Aachen - Anwärter besuchen für einen Tag die Aachener Bundespolizeiinspektion

Anwärter besuchen für einen Tag die Aachener Bundespolizeiinspektion

Von: Christoph Pauli
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Erste Berührung mit der Praxis: Die jungen Polizeimeisteranwärter und Polizeimeisteranwärterinnen wie Julia Selbach (links neben dem Wagen) beobachteten die Kontrollen ihrer Kollegen am Autobahnparkplatz. Foto: Ralf Roeger
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Erste Berührung mit der Praxis: Die jungen Polizeimeisteranwärter und Polizeimeisteranwärterinnen beobachteten die Kontrollen ihrer Kollegen am Bahnhof. Foto: Ralf Roeger
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Die Anwärter besuchten für einen Tag die Aachener Bundespolizeiinspektion. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Am Parkplatz Königsberg auf der A44 kontrollieren an diesem Morgen Beamte ein paar Fahrzeuge. Sie haben am Grenzübergang Lichtenbusch auf Kundschaft „gelauert“, nun bekommen die Fahrzeuge „Geleitschutz“ zum Parkplatz. Die beiden Georgier, die den alten Audi verlassen, sind ein wenig verdutzt.

Nicht zwei oder drei Polizisten, sondern gleich eine ganze Busladung Uniformierter warten auf sie. Und gefilmt werden sie vermutlich auch nicht jeden Tag. Einer von ihnen ist ein alter Bekannter in der Datenbank. Vorbestraft wegen Diebstählen und Einbrüchen. Klar, dass die Ladung im Kofferraum die Aufmerksamkeit der Kontrolleure erregt.

Dazu gehören am Donnerstagmorgen 75 Polizeimeisteranwärter und -Anwärterinnen aus dem Ausbildungszentrum Swisttal, die die Bundespolizeiinspektion Aachen besuchen. Bei der chronisch unterbesetzten Aachener Behörde sind die Kollegen im Alter zwischen 16 und 39 Jahren extrem willkommen, weil viele Stellen dort nicht besetzt sind. Neue Kräfte sind begehrt. Der Standort Aachen ist kein Ausbildungszentrum, Kollegen werden zugewiesen – und wieder abgezogen. Im Rahmen der Ausbildung schaut der Nachwuchs ab dem zweiten Lehrjahr zu fünfwöchigen Praktika vorbei.

Am Standort Aachen haben die Polizisten mehrere Aufgaben: Sie sichern 204 Kilometer Grenze zu den Niederlanden und zu Belgien und etwa 200 Zugkilometer. Für die Auszubildenden ist die reale Szene an der Autobahn nach monatelanger theoretischer Ausbildung ein willkommener erster Ausflug in die Praxis. Der Tag beginnt bereits mit Personenüberprüfungen am Gleis 1 im Hauptbahnhof, wo auch die Aachener Abteilung ihren Sitz hat.

„Wir haben viele gesetzliche Grundlagen vermittelt bekommen“, sagt Michelle Müller. Gesprächssituationen werden simuliert, analysiert, Stress wird gezielt aufgebaut, Deseskalationsstrategen werden vermittelt. Aber der Alltag orientiert sich dann nicht immer an den Schulungsunterlagen. Die 17-Jährige aus Mönchengladbach ist nach ihrer mittleren Reife zur Bundespolizei gegangen, die bundesweit derzeit 43.000 Mitarbeiter beschäftigt. Sie reize die sportliche Herausforderung und die Kameradschaft, sagt sie.

Der Realschulabschluss ist die Einstiegsqualifikation für die zweieinhalbjährige Ausbildung im mittleren Dienst. Landes- und Bundespolizei und Zollbehörden konkurrieren um den Nachwuchs. Der öffentlichkeitswirksame Ausflug des Nachwuchses nach Aachen gehört zum Werbekonzept. Am 1. November endet die Bewerbungsfrist für eine Ausbildung ab dem September 2018.

Es gibt viele Gründe

„In diesem Jahr hat die Bundespolizei bundesweit bereits 1800 Polizeianwärter für den mittleren und 380 Kommissaranwärter für den gehobenen Dienst eingestellt“, teilt Christof Irrgang, der Sprecher der Aachener Inspektion, mit. Viele der angehenden Bundespolizisten haben bereits einen anderen Beruf erlernt. Metzger, Einzelhandelskaufmann, Hotelfachangestellte. Markus Ludwikowski hat als Anlagenmechaniker im Bereich der Haustechnik für eine Hotelkette gearbeitet.

Spaß hat das am Ende nicht mehr gemacht. Er habe die Uniform angezogen, „weil das Thema Sicherheit für mich und viele andere in Europa zunehmend wichtiger wird“, sagt der 23-Jährige. Julia Selbach hat zwei Jahre als Veranstaltungskauffrau gearbeitet, ehe sie eine neue Ausbildung begann. „Mich begeistert die Vielzahl der beruflichen Möglichkeiten.“ Ihr Ziel: Diensthundeführerin.

Serdar Can ist gebürtiger Aachener. In der Aachener Dienststelle ist der 32-Jährige Gruppenleiter, aber aktuell ist er für ein Jahr als Fachlehrer zum Fortbildungszentrum in Swisttal versetzt. Er spricht begeistert von der „hohen Motivation“ der Schüler. „Sie haben das Bedürfnis, für etwas Gutes einzustehen.“ Manch einer gibt auch „Abenteuerlust“ als Motiv für seine Berufswahl an. Der erfahrene Ausbilder Matthias Vogt nimmt das meistens grinsend zur Kenntnis. „Das gehört zu dieser Generation. Der Abenteuergedanke ist fast immer nach ein paar Monaten verflogen.“

Für die Anwärter ist es ein erster Schnuppertag in der freien Wildbahn, viele weitere werden bis zum Ausbildungsende folgen. Sie werden alle noch kritische Situationen in ihrem neuen Beruf kennenlernen müssen. Dabei regt der Ort der Polizeikontrolle zum Nachdenken an: Im April 1990 wurde auf dem Parkplatz ein Polizeihauptmeister erschossen, als er einen entflohenen Häftling überprüfen wollte.

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