Huy - Atomkraftwerk Tihange: Wieder Zwischenfall

Atomkraftwerk Tihange: Wieder Zwischenfall

Von: Madeleine Gullert
Letzte Aktualisierung:
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Macht vielen Menschen Angst: Das Kernkraftwerk im belgischen Tihange. Foto: dpa

Huy. Schon wieder ein Zwischenfall, schon wieder Tihange. Der Reaktor 3 des belgischen Atomkraftwerks, das nur 60 Kilometer von Aachen entfernt ist, hat sich in der Nacht zu Donnerstag automatisch abgeschaltet, wie eine Sprecherin des Betreibers Electrabel auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte.

Gegen ein Uhr nachts hatte sich das System von selbst heruntergefahren. Das sei ein technischer Vorgang. Eigentlich hätten in der Nacht Wartungsarbeiten beginnen sollen.

„Unsere Mitarbeiter suchen nun nach den Ursachen für den Zwischenfall“, sagte die Electrabel-Sprecherin. Bis morgen sollen sie die gefunden haben. „Wenn das klappt, fahren wir Tihange 3 morgen wieder an“, sagte die Sprecherin. Sonst könne es länger dauern. Bis der Zwischenfall geklärt ist, bleibe Tihange 3 abgeschaltet. Der belgische Grünen-Fraktionschef Jean-Marc Nollet kritisierte, dass Electrabel nicht einmal genaue Gründe nennen könne. „Nicht sehr beruhigend.“

Electrabel erklärte, dass es kein Sicherheitsproblem gegeben habe. Zu keiner Zeit habe Gefahr für Bevölkerung, Umwelt oder Mitarbeiter bestanden. Auch die Stromversorgung für Electrabel-Kunden sei nicht gefährdet.

Im Winter wieder ans Netz?

Das Atomkraftwerk Tihange steht schon lange in der Kritik. Erst am Wochenende wurden vier Electrabel-Mitarbeiter aus Tihange suspendiert. Die belgische Atomaufsichtsbehörde FANC wirft ihnen mangelnde Sorgfalt bei der Arbeit im Kontrollraum vor. Diese Nachlässigkeiten stufte die FANC als Störfälle ein und hat Klage bei der Staatsanwaltschaft eingereicht.

Anfang des Jahres war zudem bekannt geworden, dass es mehr als 3000 Risse in den Druckbehältern von Reaktor 2 gibt. Auch die Größe der Risse war erst damals bekannt geworden. Tihange 2 und der ebenfalls marode Reaktor Doel 3 sind zurzeit abgeschaltet. Electrabel strebt aber nach wie vor an, Tihange 2 und Doel 3 ab dem Winter wieder ans Netz zu bringen, wie die Sprecherin am Donnerstag sagte. „Wir haben gemeldet, dass die beiden Reaktoren bis Anfang November nicht verfügbar sind.“

Und dann? Ob die beiden Reaktoren wieder ans Netz dürfen, darüber entscheidet die FANC. Die erste Phase in dem Prozess ist beendet, teilte FANC-Sprecher Sébastien Berg unserer Zeitung mit. Man habe sich auf eine Methode geeinigt.

Nun analysiere die Behörde, ob der neue Sicherheitsplan (Safety Case) von Electrabel genügt. Das beurteilen internationale Experten, wie Berg weiter erklärte. Wie lange das dauert, sei noch völlig offen. Es sei möglich, dass Electrabel nachjustieren muss. Die Reaktorblöcke dürfen nur ans Netz nach einem Okay der FANC.

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