Arbeitsgericht Aachen zieht Jahresbilanz

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Dass die Wirtschaft momentan boomt, scheint die Arbeitsgerichte der Region vor einem Anstieg der Fallzahlen zu bewahren. Nach einem Spitzenwert im Jahr 2013 sanken die Verfahren an den Arbeitsgerichten für den Bereich Heinsberg, Aachen und Düren von 5326 auf 5012.

Diese Zahl liegt bereits knapp unter dem Niveau des Jahres 2012, als die acht Richter in Aachen rund 5100 Arbeitsgerichtsverfahren zu beackern hatten. Zudem freut sich Direktor Klaus Brondics über eine zusätzliche Richterstelle in Aachen. Der Aachener Arbeitsgerichtsbezirk, der Viertgrößte in NRW, ist also derzeit bestens aufgestellt. Und tatsächlich will Brondics von einer Überlastung derzeit nichts wissen. Nein, das könne man so nicht behaupten, sagte der Direktor am Freitag auf der Jahrespresskonferenz.

Hinter den nackten Fallzahlen verbergen sich oft erschütternde Einzelschicksale – oder auch merkwürdige bis skurrile Fälle aus dem Arbeitsleben. So berichtete beispielsweise Richter Benedikt Hövelmann über einen Fall mon­ströser Ausweitung so genannter Kettenarbeitsverträge. Eine Aachener Hochschule hatte seit 1990 eine Forscherin mit einer Aneinanderreihung von Zeitverträgen beschäftigt. Das sei rechtlich in einem bestimmten Umfang zulässig, erklärten die Richter. Aber in diesem Fall sei die Hochschule „in den roten Bereich“ geraten. Denn in diesen 23 Jahren hatte die 48-Jährige ihre Arbeit im Rahmen von insgesamt 30 Zeitverträgen ableisten müssen. Die Forscherin klagte auf unbefristete Einstellung. Hiergegen wandte die Hochschule ein, sie werde vorrangig aus Drittmitteln aus dem privaten Forschungssektor bezahlt. Das fruchtete nichts, die Frau muss nun einen festen Arbeitsvertrag erhalten.

Der kuriose Fall eines Küsters aus der Region endete demgegenüber in einem Vergleich – was mehr als 60 Prozent der Arbeitsgerichtsverfahren tun. Der Küster hatte mit Frau und Kindern in einer kirchlichen Wohnung gelebt. Als 2010 die Ehefrau mit den Kindern aber auszog, weil das Paar sich scheiden lassen wollte, wollte der Küster die 120-Quadratmeter-Wohnung kündigen: zu groß und zu teuer. Die Kirche untersagte dies aber. Also vermietete der Küster Zimmer an Studenten weiter. Als das sein Arbeitgeber feststellte, sollte er umgehend aus dem Arbeitsvertrag und aus der Wohnung fliegen. Er habe ohne Erlaubnis untervermietet, hieß es von Seiten der Kirche. Der Küster konnte trotz Gerichtsverfahren die Sache nicht mehr retten, in einem Vergleich bekam er zwar eine Abfindung, der Job aber war weg.

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