Aachen/Köln - Anwalt von Gladbeck-Entführer Rösner: „Keine Chance gegen die ARD“

Anwalt von Gladbeck-Entführer Rösner: „Keine Chance gegen die ARD“

Von: epd
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1988: Entführer Hans-Jürgen Rösner spricht während der Irrfahrt mit einem Reporter. Foto: dpa

Aachen/Köln. Der Gladbecker Geiselgangster Hans-Jürgen Rösner gibt den juristischen Kampf gegen eine ARD-Verfilmung vorerst auf. Er habe sich entschieden, von einer Verfassungsklage abzusehen, sagte Rösners Anwalt Rainer Dietz am Dienstag in Aachen.

Eine Beschwerde Rösners gegen die Ablehnung einer einstweiligen Verfügung gegen die Berliner Produktionsfirma Ziegler Film war zuvor ebenso gescheitert wie ein Befangenheitsgesuch.

Die Dreharbeiten für das zweiteilige Doku-Drama „Gladbeck“ hatten im Sommer vergangenen Jahres begonnen und sind inzwischen abgeschlossen. Der Film ist eine Produktion von Ziegler Film in Koproduktion mit ARD Degeto und Radio Bremen für Das Erste. Nach Angaben der Degeto erzählt er die Ereignisse „aus Perspektive mehrerer Beteiligter“. Ein Sendetermin steht noch nicht fest.

Dietz kündigte an, den Zweiteiler kritisch zu beobachten und gegebenenfalls im Nachgang juristische Schritte einzuleiten. Rösners Anwalt argumentiert, durch die Verfilmung werde eine mögliche Wiedereingliederung seines Mandanten in die Gesellschaft gefährdet. Er befürchtet, dass der Film sich auf die Opfersicht konzentriert.

Der Anwalt von Ziegler Film, Christian Schertz, hatte darauf verwiesen, dass die Täter des Geiseldramas bis heute im wahrsten Sinne des Wortes Personen der Zeitgeschichte seien und daher grundsätzlich eine filmische Darstellung der Tat hinnehmen müssten.

Das Oberlandesgericht Köln hatte Ende Juli vergangenen Jahres eine Beschwerde Rösners gegen die Abweisung eines Prozesskostenhilfeantrags abgelehnt. Gegen den dafür zuständigen Senat stellte Rösner einen Befangenheitsantrag, der im Herbst zurückgewiesen wurde. Das Landgericht Aachen hatte Mitte Juli zudem eine einstweilige Verfügung Rösners gegen Ziegler Film abgelehnt.

Die dagegen eingelegte Beschwerde wies das OLG Mitte November ebenfalls zurück. Das OLG erklärte, die Abwägung der grundrechtlich geschützten Interessen der Beteiligten führe dazu, dass Rösner keinen generellen Anspruch auf Unterlassung der Veröffentlichung eines Spielfilms über seine Tat und deren Umstände habe. Dass in den Dreharbeiten zu dem Doku-Drama der Antragsteller in einer „über die Wiedergabe der wahren Geschehnisse hinaus benachteiligenden Weise“ dargestellt werde, sei nicht glaubhaft gemacht.

Rösners Anwalt Dietz sagte, es sei „leider eklatant offensichtlich“, dass sein Mandant „gegen die ARD juristisch keine Chance“ habe. Die Begründungen der Gerichte entsprächen „nach wie vor dem Zeitgeist aus dem Jahre 1988“ und stellten Rösner „faktisch rechtlos“.

Rösner hatte 1988 mit seinem Komplizen Dieter Degowski eine Bank in Gladbeck überfallen. Bei der anschließenden Flucht durch Deutschland und die Niederlande kamen zwei Geiseln und ein Polizist ums Leben. Rösner und Degowski wurden 1991 zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt. Rösner sitzt derzeit in der Justizvollzugsanstalt Aachen.

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