündung in einer Jacke mit der Rückenaufschrift „Svastika – European Brotherhood“ (Hakenkreuz – europäische, weiße Bruderschaft) erschienen.

Da er zuvor deutlich gemacht hatte, lieber eine Haftstrafe antreten zu wollen anstatt als Bewährungsauflage die Teilnahme an einem Aussteigerprogramm zu akzeptieren, hatte die Richterin bei ihm auf die Bewährung verzichtet.

Sie wies im Juni 2016 zudem auf die ungünstige Sozialprognose und das extrem provokative wie respektlose Verhalten bei dem Heranwachsenden während des gesamten Prozesses hin. Zu beeindrucken schien ihn das damals wenig. Als er nur Minuten nach der Urteilsverkündung den Gerichtssaal verließ und ein Kameramann des WDR dies filmte, zeigte er diesem seine Mittelfinger und wies darauf hin, dies sei „für die Richterin“ respektive „für das Gericht“.

Später legte sein Anwalt Berufung gegen das Urteil aus Erster Instanz ein. Jetzt entschied die 5. Große Jugendkammer im Justizzentrum Aachen nach zwei Prozesstagen auf Freispruch.

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