Archäologen finden 7200 Jahre altes Bauernhaus

Von: dpa
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Archäologischer Fund in Düren
Ein Archäologe legt Fundstücke auf einem Friedhof in Düren frei. Archäologen haben das älteste Bauernhaus links des Rheins gefunden. Der Fund bei Düren-Arnoldsweiler ist rund 7200 Jahre alt, wie Experten am Fundort mitteilten. Foto: dpa

Düren. Sie hätten am liebsten sofort vor Freude über ihren spektakulären Fund gejubelt. Aber aus Angst vor Grabräubern haben die Archäologen still gehalten, Monat für Monat weitergegraben. Jetzt, fast am Ende ihrer Geduldsarbeit, haben sie am Mittwoch ihr Geheimnis gelüftet: An der Autobahn zwischen Köln und Düren haben sie das älteste linksrheinische Bauernhaus gefunden.

Der Fund bei Düren- Arnoldsweiler ist 7200 Jahre alt und stammt aus der Jungsteinzeit, die Zeit, in der Jäger und Sammler sesshaft wurden. Außerdem legten die Experten eine ganze Großsiedlung frei - und direkt daneben einen der deutschlandweit größten Friedhöfe aus der Zeit.

Das sei ein Fund der Extraklasse, befand das Rheinische Amt für Bodendenkmalpflege. Bisher gingen die Wissenschaftler davon aus, dass die ersten vom Osten hereinwandernden Bauern nicht über den Rhein kamen, weil es keine entsprechenden Funde gab. Das Kapitel wird jetzt fortgeschrieben: Auch jenseits des Rheins ließen sie sich auf fruchtbarem Land nieder und betrieben Ackerbau. Bis dahin hatten die Menschen in Laubhütten gelebt.

Das am Computer rekonstruierte Bauernhaus erinnert an eine Scheune: Bis zu acht Meter hoch und 35 Meter lang, an einem Ende schließt das Haus mit einem schmalen Rechteck ab. „Es hatte 120 bis 140 Quadratmeter Grundfläche”, sagte Archäologe Erwin Cziesla. Der Geschäftsführer der Grabungsfirma „Wurzel Archäologie” geht davon aus, dass bis zu acht Menschen in dem Haus aus Eichenholz gewohnt haben - wahrscheinlich viele Kinder.

„Man kann davon ausgehen, dass Tiere nicht darin untergebracht waren”, schloss er aus Bodenproben-Untersuchungen. Bleibt auch für ihn die Frage: Warum war das Haus dann so groß? Von diesem Haus ausgehend, hätten sich immer mehr Menschen angesiedelt. 35 Häuser aus der Jungsteinzeit sind freigelegt. „Wahrscheinlich stecken aber noch 40 bis 50 Häuser im Acker”, vermutet Cziesla.

Aus Sicht der Experten ganz ungewöhnlich legten die ersten sesshaften Siedler gleich neben dem Dorf einen Friedhof an. „Mit 202 und mehr Bestattungen ist es wahrscheinlich der zweitgrößte jungsteinzeitliche Friedhof in Deutschland”, sagte Grabungsleiter Oliver Ungerath. Mit kleinstem Werkzeug wie Löffelchen und Pinselchen legten er und seine Kollegen fast 110 Skelette frei. Die wurden zwar über die Jahrtausende im Boden zersetzt, sind aber immer noch erkennbar: Viele Kinder, ein Jugendlicher, Erwachsene mit Grabbeigaben wie Beil, Reib- oder Malstein, ein Erwachsener mit einem Neugeborenen.

Wer waren diese Menschen: Wie alt wurden sie, welche körperliche Gebrechen hatten sie? Auch wenn sie sich seit Monaten indirekt mit den Bewohnern befassen, die Archäologen wissen es nicht. Für die weitere Forschung in den Labors sichern sie Zahnreste aus den Gräbern, den härtesten Teil eines Menschen. Diese Fragen werden in den nächsten zehn bis 15 Jahren Anthropologen klären.

Der Siedlungsplatz an der Autobahn ist heute eine Wüstenei. Früher war er offensichtlich ein attraktives Plätzchen. Nach Jungsteinzeit entstanden an diesem Platz in unterschiedlichen Epochen vier weitere Siedlungen.

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