Armin Halle: „Ein Desaster für den AKV”

Von: Manfred Kutsch
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Aachen. Auch am Montag glühten wieder die Telefondrähte zwischen Werner Pfeil, dem leidgeplagten neuen Präsidenten des Aachener Karnevalsverein, und dem Büro seines designierten Ordensritters, Karl-Theodor zu Guttenberg.

Dass dem Verteidigungsminister angesichts der Bundeswehr-Affären und der politischen Diskussionen um ihn selbst wenig nach Aachener Narretei zumute ist, darf unterstellt werden - treibt aber die Probleme rund um die Vorbereitung der Fernsehsitzung am 19. Februar auf die Spitze. Pfeil selbst spricht inzwischen „von zwei Alternativen” für den wahrscheinlichen Fall, dass Guttenberg nicht nach Aachen kommt. Mehr mag er nicht sagen. „Wir müssen das mit dem Ritter selbst noch abklopfen.”

„Unter den gegenwärtigen Umständen kann Guttenberg auf keinen Fall in eine Karnevalsveranstaltung gehen”, sagt einer, der es wissen muss: Armin Halle, Sprecher der Verteidigungsminister Helmut Schmidt (1969 bis 1972) und Georg Leber (1972 bis 1978). Als der AKV-Ordensritter Schmidt 1971 kurz vor der Festsitzung erkrankte, sprang Halle in die närrische Bresche und blieb bis heute dem Verein als Knappe verbunden.

Guttenberg stecke „in einem höchst komplizierten Amt in einer höchst komplizierten Situation”, urteilt der heute 74-jährige einstige Chefmoderator von Sat.1. Auch „ohne jede persönliche Schuldzuweisung” stehe der Minister „für das gerade, was in seinem Verantwortungsbereich” geschehe. „Diese Lage ist ein Desaster für den AKV. Das hat der Orden nicht verdient, so unter die Räder zu kommen”, sagt Halle.

Ohnehin empfindet er „die Ritterwahl der beide letzten Jahre wenig glücklich”. Damit meint er Vorgänger Jürgen Rüttgers, „der sich in einem Wahljahr befand”. Und auch die Personalie Guttenberg sei halt „von vornherein mit enormen Risiken” verbunden gewesen: „Es stand fest, dass der Ritter nicht kommen kann, wenn einem Soldaten vor der Sitzung etwas passiert.”

Ein Hauch von Kanzlerin

Da war eine solche Serie von Unglücksfällen bei der Bundeswehr noch gar nicht absehbar. Oder vielleicht doch? „Dieses Amt ist wie kein anderes in der Regierung hochgradig riskant”, sagt Halle. „Wenn man die läppischen Kriterien zugrunde legen würde, die Georg Leber damals zum Rücktritt verleiteten, dann wäre Guttenberg heute längst kein Verteidigungsminister mehr.” Der heute 90-jährige Leber hatte seinerzeit sein Amt zur Verfügung gestellt, weil der Militärische Abschirmdienst seine Sekretärin in deren Wohnung abgehört hatte, da sie der Stasi-Spionage verdächtigt wurde.

Armin Halle ist nun „sehr gespannt”, wen Guttenberg als Knappe nach Aachen schicken wird: „Seine Frau Stephanie wäre auf jeden Fall eine gute Lösung. Dann hätten wir mit Bismarcks Urenkelin einen Hauch von Kanzlerin in der Ritterrunde.”
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