Aachen - Arrest als letzte Mahnung für den 19-jährigen Neonazi

Arrest als letzte Mahnung für den 19-jährigen Neonazi

Von: Michael Klarmann
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Weil er zwei Personen „ohne Grund” ins Gesicht geschlagen und verletzt hat, soll ein Neonazi vier Wochen Arrest absitzen.

Die Jugendrichterin mahnte den schon seit seinem 15. Lebensjahr einschlägig aufgefallenen 19-Jährigen, er möge die Zeit dazu nutzen, darüber nachzudenken, wie seine weitere Zukunft aussehe. Mache er weiter wie bisher, dann sei der Arrest nur ein „Vorgeschmack” auf eine zu erwartende Freiheitsstrafe.

Verhandelt wurden in dem Prozess am Amtsgericht Aachen mehrere Straftaten. Vorgeworfen wurden dabei dem Neonazi aus Richterich und einem weiteren Heranwachsenden Gewalt- und Volksverhetzungsdelikte. Die Opfer waren junge Männer, die etwa wegen ihres Äußeren oder ihrer Herkunft als Gegner angesehen wurden. Zugetragen hatten sich die Taten im November 2008 bei einer Vorabifeier eines Gymnasiums, im Dezember 2009 in einer Diskothek und an Karneval 2010 auf dem Marktplatz.

Mit „Kameraden”

Im letzteren Fall hatte der Neonazi einen 18-Jährigen mit längeren Haaren gefragt, ob er ein „Linker” und eine „Zecke” sei - danach schlug er dem Opfer ins Gesicht. Ähnliches trug sich in der Diskothek in der Innenstadt nach einer Diskussion mit einem jungen Mann zu, nachdem der 19-Jährige mit „Kameraden” der Neonazi-Bande „Kameradschaft Aachener Land” (KAL) dort aufmarschiert war. Der Neonazi schlug auf der Toilette dem Opfer plötzlich ins Gesicht, es trug Prellungen, eine aufgeplatzte Lippe und einen Zahnschaden davon.

Beide Taten sah die Jugendrichterin am Donnerstag als erwiesen an. Motivation dafür sei „ganz offensichtlich” die rechtsextreme Gesinnung des Täters gewesen, sagte sie. Solche Ansichten dürften auch dazu beigetragen haben, dass auf einer Schulfeier Ende 2008 verbale Unstimmigkeiten zwischen Migranten und rechtsgerichteten Jugendlichen in eine wüste Schlägerei gemündet waren. Dabei sollen der 19-Jährige und ein Mitangeklagter fremdenfeindliche und neonazistische Parolen skandiert haben.

Zigaretten gestohlen

Daher war beiden Heranwachsenden zudem Volksverhetzung vorgeworfen worden. Weil aber wegen der tumultartigen Zustände und der alkoholisierten Beteiligten keinem von Beiden konkret das Rufen von Parolen zugeordnet werden konnte, wurden sie von diesem Vorwurf freigesprochen. Wegen des Diebstahls von Zigaretten im März 2010 wurde der zweite Heranwachsende, der unterdessen nichts mehr mit der rechten Szene zu tun haben will, indes verwarnt. Er muss daher dreißig Sozialstunden ableisten.

In die Gesamtstrafe gegen den verurteilten Neonazi aus Richterich floss zudem ein, dass er 2009 ohne Fahrschein in einem Bus aufgegriffen worden war. Der 19-Jährige war auch zuvor schon fünfmal strafrechtlich aufgefallen. Der Appell, einmal ernsthaft über seine Zukunft nachzudenken, schien ihn jedoch wenig zu kümmern. Gegen das Urteil wolle er Rechtsmittel einlegen, sagte er kurz nach dem Urteilsspruch.

Zum engsten Kreis

Zurzeit steht der 19-Jährige im Verdacht, weitere einschlägige Straftaten begangen zu haben, erfuhren die „Nachrichten” aus Polizeikreisen. Demnach soll er - neben dem 24-Jährigen, der als Haupttäter gilt - zum engsten Kreis jener Tatverdächtigen gehören, die für eine Serie rechter Schmierereien, etwa an Parteibüros und an der Wand des jüdischen Friedhofes, beteiligt gewesen sein sollen.
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