Aachen/Düren - Attacke auf Dürener Polizei: Bruder des Angeklagten sagt: „Ich war's“

Attacke auf Dürener Polizei: Bruder des Angeklagten sagt: „Ich war's“

Von: Wolfgang Schumacher
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Faisal, Michael und Gabriel S. sind vor dem Landgericht Aachen angeklagt. Dem Mann und zweien seiner Söhne wird vorgeworfen, im Streit um ein Knöllchen mehrere Polizisten verprügelt und verletzt zu haben. Am Freitag machte überraschend ein dritter Sohn eine Aussage. Foto: Ralf Roeger/dpa

Aachen/Düren. Überraschende Wende im Prozess um den sogenannten Knöllchenstreit: Vor dem Aachener Landgericht hat sich am Freitag ein bislang nicht angeklagter Bruder der mutmaßlichen Täter selbst beschuldigt. Bei dem Prozess geht es um einen Streit wegen eines Knöllchens, bei der ein Polizist am 12. November 2016 attackiert und schwer verletzt worden war.

Der Streit auf offener Straße war total eskaliert und hatte in einer brutalen Schlägerei zwischen den Mitgliedern einer Dürener Familie, einem Ordnungsamtsmitarbeiter und der hinzugerufenen Polizei geendet .

Der 22-jährige David S. hat am Freitag gestanden, in diesem Streit gleich zwei Polizisten jeweils mit einem Faustschlag niedergestreckt zu haben. Darunter sei auch der schwer verletzte Polizist gewesen, der laut Anklage vom Hauptangeklagten Gabriel S. (29) niedergeschlagen worden sei. Sein jüngerer Bruder David erklärte am Freitag vor der Kammer: „Ich habe ihm mit der Faust ins Gesicht geschlagen.“ Zuvor habe er einem weiteren Polizisten in dem Tumult ebenso „einen gegeben“.

Aus Angst zugeschlagen

Aus dem Haus in der Dürener Scharnhorststraße, in dem fast die gesamte Familie lebt, habe er beobachtet, wie der Beamte seinen Vater mehrmals getreten habe, sagte der neue Zeuge. Da habe er einfach eingreifen müssen, so David S.

Als er sich dem Beamten genähert habe, habe dieser seine Waffe ziehen wollen, da habe er zugeschlagen, aus Angst, erschossen zu werden. Es sei quasi eine Art Nothilfe für seinen Vater gewesen, der sich in ärgster Bedrängnis befunden habe, sagte David S. über seine Motive der Tat. Sein Vater Faysal S. (47) und die Brüder Gabriel und Michael (28) sind in diesem Prozess die Angeklagtem, ihnen wird gefährliche Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vorgeworfen.

Immer wieder hatten sich während des Prozesses die Beteiligten verschiedene Videosequenzen der Tatort-Szenen vorspielen lassen, oftmals handelte es sich um wackelige Handyaufnahmen. Eindeutige Klarheit hatten diese allerdings nicht gebracht.

Ob die nun von Verteidiger Christian Franz mit seinem Überraschungszeugen herbeigeführte neue Prozesssituation für seinen Mandanten Gabriel S. wirklich hilfreich ist, wird sich erst mit dem Urteil der Kammer in der kommenden Woche herausstellen. Franz forderte am Freitag einen Freispruch wegen erwiesener Unschuld, Gabriel S. sei „eben einfach nicht der Schläger“ gewesen.

Staatsanwalt Joel Güntert sah jedoch seine Arbeit durch die Aussage von David S. eher bestätigt: „Wir sind in den Ermittlungen immer davon ausgegangen, dass hier noch ein weiterer Täter zugange war.“ Vor allem sei mit der Aussage des jüngeren Bruders die schwere Verletzung des Polizeibeamten Alexander Z. nicht hinreichend zu erklären. Der Polizist hatte berichtet, mit einem stumpfen Gegenstand niedergeschlagen worden zu sein. Dabei handelt es sich Zeugenaussagen zufolge vermutlich um einen Radmutterschlüssel, der von Faysal S. zuvor zum Wechseln eines Rades benutzt worden war. Neben diesem schweren Schlag mit einem Gegenstand seien jedoch auch Faustschläge auf ihn eingeprasselt, hatte Alexander Z. damals angegeben.

Kein Zweifel am Haupttäter

David S. hält diese Darstellung für falsch, wie er am Freitag sagte. Bei dem Tumult habe es sich vielmehr um einen „Akt von Polizeigewalt“ gehandelt, beschrieb er.

Staatsanwalt Güntert ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken und wiederholte seine Forderung einer sechsjährigen Haftstrafe für Gabriel S. „Der Faustschlag von David S. ins Gesicht des Polizisten erklärt nicht das gesamte Verletzungsbild“, begründete er sein Festhalten an der Haupttäterschaft von Gabriel S.

Für den mitangeklagten Bruder Michael S. und den Vater Faysal S. waren von der Anklage Bewährungsstrafen gefordert worden. Ihre Verteidiger beantragten am Freitag Freisprüche. Die Angeklagten wiesen am Freitag in ihrem „letzten Wort“ vor der Urteilsverkündung am 21. Dezember die Anschuldigungen zurück. Gabriel S. kritisierte noch einmal scharf die Ermittlungspraxis der Staatsanwaltschaft. Sie habe bislang alle entlastenden und gegen seine Täterschaft sprechenden Ermittlungsergebnisse ignoriert. „Aber ich bin sicher, die Wahrheit wird vor diesem Gericht obsiegen“, sagte er.

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