Arnold Pier schwer gezeichnet

Von: Manfred Kutsch
Letzte Aktualisierung:
Arnold Pier
Der frühere Wegberger Klinikchef und Chefarzt Dr. Arnold Pier muss sich vor dem Landgericht Mönchengladbach verantworten. Foto: Ralf Roeger

Mönchengladbach. Sieben Monate Untersuchungshaft und 20 Verhandlungstage haben Arnold Pier, den einstigen Chefarzt der Wegberger Antonius-Klinik inzwischen erkennbar gezeichnet.

Mit angespannter Miene und „extrem unter Druck”, so sein Anwalt Thomas Verheyen, verfolgte der 53-Jährige den unheilvollen Verlauf des Prozesstermins am Landgericht Mönchengladbach.

Schwere Körperverletzung (bis zu drei Jahre Haft) wirft ihm die Staatsanwaltschaft im dritten von 19 zu verhandelnden Fällen vor. Es geht um die damals 85-jährige Patientin Katharina M., die Anfang 2006 nach einem Sturz in ihrer Wohnung mit einem Spiralbruch des rechten Oberschenkelknochens ins Wegberger Hospital eingeliefert wurde. Der Anklage nach „völlig unnötig” führte Pier eine dauerhafte Versteifung des Kniegelenks durch, dessen angeschraubte Platte sich anschließend auch noch löste und eine zweite Operation erforderlich machte.

Letztere führte Pier am Donnerstag darauf zurück, „dass sich die Patientin den Gips abgerissen hat und über das Gitter ihres Bettes klettern wollte”. Er verteidigte zwar die Knieversteifung, räumte aber ein: „Aus heutiger Sicht hätte ich es auch anders machen können.”

Dieser Meinung war auch der Sachverständige Peter-Michael Hax (56), Unfallchirurg und Orthopäde aus Duisburg. Die von Pier ausgeübte Behandlungsweise sei „in keinem Lehrbuch” zu finden. Ein mit Schrauben befestigter äußerer Halter des Knies wäre angemessen gewesen. Im Übrigen habe der Ex-Chefarzt die Metallplatte im Knie „so schwach befestigt”, dass eine „Loslösung auf jeden Fall passiert wäre”. Der Gutachter wörtlich: „Ein solches Verfahren kann man nicht gelten lassen.” Mit der standartisierten Behandlungsweise hätte die Patientin „gute Erfolgsaussichten” gehabt.

Immer wieder musste freilich eingeräumt werden, dass die Patientin auch vor ihrem Sturz bereits Knieprobleme hatte - doch immerhin konnte sich die Seniorin noch alleine versorgen, wie ihr Hausarzt Franz-Josef H. (62) aussagte. Nach der Versteifung des Knies jedoch musste die 2009 altersbedingt Verstorbene in ein Pflegeheim.

„Zumeist war sie nur noch im Rollstuhl mobil”, bekundete die Zeugin Marion H. (55), Leiterin des Pflegeteams. Mit dem Rollator seien wegen ihrer starken Beschwerden nur noch kurze Strecken möglich gewesen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert