Asbestalarm nach Großfeuer: Roermond bleibt „Geisterstadt”

Von: anca/heck/dpa
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Bei dem Großfeuer in Roermond wurde Asbest freigesetzt, das in den Dächern zweier Hallen im Jachthafen verbaut gewesen war. Foto: Günter Jungmann
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Bei dem Großfeuer in Roermond wurde Asbest freigesetzt, das in den Dächern zweier Hallen im Jachthafen verbaut gewesen war. Foto: Günter Jungmann
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Dutzende von Yachten und mehrere Gebäude wurden zerstört. Der giftige Asbest wurde durch die Flammen freigesetzt. Foto: dpa
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Das Stadtzentrum wurde abgeriegelt. Autos wurden vor dem Verlassen des Sperrgebietes abgespritzt. Foto: Günter Jungmann
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Leere Straßen, geschlossene Läden: Am Morgen glich die 57.000-Einwohner-Stadt einer Geisterstadt. Foto: Günter Jungmann

Roermond/Heinsberg. Nach einem Großbrand im niederländischen Roermond soll das Zentrum der Stadt bis Samstag weitgehend abgeriegelt bleiben. Bei dem Feuer auf einem Hafengelände war in der Nacht in großem Maße giftiger Asbest in die Luft geraten. Der Bürgermeister verhängte eine Notverordnung. Für Anwohner im angrenzenden Kreis Heinsberg bestehe indes keine Gefahr, hieß es.

Der Brand war am Dienstagabend gegen 21.45 Uhr in zwei großen Hallen im Jachthafen Het Steel an der Maas ausgebrochen, in denen rund 60 zumeist hochwertige Jachten für den Winter eingelagert waren. Die Boote gehörten nach Medienberichten zu einem großen Teil deutschen Eignern. In den Dächern der Hallen war der krebserregende Asbest verarbeitet worden. Durch den Brand wurde er freigesetzt.

Zunächst gingen die Retter nur von einem begrenzten Bereich aus, in dem sich der giftige Stoff niedergeschlagen hatte. Nachdem aber bei Tag an mehreren Stellen Asbest gefunden worden war, stellte sich jedoch heraus, dass praktisch die Hälfte des historischen Stadtzentrums betroffen war.

„Es liegt überall”, sagte Bürgermeister Peter Cammaert im niederländischen Fernsehen. „Auf Straßen, Dächern, in Gärten.” Nach einer Notverordnung wurden der Bahnhof und wichtige Zufahrtstrassen gesperrt. SIe soll bis Samstag in Kraft bleiben. Die Bewohner dürfen das Gebiet nur an speziellen Entgiftungspunkten verlassen. Unbefugten bleibt der Zutritt verboten.

Am Morgen glich die limburgische 57.000-Einwohner-Stadt einer „Geisterstadt”, wie Reporter schilderten: Die Straßen waren fast menschenleer. Geschäfte und zwei Schulen blieben geschlossen. Anwohner wurden aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Bahnverbindungen wurden zwar nicht gestrichen, die Züge hielten aber nicht am Bahnhof der Stadt. 

Die Rettungsdienste richteten an den Ausfallstraßen Reinigungsstellen ein. Dort wurden Autos und Fahrräder mit Wasser abgespritzt, um die krebserregenden Stoffe zu entfernen. Wer in der abgeriegelten Zone zu Fuß unterwegs war, wurde aufgerufen, beim Betreten von Gebäuden die Schuhe auszuziehen. Hilfskräfte und Spezialfirmen in Schutzanzügen suchten in der Sperrzone nach Asbest-Resten und begannen mit den Aufräumarbeiten.

Wie lange diese Arbeiten dauern werden, ist unklar. „Das kann man nicht in ein paar Stunden wegputzen”, sagte Bürgermeister Cammaert. Das vielbesuchte Einkaufszentrum Outlet Center Roermond gab unterdessen auf seiner Homepage bekannt, weiterhin geöffnet zu sein, da es außerhalb der Gefahrenzone liege.

Die Rauchwolke war nach dem Brand zunächst von Roermond nach Osten gezogen, also in Richtung Deutschland. In den umliegenden Städten, etwa dem knapp 20 Kilometer entfernten Heinsberg und dem 35 Kilometer westlich gelegenen Mönchengladbach, war die Situation beobachtet worden. Für die Anwohner bestand jedoch keine Gefahr, sagten Stadt-Sprecher. Geplante Messungen der Luft seien wieder abgesagt worden. Der Asbestalarm gelte nur für Roermond, sagte eine Sprecherin der Feuerwehr in Viersen.

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes in Essen war am Mittwoch eine leichte Strömung von Südwesten Richtung Nord-Ost unterwegs. Der starke Niederschlag in der Grenzregion wasche die Asbest-Partikel aber an Ort und Stelle aus der Atmosphäre nach unten, sagte ein Sprecher.

Was das Feuer ausgelöst hatte, war noch unklar, berichten niederländische Medien. Menschen waren bei dem Unglück nicht zu Schaden gekommen.

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