Archiv-Einsturz: Gestohlene Stahlbügel nicht die Ursache

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U-Bahn-Baustelle Köln
Ein Bauarbeiter steht an der U-Bahn Baustelle Heumarkt in Köln. Dort fehlten mehr als 80 Prozent der vorgesehenen stabilisierenden Eisenbügel. Foto: dpa

Köln. Die Kölner Staatsanwaltschaft hat gestohlene Stahlbügel als Ursache für den Einsturz des Stadtarchivs im März 2009 ausgeschlossen.

„Eine Baugefährdung hat nach Feststellung der Gutachter nicht vorgelegen”, sagte Oberstaatsanwalt Günther Feld am Dienstag der dpa. Bei dem Unglück waren zwei Menschen ums Leben gekommen. Der Großteil der einzigartigen Archivbestände wurde beschädigt.

Seit mehreren Monaten hatte die Kölner Staatsanwaltschaft gegen zwei am Bau beteiligte Personen ermittelt. Sie durchsuchte auch das Gelände eines Altmetall-Händlers. An der U-Bahn-Baustelle, an der das Stadtarchiv eingestürzt war, waren nach Erkenntnissen der Fahnder Stahlbügel entwendet worden. Der Einsturz könne dadurch aber nicht ausgelöst worden sein, ergaben nun die Ermittlungen.

Die Stahlbügel waren in einer frühen Bauphase zur Stabilisierung benötigt worden. Nachdem die extrem dicken Tunnelwände aus Beton gegossen worden waren, verloren sie ihre Funktion.

Die beiden Beschuldigten würden in Kürze wegen Diebstahls angeklagt, sagte Feld. Ihnen konnte aber nur die Unterschlagung von Stahl im Wert von bis zu 4000 Euro nachgewiesen werden.

Ob auch an anderen Bauplätzen für U-Bahn-Haltestellen in der Kölner Innenstadt Bügel entwendet worden seien, lasse sich nicht mehr feststellen: „Dann hätte man ja die fertigen Wände wieder einreißen müssen”, sagte Feld zur Begründung.

Die Arbeiten zur Bergung der verschütteten Archivalien sind noch nicht abgeschlossen. Es besteht immer wieder die Gefahr, dass Trümmer in dem tiefen Trichter zusammenrutschen können. Erst wenn die unterirdischen Bergungsarbeiten abgeschlossen sind, kann mit der Errichtung eines Sicherheitsbauwerks für die Ermittler begonnen werden. Von dort aus soll der Unglücksort dann untersucht werden.

Gut 90 Prozent der kostbaren Bestände wurden - in teilweise gutem, teilweise stark zerstörtem Zustand - geborgen. Zugleich habe man sich 2010 „erfolgreich der gewaltigen Aufgabe des Wiederaufbaus gestellt”, sagte Kulturdezernent Prof. Georg Quander am Dienstag. Die Restaurierung der Archivalien werde aber mindestens 30 bis 50 Jahre dauern. „Die Katastrophe des 3. März 2009 wird uns wohl immer begleiten.”

Damals war das Historische Stadtarchiv, eines der bedeutendsten in Europa mit 1000 Jahre alten Dokumenten, binnen Sekunden eingestürzt. Zwei Menschen starben. Archivdirektorin Bettina Schmidt-Czaia und Quander zogen mit Blick auf die bereits geleisteten Arbeiten aber auch eine positive Bilanz. „Wir sind jetzt bei 90 Prozent und hoffen auf die Bergung von 95 Prozent der Bestände. Bergung heißt allerdings nicht Rettung, dafür werden wir noch ganz viel tun müssen”, erklärte Schmidt-Czaia. Fünf Prozent gelten als komplett verloren.

Die Bestände waren zuerst aus den Gebäudetrümmern geborgen worden und ab Sommer 2009 mit großen Aufwand aus einem unterirdischen Krater. Am 4. Januar sollen Taucher dort im Grundwasser nach begrabenen Trümmern suchen, unter denen weitere Archivalien verborgen sein könnten. „Ende Januar wollen wir die Grube besenrein an die Staatsanwaltschaft für die weiteren Ermittlungen übergeben”, sagte Schmidt-Czaia.

Derzeit lagern die Kölner Bestände in 19 Asylarchiven, wo bisher 14 Prozent der geborgenen Gütern erfasst wurden. Bis aber jedes einzelne Fundstück - es sind teilweise nur winzige Fragmente - erfasst sind, dauert es noch drei bis fünf Jahre, meinte Schmidt- Czaia. Das Archiv verfüge nun auch über zwei wichtige provisorische Standorte - einen in der Innenstadt, einen als Restaurierungs- und Digitalisierungszentrum am Rande der Stadt.

Quander sagte, man wolle bis 2015 ein neues Archivgebäude beziehen. In Kürze werde dazu europaweit ein Architekten-Wettbewerb ausgelobt. Die Entscheidung solle im Sommer 2011 fallen. Die Restaurierung wird nach Schätzungen mindestens 400 Millionen Euro kosten.
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