AStA bleibt beim Nein zum Semesterticket

Von: Claudia Schweda
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Gestern Nachmittag vor dem RWT
Donnerstagnachmittag vor dem RWTH-Hauptgebäude: Studenten nutzen offensichtlich das NRW-Semesterticket, das jetzt ausläuft. Bis Januar müssen die Studenten sich entscheiden, ob sie es verlängern wollen. Foto: Jaspers

Aachen. Die RWTH Aachen steuert mit immer höherem Tempo auf die einzigartige Situation in Nordrhein-Westfalen zu, eine Hochschule ohne Semesterticket zu sein. Die Studentenvertretung der RWTH (AStA) lehnte jedenfalls den zweiten Vorschlag des Aachener Verkehrsverbundes ebenfalls rundweg ab.

Dieser sah vor, dass der AVV-Anteil am gesamten NRW-Ticket um 5,01 Euro auf 66,50 Euro für ein halbes Jahr steigen würde. Eine Steigerung um 7,5 Prozent für ein Ticket, das ein Jahr gilt. „Den Studierenden ist dieses Angebot, welches kein Entgegenkommen des Verkehrsverbundes darstellt, nicht zu vermitteln”, schreibt Ingo Bresgen in einer Mitteilung des AStA. Zuvor hatte der AVV wie bislang ein auf drei Jahre fixiertes Preisangebot gemacht, bei dem der AVV 71,54 Euro pro Semester von den Studenten erhalten hätte. Ein Plus von 16,3 Prozent.

Die Studentenvertreter kritisieren, dass die Verkehrsverbünde offenbar nachträglich versuchten, ihre Investitionen der letzten Jahre in das Verkehrsnetz durch die Studierenden finanzieren zu lassen. Startpunkt eines „verhandelbaren Angebots” müsse der Preis des aktuellen Tickets sein, auf den die durchschnittliche Preissteigerung im AVV für drei Jahre aufgeschlagen werden könne. Demnach bliebe „eine Erhöhung um 11,13 Prozent über drei Jahre, die als Kompromiss akzeptiert wird”, schreibt Bresgen. Eine Erhöhung also um 6,83 Euro pro Semester auf 68,32 Euro.

Unterstützt werden die Studenten von RWTH-Rektor Ernst Schmachtenberg, der die Ablehnung der Vertragsverlängerung zu den vom AVV angebotenen Konditionen „persönlich durchaus nachvollziehen” kann. Der AStA betonte, kompromissbereit zu sein, wenn auch ihre Argumente gehört würden. Ihr Wunsch sei, am Verhandlungstisch eine Lösung zu erzielen.

Der AVV-Geschäftsführer Hans Joachim Sistenich macht demgegenüber deutlich, dass es mit ihm keine Verhandlungen mehr geben wird: „Der AStA tut so, als stünden wir am Anfang der Verhandlungen. Wir stehen am Ende!” Offenbar seien die Argumente des AVV in den drei Verhandlungsrunden nicht gehört worden. Sie seien als Nahverkehrsanbieter zum Start des Semestertickets vor einigen Jahren davon ausgegangen, dass sie die zusätzlichen Studenten mit nur wenigen Veränderungen am Bus- und Bahnnetz befördern könnten. Entgegen diesen Annahmen hätte die Inanspruchnahme aber massiv zugenommen. Inzwischen müssten zusätzliche Züge und Busse aus dem Umland nach Aachen und in Aachen selbst eingesetzt werden, „und angesichts der weiterhin vollen Busse und Bahnen sehen wir, dass wir nach Jülich und in Aachen weiter nachbessern müssen”, sagt Sistenich.

Angesichts dieser Entwicklung stelle sich die Frage, welchen Beitrag die Studenten zur Finanzierung des Gesamtsystems im AVV leisteten. „Da läuft etwas aus dem Ruder.” Die öffentliche Hand gebe pro Jahr 80 Millionen Euro für den AVV, 89 Millionen kämen durch Ticketerlöse rein. Müsse der AVV nur drei Busse mehr einsetzen, bedeute das bereits einen Mehraufwand von 750 000 Euro im Jahr „ohne die allgemeinen Kostensteigerungen”. Gingen die Studenten auf das letzte Semesterticket-Angebot des AVV ein, zahlten sie aber nur etwa 360 000 Euro mehr in den AVV-Topf ein. „Da bleibt ein deutliches Defizit”, sagt Sistenich. „Das, was die Studenten fordern, hebelt das Solidarprinzip aus.” Indirekt bedeute ihre Forderung, dass entweder die Steuerzahler oder die anderen Kunden mehr zahlen sollen. Ein noch niedrigerer Beitrag der Studenten an den Gesamtkosten sei den anderen AVV-Kunden nicht mehr zu vermitteln.

Sistenich wundert sich zudem, dass der RWTH-Rektor Verständnis für die Haltung der Studenten zeigt: „Ich frage mich, ob er dann auch Verständnis für die Studenten aufbringt, die sich an anderen Unis bewerben, weil Aachen sich ohne Semesterticket in eine Exotenposition begibt.” Er habe den Studenten angeboten, die Haltung des AVV im Studierendenparlament zu erklären - „zu jeder Tages- und Nachtzeit”, um den bereits „gewaltigen Flurschaden” zu bereinigen.
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